Die Angelsachsen machen es uns vor, wie wir in Konversation und zwischenmenschlichem Umgang weiterkommen können. Das Buch von Doris Märtin ist durch und durch aufschlussreich, gelungen und anregend, so dass es eine ausführlichere Würdigung und Rezension verdient.
Es sind die kleinen Unterschiede im sprachlichen Verhalten, die Briten und Amerikaner weiterbringen.
Keineswegs geht es nach Doris Märtin darum, dass wir alles gedankenlos schlucken, was aus dem anglo-amerikanischen Bereich kommt. In Sachen Gesprächskultur dürfen wir Deutschsprachigen uns jedoch einiges von ihnen abschauen.
Es gibt gewisse Erfolgsmuster, die wir mit Gewinn für uns nutzbar machen können.
Insgesamt gilt dies für neun Bereiche:
-Anrede
Was es mit dem "you" auf sich hat, wird hier sehr gut erklärt. Da das vertraute historische "thou" abgeschafft wurde, siezen sich eigentlich in England alle. Kurzformen des Vornamens hingegen zeugen von echter Vertrautheit. Das situationsangepasste Spiel mit dem Namen erweist sich nicht nur im Job als vorteilhaft.
-Smalltalk
Bei uns verpönt, bei den Angelsachsen der lohnenswerte Lückenfüller und Eisbrecher: Das Wetter. Im Zweifelsfall ist es besser immer darüber zu reden. Beim Austausch von Smalltalk geht es nicht um Meinungen, sondern einfach um Freundlichkeiten. Positive Neugier, Zustimmung und Anerkennung- das ist es, was wirklich zählt.
-Enthusiasmus
Die Autorin beweist es: Dieser erleichtert nachweislich das Miteinander. Herzlichkeit nach dem Giesskannenprinzp zahlt sich aus. Diese good attitude bringt weiter.
-Konfliktmangement
Mit dem angelsächsichen Ansatz lassen sich auch grössere Dramen besser bewältigen. Die Suche nach Gemeinsamkeiten hält Konflikte in Schach.
-Humor
Ein sehr gutes Kapitel, kompetent geschrieben. Auch wer schon alles zu diesem Thema zu wissen meint, erhält hier interessante Hintergrundinformationen und Beispiele. Und es bestätigt sich einmal mehr Humor ist DER Airbag schlechthin.
-Understatement
Neben Fairplay und Smalltalk ein ganz besonderer Trumpf im britisch-amerikanischen Kommunikationsstil. Sich nicht ganz so wichtig nehmen, wirkt entspannend und bringt weiter. Das ist positiv einnehmend und ist das gewisse besondere Extra. Der Herzog von Edinburgh zeigt es: Sogar Fettnäpfe können einen zuweilen sympathisch machen.
-professionelle Freundlichkeit
Positive Service-Erfahrungen verbessern die Stimmung und die Zustimmung. Ich spüre hier, dass es im deutschsprachigen Raum noch Spielraum nach oben gibt. Wenn man Fehler vertuschen möchte, dann nur die der Kunden. Wunscherfüllung, statt Wunschverweigerung- das ist das Motto in UK und US.
-Vortragsstil
An diesem Kapitelthema bin ich besonders interessiert und ich habe es mit Genuss gelesen.
Hier wird gezeigt, wie man Herzen gewinnt und Ideen zünden. Eine gute Rede ist wie ein Bikini, knapp genug, um spannend zu sein, aber alle wesentlichen Stellen abdeckend.
-die feine angelsächsische Art
Im Finale des Buches wird noch einmal unterstrichen, dass die angelsächsiche Art mehr als gute Manieren bedeutet und das ein Gentleman-Habitus sich auch lohnt. Übrigens bei aller Liebe zur Anglophonie: Die Autorin empfiehlt, das wir Deutschsprachigen die Anglizismen reduzieren.
Das Buch bezieht sein Material aus andern Büchern, Filmen, Reden, TV, Unterhaltungsbestsellern, anspruchsvoller Literatur und auch wenn es die Autorin nicht sagt (Understatement in Aktion) aus deren profundem Wissen um die anglo-amerikanische Kultur und Sprache.
Ich habe hier viel lernen und für mich mitnehmen können und kann für dieses Buch nur eine unbedingte Leseempfehlung geben.