Nützliches Büchlein
Das Verdienst dieses Buches liegt u.a. darin, dem absoluten Laien beim Einstieg in WordPress behilflich zu sein und über die Darstellung von Kernfunktionen hinaus auch Fragen der individuellen Anpassung und Erweiterung zu behandeln. Sicher kann man das alles auch irgendwo verstreut im Internet finden, aber die hier vorliegende kompakte Hinführung verdient dennoch Anerkennung.
Es handelt sich um einen sehr schmalen Band. Kein Wunder, daß da einiges nur angerissen wird und nicht jede Einstellungsoption behandelt werden kann. Trotzdem habe ich den Eindruck, daß der Verfasser ein klein wenig unter seinen Möglichkeiten bleibt, denn manches (z.B. die Thematik RSS) hätte sich schon noch präziser und etwas ausführlicher fassen lassen - jedenfalls für Anfänger.
Erklärter Gegenstand dieses Buchs sind die technischen Aspekte des Programms. Hervorhebenswert sind dabei auch die Darstellungen zur Sicherung des Datenbestandes und zur Abwehr von Kommentarspam. Vor diesem Hintergrund scheint es u.U. nicht angebracht, letztlich doch ein paar grundsätzliche Bemerkungen zur Blogkultur zu vermissen. Dennoch: Selbst wenn man die sich in den traditionellen Medien gegenüber dem Phänomen des Bloggens derzeit äußernde Mischung aus Verlegenheit und Euphorie eher schmunzelnd registriert - die Unsicherheiten, die ein erster Sprung in die „Blogosphäre" mit sich bringen kann, scheinen in der Tat beträchtlich. Sei es nur das Management der Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre, das schon immer mehr als nur eine Frage des Geschmacks war. Freilich kann man sich auch naiv und unbefangen in das Abenteuer stürzen. Wer aber als Einsteiger zu so einem Buch greift, der sollte dort m. E. auch ein paar Worte zur Sensibilisierung im Umgang mit diesem Medium finden.
Das Programm wird im wesentlichen als Blogwerkzeug beschrieben. Zwei weitere wichtige Funktionalitäten werden aber nicht in dem Maße herausgestellt, in dem es vielleicht wünschenswert gewesen wäre. Das betrifft zum einen die mit der Verwaltung auch statischer Seiten einhergehende Möglichkeit des Einsatzes als „Content Management System". Vorwort und entsprechender Klappentext verweisen zwar darauf, auch wird die Erstellung statischer Seiten und die Einrichtung einer Homepage durchaus recht ausführlich behandelt, aber mögliche Anwendungsszenarien werden nicht entworfen, wenn man einmal von der knappen Bemerkung absieht, auf solchen Seiten ein Impressum oder einen Shop unterzubringen zu können.
Eine weitere Einsatzmöglichkeit von WordPress liegt in der Verwaltung von Online-Gemeinschaften. Auch hierzu finden sich Anregungen im Buch, die aber aus meiner Sicht nicht konsequent genug entwickelt werden, jedenfalls nicht weit genug, um dort als Entscheidungshilfe gebraucht zu werden, wo es erst einmal darum geht, überhaupt herauszufinden, was man tatsächlich braucht: ein Werkzeug zum bloßen Bloggen, eine möglichst komfortable Verwaltung privater Daten oder firmenbezogener Informationen oder aber ein Hilfsmittel, um Menschen um ein bestimmtes Projekt herum zu gruppieren und ihnen webbasiert sowohl internen Austausch als auch externe Kommunikation zu ermöglichen. In vielen Fällen dürfte ein gemischter Bedarf bestehen, den zu evaluieren und hinsichtlich seiner Realisierbarkeit mit WordPress einzuschätzen durchaus eine Herausforderung für den Anwender und ein Ansatzpunkt für eine solche Publikation sein kann. An dieser Stelle hilft dieses Buch leider kaum weiter. Der Reiz von WordPress scheint mir aber gerade darin zu liegen, daß es in einer Vielzahl von unterschiedlich gelagerten Fällen anwendbar ist. Der Verfasser hat sich aufs Bloggen konzentriert, was ihm sehr gut gelungen ist und weshalb ich sein sympathisch geschriebenes Buch trotz der kleinen Einschränkungen für sehr empfehlenswert halte.