Viele werden Elisabeth Roudinesco noch von ihrer monumentalen Jacques Lacan Biographie kennen und schätzen. Jetzt führt sie ein längeres Gespräch, das vor allem den politisch besorgten und interessierten Derrida zeigt. Der Band, der 2001 auf französisch erschienen ist, ist kein must have für Leser, die mit Derrida schon vertraut sind, denn vieles Bekanntes wird nur noch in einer didaktischeren Form aufbereitet. Aber für Leser, die gerade mit Derrida beginnen wollen, ist der Band eine treffliche Einführung, denn hier findet sich eben alles, was Derrida die letzten Jahre interessiert hat, versammelt. Und man muss eben nicht Philosophie studiert haben, um hier folgen zu können.
Es gibt Gespräche über die Erbschaft (Kapitel 1), über die Politik der Differance, der man ja so gerne und unverschämterweise eine nihilistische Verantwortungslosigkeit vorgeworfen hat (Kapitel 2), über die Familie heute und die Möglichkeit einer Reorganisation dieses konservativen Gefüges (Kapitel 3), über die unvorhersehbare Freiheit (Kapitel 4), über die Gewalt gegen Tiere (Kapitel 5), über den Geist der Revolution (Kapitel 6), über den Antisemitismus (Kapitel 7), über die Berechtigung der Todesstrafe (Kapitel 8). Den Abschluss des Bandes macht ein Gespräch mit dem Titel Lob der Psychoanalyse (Kapitel 9).
Ich gebe dem Band fünf Sterne, weil er wirklich für jeden lesbar ist. Für Experten in Sachen Derrida würde ich den Kauf nur Freunden der Vollständigkeit raten, da sich eben vieles Bekanntes nur in einer angenehm lesbaren Form wiederholt.