Aus der Amazon.de-Redaktion
Der Autor Nikolas Kalf ist geschockt. Eigentlich ist er nach Amerika gekommen, um im Auftrag der Witwe von Eugen Meerkaz die Biografie des jüdischen Emigranten und Physikers zu schreiben. Aber kaum ist er in den USA angekommen, wird seine Frau aus dem Hotelzimmer entführt. Eine geheimnisvolle Dame im Rollstuhl verkündigt ihm, er solle die brisanten Unterlagen herausrücken, die er über Meerkaz Raketenpläne gesammelt habe, dann würde ihr kein Leid geschehen. Das einzige oder doch zumindest größte Problem dabei ist: diese brisanten Dokumente hat er nicht. Und angeblich weiß auch Meerkaz Witwe nichts davon. Zunächst ist Kalf zum Warten verdammt. Dann macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit. Und die gestaltet sich als ein Trip durch Amerika am Vorabend des Irak-Krieges, der nicht zuletzt auch die Möglichkeiten eines neuen, alternativen Lebens aufwirft -- und Kalf Hinweise auf die Frage gibt, woraus wir (und die Liebe) eigentlich gemacht sind.
Literaturgeschichtlich kommt Thomas Hettches Woraus wir gemacht sind vielleicht etwas spät. Diese Form dekonstruktivistischer, sehr melancholischer Amerika-Krimis sind wir Leser spätestens sein Gerhard Roths grandiosen Romanen Ein neuer Morgen (1978) oder Der große Horizont (1980) gewöhnt. Und auch die etwas enttäuschende Lösung am Ende und der ein oder andere nicht weiter verfolgte Erzählstrang (warum zum Beispiel ist immer wieder von Donald Judd die Rede?) vermögen -- wie schon bei Roth -- nicht ganz zu überzeugen. Trotzdem ist Hettches philosophisch angehauchter Roman keineswegs misslungen, im Gegenteil: Mit größter Spannung führt er durch das Geschehen und vermag seinen Leser von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Und mehr kann man von einem Buch ja eigentlich nicht erwarten. --Stefan Kellerer
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.06
"Ein zarter, verstörender Versuch, über das, was wir Liebe nennen, und ein intelligentes Spiel mit all den Bildern von Amerika, die jeder von uns mit sich herumschleppt (...) Nun ist ihm eines der faszinierendsten Bücher über Amerika gelungen, das seit langem in Deutschland geschrieben wurde. Über das Amerika, das unvermeidlich zu dem Stoff gehört, aus dem wir gemacht sind"
NDR Kultur, 24.08.06
"Selten ist hierzulande so fulminant, so bilderreich und zugleich so scharfsinnig erzählt worden, woraus wir gemacht sind"
Kurzbeschreibung
Niklas Kalf muss mit dem Unfassbaren fertig werden: Unbekannte haben seine schwangere Frau entführt und verlangen von ihm etwas, das er gar nicht besitzt. Niklas Kalf arbeitet an einer Biographie über den jüdischen Emigranten Eugen Meerkaz und reist mit seiner Frau Liz zum ersten Mal nach New York. Doch schon am dritten Tag in der Stadt, die gerade den ersten Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center begeht, verschwindet Liz spurlos. Ein erpresserischer Anruf lässt den furchtbaren Verdacht zur Gewissheit werden: Sie ist entführt worden,und Kalf wird gezwungen, Material zu beschaffen, das mit einem dunklen Geheimnis im Leben von Eugen Meerkaz zu tun hat. Aus Kalfs verzweifelter Suche wird ein Trip ins Innere der USA am Vorabend des Irak-Krieges und das Porträt eines Deutschen in der Fremde. Die texanische Wüstenstadt Marfa und der Central Park, die Bar auf dem Dach des Standard Hotel in L.A., ein verlassenes Kino, eine Villa am Pazifik und eine Lehmhütte in der Prärie - Thomas Hettche entwirft das Panorama eines ebenso vertrauten wie fremden Landes, in dem sein Held mit dem Tod und der Einsamkeit konfrontiert wird. Niklas Kalf wird von einem Sog erfasst, der ihn Frau und Kind beinah verraten lässt. Doch dann wird er aufgespürt und muss sich entschließen zu handeln. Dem Autor des Bestsellers Der Fall Arbogast gelingt mit Woraus wir gemacht sind ein großes Kunststück: Ein deutscher Entwicklungsroman, der in den USA spielt, in wunderbaren Beschreibungen die Faszination des Landes einfängt und dabei nach dem Grund unseres Daseins und der Verantwortung der Liebe fragt - und den Leser vom ersten Augenblick an mit der Spannung eines atemberaubenden Thrillers fesselt.
Klappentext
"So anteilnehmend und kaltblütig wie Truman Capote."
Literaturen
"Dieser Roman ist eine Versuchsanordnung, eine intelligentes, ein lehrreiches Spiel. Hettche kann was."
Ulrich Greiner, Die Zeit
"Ein Roman wie ein düsterer, leicht surrealer Film, der sich so aber nur zwischen Buchdeckeln abspielen kann."
Der Standard
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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Über den Autor
Thomas Hettche wurde 1964 geboren. Er studierte Germanistik und Philosophie und lebt in Frankfurt am Main. Bisher veröffentlichte er u. a. Ludwig muß sterben, Inkubation, NOX, den Venedig-Essay Animationen (1999) und zusammen mit Jana Hensel die Internet-Anthologie NULL (2000). Thomas Hettche war fünf Jahre Jury-Mitglied beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Er wurde u. a. mit dem Robert-Walser-Preis ausgezeichnet.