Wie wir am Ende erfahren, scheint dieses Buch eine Art "Auftragsarbeit" gewesen zu sein, diese ist aber sehr überzeugend und authentisch gelungen. Das Buch ist sehr gut, flüssig und mit leichter Feder geschrieben, mit einem bissigen und engagierten Dahlke, der dennoch nie verkrampft wirkt. Worum geht es?: Fast könnte man das Buch als eine Generalabrechnung mit unserer Zeit bezeichnen und es gelingt Dahlke überzeugend die Wunden unserer Zeit aufzuzeigen. Dabei verläßt er (nicht zum ersten Mal) das von ihm eher gewohnte Terrain der Krankheitsbilderdeutungen und dehnt diese, gemäß dem von ihm gerne gebrauchten Axiom "wie oben, so unten", auf die Welt aus. Von der Umweltverschmutzung über diverse soziale, politische, wirtschaftliche und medizinische Symptome, Dahlke liefert uns eine stets folgerichtige Sicht auf die Welt - durch seine Brille. Doch Dahlke gehörte nie - und so auch in diesem Buch - zu jenen Autoren die nur jammern, er bietet auch Lösungen an, Lösungen die keine Utopien sind, sondern durchweg, Dahlkes große Stärke, im Bereich des Machbaren und Zumutbaren liegen.
Aus meiner Sicht ist es sehr erfreulich die Tendenz zu beobachten, daß Dahlke sich offenbar mehr und mehr von seinem retroromantischen Ansatz entfernt und auch die "gute alte Zeit" immer differenzierter sieht. Wo die Fortschrittsfanatiker die Tendenz haben alles Neue pauschal als gut zu bewerten, krankte Dahlkes Weltbild in der Vergangenheit daran, daß er die Trennlinie zwischen Omnipotenz und Undiffenrenziertheit nicht zog und damit streckenweise dem verfiel, was Wilber als Prä-/Trans-Irrtum bezeichnet. Dies scheint mir noch immer nicht ganz überwunden, läßt aber erfreulicherweise nach. So könnte allein der Untertitel "Moderne Mythen gefährden unsere Zukunft" einen (Diskussions-)Raum dafür eröffnen, daß Mythen insgesamt, zwar ihre Berechtigung haben und heilend wirken können, häufig aber stark überstrapaziert werden und wenig mit echter Spiritualität gemein haben. Dahlke, der sich schon immer wohltuend von der Esowelle abgehoben hat, ist viel zu offen und zu intelligent, um dies auf Dauer zu ignorieren.
So zeigt sein neues Buch deutlich, daß er ein Gespür für die Zeichen der Zeit hat, und diese scheinen sehr deutlich auf einen integralen Ansatz zu verweisen, den Dahlke für den deutschen Sprachraum mit "Säulen der Gesundheit" eröffnet hat und der mit "Woran krankt die Welt?" seine logische Erweiterung findet. Damit ergänzt Dahlke seinen Ansatz um eine kulturelle und soziale Komponente und nähert sich dabei auf eigenen Pfaden immer mehr dem Ansatz von Ken Wilber, "alle Ebenen, alle Quadranten" (siehe alle Wilber-Bücher ab 1995, an.
Kurz und gut bedeutet dies: Heilung bedarf immer auf eines Umfeldes, in Dahlkes Worten: "Gesundheit ist genauso ansteckend wie Krankheit." Wo Dethlefsen und Dahlke Meister der Introspektion und der Welt von Inhalten und Be-Deutungen waren, hat Dethlefsen, bei allem Genie, die objektiv-wissenschaftliche Seite der Welt (sei sie personal oder sozial) mitunter sträflich vernachlässigt. Hier ist Dahlke stets seiner eigenen Wege gegangen und es scheinen die richtigen gewesen zu sein.
Wenn wir uns nun auch wieder trauen zu unterscheiden und zu werten und die kurze Zeit eigener Illusionen, die da hieß, "wer hoch entwickelt ist wertet nicht", dahin tun wo sie hingehören, als wohlmeinenden aber schädlichen Irrtum auf den Müll, dann kann uns Dahlkes Buch viel von dem zeigen was noch möglichst schnell auf den Müll sollte. Eben weil wir, Dahlke betont es stets, bewußte und verantwortliche Menschen sind.
Trotz aller kämpferischen Aspekte habe ich das Buch als ein sehr optimistisches gelesen und es richtet sich an uns alle. Wir alle stehen in der Pflicht, nicht "die da oben" oder wer auch immer, Dahlke schafft es stets (berechtigte) Sozialkritik mit der (ebenso berechtigten) Rücknahme von Projektionen zu verbinden.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es als Motivation empfunden und kann es freien Herzens weiterempfehlen (und könnte sogar erklären was das mit Esoterik zu tun hat).
Viel Spaß beim Lesen!