Der in diesem Buch dokumentierte Briefwechsel zwischen Umberto Eco und Carlo Maria Martini thematisiert auf höchstem Niveau wichtige Fragen unserer Zeit. Insgesamt acht Briefe, hat Eco dreimal den Aufschlag und fragt Martini nach dem Ende bzw. den verschiedenen Millenarismen, nach dem Beginn des menschlichen Lebens sowie nach der Unterscheidung zwischen männlich und weiblich in der katholischen Kirche. Seine Fragen beantwortet er teilweise selbst, bezieht sich vor allem in seinem dritten Brief stark auf Thomas von Aquin und argumentiert auf einem derart hohen Niveau (wie Martini auch), daß Eco Angst um einige Leser der Zeitschrift hat. Martini antwortet Eco auf demselben Niveau, er erläutert den christlichen Hoffnungsbegriff, denn "die Hoffnung macht aus dem Ende ein Ziel", er erläutert eingehend die christliche Auffassung von Leben mit der Unterscheidung zwischen "psyche" und "nous", bei der Frage nach der Unterscheidung zwischen männlich und weiblich besteht er die Gradwanderung mit Auszeichnung, denn er stimmt Eco zu, daß die noch von Thomas genannten Argumente kaum mehr stichhaltig sind, weist aber darauf hin, daß auch die Katholische Kirche ihre Meinung ändern kann, wenn die theologischen Voraussetzungen geklärt sind. Den vierten Briefwechsel eröffnet Martini mit der Frage, woher das Licht des Guten leuchte. Er begründet die Ethik auf etwas Absolutes, auf Gott. Ecos Antwort stellt einen hochinteressanten Versuch eines Naturrechts dar, das nicht einfach die Wiederaufnahme veralteter Thesen, sondern sehr feinsinnig ist. Der Chor, also die Stellungnahmen einiger italienischer Journalisten und Schriftsteller, vermag diesem außerordentlich hohen Niveau beider nicht zu folgen, eine letzte Reprise Martinis rettet dem Buch jedoch die fünf Sterne.