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Woody Allen. Versuch über das Komische
 
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Woody Allen. Versuch über das Komische [Taschenbuch]

Vittorio Hösle
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 128 Seiten
  • Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (20. Februar 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406472656
  • ISBN-13: 978-3406472657
  • Größe und/oder Gewicht: 20,5 x 12,1 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 434.864 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

"Ich war einmal mit einer Tänzerin verlobt, aber (...) sie lief mit einem Pianisten davon, und da habe ich mit ihr Schluss gemacht." Das eigene Scheitern eingestehen und es gleichzeitig mit charmanter Chuzpe zumindest in ein Unentschieden umlügen -- wenige beherrschen diese Kunst so brillant wie Woody Allens Stadtneurotiker, in denen sich nicht nur New Yorker Intellektuelle ein ums andere Mal wieder erkennen. Dem Geheimnis dieses Erfolges versucht der Philosoph Vittorio Hösle mit einem ausgefeilten hermeneutischen Instrumentarium auf den Grund zu gehen.

Für ihn ist Allen, aller vordergründigen Komik zum Trotz, in erster Linie ein Moralist, der in einer Zeit, in der viele den Glauben an Gott ebenso wie an diverse Ersatzreligionen -- von Sex bis Zen -- verloren haben, die Frage nach den letzten Dingen stellt und ethische Mindeststandards einfordert -- ein Ungläubiger, der sich als "die loyale Opposition Gottes" versteht. Dabei traut der Filmkünstler sich selbst nicht über den Weg. Kunst -- so interpretiert Hösle The Purple Rose of Cairo -- verführt zum Eskapismus und vermag die Wirklichkeit letztlich nicht entscheidend zu verändern. Ähnlich ambivalent ist die These vom intellektuellen Anti-Akademiker Allen, der sich und seine Standesgenossen immer wieder zu Narren macht. Dank deren geschärfter Selbstwahrnehmung lachen wir jedoch nie nur über sie, sondern immer auch mit ihnen, mehr melancholisch als maliziös.

Zu diesen Erkenntnissen verhilft uns der Autor mal recht leichtfüßig, dann wieder arg professoral, wenn er etwa die Wirkungsweise eines Witzes auf vier Ebenen in extenso erklärt. Umgekehrt wird vieles angetippt, weniges ausgeführt, so dass man trotz manch neuer Einsicht etwas ratlos zurückbleibt. Aber wenn Hösles philosophisch verbrämte Begeisterung für Allen auch nur zwei, drei Leser ansteckt, will ich nichts gesagt haben. --Patrick Fischer

Neue Zürcher Zeitung

Des Philosophen Opposition

Vittorio Hösles Essay «Woody Allen»

«Ich glaube nicht an aussereheliche Beziehungen. Ich glaube, Menschen sollten sich für ihr ganzes Leben paaren, wie Tauben oder Katholiken.» Dieses Zitat stammt unverkennbar vom Regisseur, Autor und vormaligen Stand-up-Comedian Woody Allen. Weshalb reizt es zum Lachen, weshalb ist Allens Werk auch ein philosophisches? – Diese und andere Fragen versucht Vittorio Hösle in einem Essay zu beantworten, den er im Untertitel einen «Versuch über das Komische» nennt.

Es war unvermeidlich, dass sich die Philosophen Woody Allens bemächtigen würden, zumal sich dieser mehr als dreissig Jahre lang über die Intellektuellen lustig gemacht und in ebendiesen sein treustes Publikum gefunden hat. Auch Hösle ist ganz offensichtlich ein Allen-Fan, der sich nun anschickt, seiner Begeisterung ein standesgemäss argumentatives Fundament zu bauen – und er tut das nicht einmal schlecht: Erstens ereifert er sich nicht, witziger zu sein als der Meister selbst; zweitens macht er nicht in Filmästhetik (sonst in Zeiten der Interdisziplinarität ein beliebter Freizeitsport für Geisteswissenschafter); und drittens langweilt er uns nicht mit Nacherzählungen der Filmplots in Echtzeit.

Originelles und Banales

In dem Essay, der ursprünglich in der amerikanischen Fachzeitschrift «Film and Philosophy» erschienen ist und vom Autor selbst für diese Ausgabe übersetzt und bearbeitet wurde, gibt Hösle zunächst einen Überblick über klassische Theorien des Komischen, wobei Schopenhauer und Bergson im Zentrum stehen. Davon ausgehend, macht er plausibel, dass Allen ein Praktiker dieser Theorien ist. In der Konsequenz wird Allen nicht mehr «nur» als Komiker, sondern auch als Philosoph wahrgenommen. In seiner Argumentation bemüht Hösle sich grundsätzlich um eine verständliche Sprache. Ein literarisches Talent ist er aber trotz allem nicht, und so leidet gelegentlich die Schärfe des Gedankens, wenn er neben philosophischen Finessen unvermittelt Banalitäten wie «künstliches Lachen ist leicht als solches zu erkennen» durchgehen lässt. Auch die Unterscheidung in Woody, die Kunstfigur, und Woody Allen, den Künstler, ist im Ansatz zwar sinnvoll, wird im Verlauf des Textes aber immer diffuser angewendet.

Dennoch ist Hösles Essay lesenswert. Geniessen können werden ihn jedoch nur fortgeschrittene Allen-Kenner, da Hösle auf fast sämtliche Allen-Filme verweist, aber kaum je mit Inhaltshinweisen dem Gedächtnis auf die Sprünge hilft. Das macht seinen Text einerseits angenehm schlank, andererseits kann man vor lauter Alvys, Isaacs, Andrews, Leonards, Harrys und Joes leicht die Orientierung verlieren. Wer dagegen seinen Allen intus hat, der wird mit originellen Denkansätzen belohnt, beispielsweise zu «The Purple Rose of Cairo», den Hösle als eine fehlgeschlagene Reinkarnation interpretiert und damit nicht nur die kunstkritische Ebene sichtbar macht, sondern den Film auch geradezu als ein Schlüsselwerk für Allens Religionsverständnis ausweist – Allen, der mehr ein gequälter Agnostiker als ein aufgeklärter Atheist ist: «Für euch bin  ich ein Atheist, für Gott bin ich die loyale Opposition.»

Allens Chaplin-Affinität

Insgesamt tut Hösle genau das, was man von einem Essay erwarten darf: Er öffnet ein Feld, setzt einen Anfang, ohne bereits alle Antworten zu kennen. So wird deutlich, dass Allens Filme nicht nur Witze über philosophische Fragen sind, sondern darüber hinaus ernst zu nehmende Beiträge zu diesen Fragen. Sei es nun das Identitätsproblem in «Zelig», der Positivismus in «A Midsummer Night's Sex Comedy» oder die objektive Gültigkeit der Moral in «Crimes and Misdemeanors».

Dass Hösle fast ausschliesslich auf der inhaltlichen Ebene bleibt und die formale höchstens streift, dass er gewagte Urteile fällt, wie jenes, dass die Filme, in denen Allen nur als Regisseur und nicht auch als Darsteller fungiert, komplexer seien, dass er manchmal den Eindruck erweckt, als sei am Anfang die Theorie der Komik und nicht die Komik selbst gestanden, all das verzeiht man Hösle unter anderem deshalb, weil er endlich nachvollziehbar aufzeigt, wo Allens engste Verwandtschaft mit Chaplin besteht: «Wir lachen über die Person, die unfähig ist, sich an die Normen des Lebens und der Gesellschaft anzupassen, aber wir lachen über ihr Scheitern auch, weil es eine Herausforderung dieser Normen darstellt.» Kurz: Sowohl Allen wie Chaplin triumphieren gerade in ihrer Niederlage. «Woodys sehr europäisches Übermass an Reflexivität lähmt ihn auf der vitalen Ebene; aber er beharrt mit Anmut und Energie auf der anti-bergsonschen Pointe, dass dies mehr gegen das Leben als gegen die Reflexivität spricht.»

Nicht zuletzt reizt Hösles Essay, das erst recht zu tun, was wir schon vorher getan haben: Allens Filme immer und immer wieder anzuschauen – nun aber auch dazu, im Gegenzug Hösles eigenen Ansatz auf den Kopf zu stellen: Worin besteht eigentlich die «Allen'sche» Dimension der Philosophie?

Thomas Binotto


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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Nur für Fans - und am besten akademisch vorbelastete, 28. März 2004
Rezension bezieht sich auf: Woody Allen. Versuch über das Komische (Taschenbuch)
Vittorio Hösle hat ein interessantes, aber schwer lesbares, sehr akademisches Büchlein über Woody Allen geschrieben. Vieles wird genaustens anhand von Textstellen analysiert (warum ist ein Humor witzig? u. ä.) - das ist für wirkliche Fans doch recht aufschlussreich, aber wer nicht zumindest den größten Teil des doch recht umfangreichen Werks kennt, wird hier doch öfter mit einem dicken fetten Fragezeichen über dem Kopf sitzen.

Generell hat man beim Lesen das Gefühl, eine Magisterarbeit in Medienwissenschaft vor sich zu haben (ich bin der Meinung, dass der Text auch ebendies ist!) - kurz: wissenschaftlich.

Für allgemeine Informationen oder wer eine Biographie lesen will, muss hier entschieden auf andere Bücher verwiesen werden - for hardcore fans only. Aber die werden hier durchaus interessante Einsichten finden.

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3.0 von 5 Sternen Eine Tat des Geistes zur Vergeistigung der Tat, 25. Juni 2010
Von 
Thomas Holtbernd "Thomas Holtbernd" (Bottrop) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Woody Allen. Versuch über das Komische (Taschenbuch)
Vittorio Hösle ist ein begeisterter Woody Allen Fan. Und als Philosoph macht er sich daran, sich mit einem Schaffenden von Komischem zu konfrontieren. Das Interesse gilt dabei einer allgemeinen Theorie des Lachens, die nicht nur vom Rezipienten ausgehen sollte, sondern auch von den auslösenden Faktoren des Lachens. Hierfür schaut er sich das Werk von Woody Allen an. In einem ersten Kapitel entfaltet er kurz Theorien des Humors und nimmt für die Theorie der Unangemessenheit Partei ein, da sie die Grundlage einer normativen Theorie des Komischen sein kann. Die Hauptvertreter dieser Theorie sieht er in Henri Bergson und Arthur Schopenhauer. Das scheint bei Woody Allen nahezuliegen, da beiden ein eher pessimistischer Weltbezug zu eigen ist. Hösle betont, dass dem Humor bzw. dem Lachen über etwas ein Eingestimmtsein vorausgehen muss. Der ästhetischen Beurteilung wird eine moralische Bewertung hinzugefügt oder entgegen gesetzt. Im weiteren Verlauf des Essays wird dann die religiöse Dimension ergänzt. Hervorgehoben wird auch die Notwendigkeit der inneren Konsistenz der lächerlichen Person.

Und jetzt möchte man als Leser/Leserin mit dieser Folie durch die Filme Woody Allens geführt werden. Das macht Vittorio Hösle leider nicht. Es kommen kurze Verweise auf philosophische Themen, Woody Allens Filme werden hervorragend und kenntnisreich erläutert, doch das Komische bleibt unaufgeklärt. Man versteht, dass Woody Allen Moralist ist, dass die Komik auf dem Hintergrund einer Gesellschaft zu verstehen ist, die ähnlich wie bei Aristophanes die Auflösung von Religion beobachtet und Komik so philosophischer wird, die Intellektuellen oft auch nur leere Hülsen als Geist verkaufen und eine Rückbesinnung auf die alte Welt entsteht. Doch erstickt die Begeisterung für Woody Allen und seine Filme die Analyse des Komischen. Und zum Schluss des Buches gewinnt man den Eindruck, dass es nicht um Komik sondern um Moral geht und Woody Allen in den Wurzeln seiner jüdischen Vergangenheit zappelt.
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