Als ich mich für das Buch interessierte stand im Internet nur eine Vorschau der Vorgängerversion zur Verfügung. Daher für alle die keine lange Rezension lesen wollen einige grundlegenden Informationen vorab: Das Buch hat durchgehend farbige Skizzen und Abbildungen.Auf 366 Seiten erfährt der ambitionierte Heimwerker fast alles erdenkliche über Oberfräsen, Fräser, Hilfseinrichtungen (Frästische, Fräsanschläge etc.)und Arbeitstechniken (Grundlegenden Handhabung, Kanten fräsen, Holzverbindungen fräsen etc.). Wer tatsächlich sehr ausführliche Informationen sucht, mit Englisch keine Probleme hat und damit leben kann Baupläne mit inch-Angaben zu erhalten, dem sei dieses Buch uneingeschränkt empfohlen.
Nun zu den Details:
Die Anzahl der Seiten hat ihren guten Grund. Wer nur ein paar schnelle Informationen zur Arbeit mit einer Oberfräse möchte, wird mit diesem Buch wahrscheinlich nicht glücklich werden. Während zum Beispiel in anderen Büchern eine Abbildung und einige Zeilen Text die korrekte Vorschubrichtung beim Fräsen beschreiben,findet sich hier eine 4-seitige Diskussion über die Auswirkung der Fräsrichtung und Gründe warum es manchmal sinnvoll sein könnte gegen die normale Fräsrichtung zu arbeiten. Diese Informationsvielfalt findet sich in allen Kapiteln. Man sollte sich vor dem Kauf also überlegen, ob man tatsächlich Lust hat in einem Oberfräsenbuch zu schmökern. Wenn ja, dann ist dieses Buch erste Wahl. Ich habe es jetzt einige Monate und finde immer noch viel für mich Neues darin. Das einzige Thema, das ich genauso wie in anderen Büchern vermisse, ist das Thema 'Bohren mit der Oberfräse'. Die Oberfräse ist ein perfekter mobiler Bohrständer. Wer jetzt allerdings der Versuchung erliegt normale Bohrer einzuspannen, wird nicht viel Freude haben. Es wäre schön hierzu einmal Tipps von einem Profi zu erhalten.
Würde ich die Rezension auf einer englischen Seite schreiben, würde das Buch von mir 5 Sterne bekommen. 4 Sterne nur als kleiner 'Warnhinweis', da alle Maße in inch angegeben sind. Darüber hinaus ist der Schreibstil zwar angenehm und locker, der Schwierigkeitsgrad des Englischen liegt meines Erachtens aber über dem vergleichbarer Sachbücher, allerdings nicht so schwierig wie ein Roman.
Inhaltlich hat das Buch den folgenden Aufbau. Die Seitenangaben dienen nur grob zur Orientierung:
- Aufbau einer Oberfräse und Sicherheitshinweise (30 Seiten)
- Fräsertypen und Pflege der Fräser (15 Seiten)
- Bauanleitungen für Frästische (30 Seiten)
- Zubehör für Oberfräse und Frästische (20 Seiten)
- Grundlegender Umgang mit der Oberfräse wie Tiefeneinstellung,Fräsrichtung etc. (20 Seiten)
- Dekorative Kantenbearbeitung (15 Seiten)
- Arbeit mit Schablonen (20 Seiten)
- Kurven und Kreise fräsen (15 Seiten)
- Glätten von Kanten oder Flächen, also 'Hobeln mit der Oberfräse' (20 Seiten)
- Konstruktion von Rahmen und Platten (20 Seiten)
- Alle Variationen von Verbindungen wie z.B. Zinken, Schlitz-Zapfen, überlappende Verbindungen, gleitende Schwalbenschwänze etc. (100 Seiten)
In allen Kapiteln tauchen auch immer wieder Bauanleitungen für Anschläge, Führungen usw. auf, mit der sich die aktuelle Arbeitstechnik leichter bewältigen lässt. Von daher ersetzt es auf jeden Fall auch reine 'jig'-Bücher für Oberfräsen.
Zusammenfassend ist das Buch für mich ein klarer Kauf, sofern man tatsächlich ein Buch mit der beschriebenen Detailtiefe sucht und man sowohl mit der englischen Sprache als auch mit dem englischen Maßsystem leben kann.