Als "alter Hippie" bin ich über Neues zum Thema Woodstock immer erfreut, wenn es sich mit der "Dark Side" beschäftigt erst recht - ich will mir doch nicht vorwerfen lassen, meine Illusionen unter strikter Vermeidung von Infos zu pflegen, die nicht "political correct" sind. Also, Buch besorgt und los...
Erster Eindruck: Mann, was hat dem denn die arme Miss Safka (Melanie) getan, an der lässt er ja überhaupt kein gutes Haar. Na ja, über Geschmack sollte man nicht streiten....
Nächster Eindruck: der Text liest sich gut, macht Lust auf mehr. Gut gegliedert führt der chronologische Weg durch die eigentlich schon sattsam bekannten Eckpunkte der Woodstock-Historie, zugegeben: stellenweise mit Informationen, die mir neu sind.
Aber - sind diese Informationen so objektiv wie der Autor dies glauben machen möchte? Oder gab es neben der "Hippie-Spinnerei" von Gemeinschaft und Frieden (man spürt förmlich die spitzen Finger, mit denen diese und andere Reizworte in die Tastatur befördert wurden) und der "Abzocke-Intention" der "unfähigen Veranstalter" auch noch anders gelagerte Interessen (z.B. die "Materialsammlung" des Bootleggers Maik), denen Verlauf und Inhalt des Festivals nicht gerecht wurden?
Das muss jeder für sich herausfinden.
Ich kann allerdings abschließend nicht verhehlen, dass mir die teilweise plumpen Verallgemeinerungen (die Hippies sind immer hirnlos, bedröhnt und eigentlich zu blöd, um überhaupt den Veranstaltungsort zu finden) ebenso wie der selbstherrliche "Kronzeuge" des Autors (Maik) etwas auf die Nerven gehen wie auch sein Hang, sich mit nicht wirklich relevanten persönlichen Informationen (dreimalige Kriegsdienstverweigerung) zu profilieren.
Insgesamt trotzdem ein interessantes und gut zu lesendes Buch, dessen Entstehung vielleicht doch dem Frust des Autors geschuldet sein könnte, nicht "dabei gewesen" zu sein und so nicht auf Augenhöhe mitreden zu können.
Ein kleiner Trost für ihn: auch ich war nicht dabei und - wir sind die Mehrheit, PEACE!