Die Bewohner von Litte Hintock sind genauso mit ihrem Land verwurzelt, wie die Bäume, die hier so prächtig gedeihen. Zitternd schwanken die Äste, geschüttelt von einem fremdartigen Wind, der unheilvolle Ereignisse in der sonst so friedlichen Einöde ankündigt.
Den Auftakt bietet ein nervöser Frisör, der eigens in den Ort zu kommen, um dem armen Dorfmädchen Marty South ein Angebot für ihr Haar zu unterbreiten. Natürlich ahnt Marty, welches Haupt mit ihren Locken verschönert werden soll: die neue Dame im Herrenhaus, die ihren jugendlichen Zauber mit falschen Flechten erhalten will.
Aber nicht nur ein einfaches Mädchen gerät unter Druck. Auch den jungen Bauer Giles quälen Zukunftsängste. Seine Liebste ist eben nach einer sorgfältigen Erziehung und Ausbildung als feine Dame in ihre Heimat zurückgekehrt und scheint nun zu zart und feinfühlig, um von einem Landarbeiter verehrt zu werden. Außerdem ist da noch der Pachtvertrag, der nur begrenzte Dauer hat. Mit dem Tod von Vater South gehen seine Grundstücke wieder in den Besitz des Herrenhauses zurück und damit ist er der Gnade einer Dame ausgeliefert, die wohl nur sehr wenig für ihn übrig hat.
Während Giles sich den Kopf zerbricht, hat ein ganz anderer Herr schon einen Blick auf seine Braut geworfen. Es ist der neue Doktor Fitzpiers. Ein feiner Herr von adliger Herkunft, der seine Nachbarn unterhält, indem er bis tief in die Nacht in seinem Haus das Licht brennen lässt, weil er geheimnisvolle Studien betreibt.
Das Unheil nimmt vollends seinen Lauf, als sich der alte Mr. Melbury entschließt, seine wohlgeratene Tochter Grace nicht unter ihrem Wert zu verheiraten. Das völlig überrumpelte Kind gibt den schüchternen Giles auf und reagiert geschmeichelt auf die Avancen des charmanten Doktors. Obwohl sie sich über den Charakter ihres neuen Verehrers nicht schlüssig ist, nimmt sie sein Werben an. Doch diese Beziehung hat weitreichende Folgen für die Bewohner von Hintcock...
Thomas Hardy hat sich in diesem Roman, wie auch in anderen Werken der halbillusionären Welt im Südwesten Englands und seinen ländlichen Bewohnern gewidmet. Die bodenständige Natur des dort lebenden Menschen kommt durch die Berührung der sogenannten modernen Denkweise ins Wanken. Wie sich dieser Einfluss auswirkt, zeigt er mit dramatischen Mitteln z.b. als auf Anweisung von Dr. Fitzpiers ein Baum gefällt wird, was den Tod des alten South herbeiführt. Außerdem widmet sich der Autor der Beziehung zwischen Mann und Frau und dem Thema der unglücklichen Ehe. Aus falschen Beweggründen übereilt geschlossen, sind die Eheleute aneinander gebunden und befinden sich in einem hoffnungslosen Zustand. Auch als es zeitweise so erscheint, als ob der Fortschritt der gepeinigten Ehefrau zu Hilfe kommt, wird ihre Hoffnung auf eine neue Rechtsprechung enttäuscht. Auch die feine Felice wird schwer getäuscht. Als unabhängige und gebildete Frau sieht sie sich frei, ihr Liebesleben nach ihren Vorstellungen, frei von üblichen Konventionen zu gestalten. Aber bald fühlt sie sich verbraucht und müde und in ihrer Liebe missbraucht.
Thomas Hardy zeigt auf, wie die Ereignisse die Menschen formen und beeinflussen. In seiner Welt scheinen die Personen fast hilflos den Umständen ausgeliefert und schau-feln sich mit falschen Entscheidungen zusätzlich ein tiefes Grab. Auch wenn es für das Ehepaar dieses Dramas doch noch so etwas wie ein gutes Ende zu geben scheint, mag man sich fragen, ob der Preis für ein wenig Glück nicht ein sehr hoher ist.
Wer sich die Woodlanders vornimmt, sollte keine Abneigung gegen detailgenaue und weitschweifige Erklärungen haben. Wer sich auf den etwas gewöhnungsbedürftigen Stil des Autors einlässt, wird bald seine Freude an den kleinen Zitaten und Anmerkungen haben, die dieser mit Vorliebe in den Text einfließen lässt. Gegen Ende heißt es noch einmal durchhalten. Ja, es ist schade, dass Hardy so an Hintock als Dreh- und Angelpunkt festklebt. Sicher wäre es unterhaltsamer gewesen, Dr. Fitzpiers auf seine Besinnungsreise zu folgen. Aber was hilft es. Hardy schafft es am Ende dann doch noch einen überzeugenden Schluss anzubringen. Das gleicht einige unnötige Längen im Gesamtwerk aus.