Wonderland 2: Jenseits von Wunderland
Neuinterpretationen zum Thema 'Alice im Wunderland' gibt es viele, z.B. der Film mit Johnny Depp, die frankobelgische Version von David Chauvelle und Xavier Collette, oder auch 'Lost Girls' von Alan Moore.
Die mit Abstand blutigste Version hat sich Autor Raven Gregory ausgedacht.
Die amerikanische Originalausgabe stammt vom Verlag Zenescope Entertainment, die sich in der Grimm Fairy Tales-Reihe erfolgreich mit der Umsetzung von Märchen für Erwachsene beschäftigen. Sandra Kentopf hat bei der Übersetzung einen sehr guten Job gemacht.
Im 1. Teil der Geschichte (Wonderland 1: Rückkehr ins Wunderland) haben wir erfahren, daß
die einst junge Alice nun verheiratet ist, und einen Sohn und eine Tochter hat. Alles könnte perfekt sein, würde sie nicht immer noch komplett wahnsinnig und traumatisiert sein, was sie zum Suizidversuch treibt.
Ihre Tochter Calie (ein Anagramm für Alice) rettet sie, und nun wird auch sie vom Wahnsinn gepackt. Ebenso wie einst ihre Mutter verschwindet sie in einem Kaninchenloch im Boden, und findet sich plötzlich im Wunderland wieder, doch dieses hat es in sich. Die freundliche Grinsekatze hat sich in eine mordende Bestie verwandelt, und auch der verrückte Hutmacher, der Zimmermann oder die Herzkönigin versprühen nicht mehr den Charme der kindlichen Figuren, sondern sind finstere Gegner. Aber auch Calie ist, anders als die etwas naive Alice aus dem Kinderbuch von Lewis Caroll, durchaus wehrhaft.
Das ist auch dringend nötig, denn Calies Bruder verwandelt sich in einen gefährlichen Psychopath. Als er erfährt, daß sein Vater seine Mutter Alice betrügt, bringt er ihn kurzerhand um, und wird seinerseits von Alice ins Wunderland verbannt.
Im 2. Teil besucht nun nicht etwas Calie das Wunderland, sondern das Wunderland besucht Calie. Diese lebt mittlerweile unter falschem Namen in New York, und arbeitet als Kellnerin in einem Diner. Eigentlich sollte sie glücklich sein, denn sie lebt mit ihrem Freund zusammen, und ist schwanger. Wenn da nicht diese Albträume wären, die sie plagen. Und plötzlich werden ihre neuen Freunde bestialisch ermordet. Wer steckt dahinter?
Aufgrund der Gewaltdarstellung eignet sich die Serie keinesfalls für Kinder und Feingeister!
Fazit: Eine gelungene Fortsetzung des 1. Teils.
Erfreulicherweise macht Raven Gregory nicht den Fehler, Calie sofort wieder ins Wunderland zu holen, um sie gegen bösere Versionen der klassischen Figuren kämpfen zu lassen. Er verlagert den Konflikt in die Gegenwart, in die Stadt, die niemals schläft. Natürlich sind Gewalt und eine kleine Prise Erotik wieder Bestandteil der Handlung, jedoch verknüpft mit einer fundierten Handlung, einschließlich familiengeschichtlicher Hintergründe.
Die morbide Interpretation wurde optisch erneut von Daniel Leister umgesetzt. Herausgekommen ist dabei ein leckerer Augenschmaus, was nicht nur an den kurvenreichen Frauendarstellungen liegt, sondern auch an der detaillierten Umgebung und den schockierenden Splashpages. Und auch die Cover sind einen Blick wert, wenngleich sie nicht immer Bezug zur Story haben.
Man darf gespannt sein, wohin sich die Serie entwickelt Der Kampf ums Wunderland ist noch lange nicht zu Ende!