Brutale Filme (Zombies, TorturePorn, Kannibalismus) können mich eigentlich nicht beunruhigen. Vorhersagbar sind sowieso die meisten Filme.
Auch bei "The Woman" ahnt jeder halbwegs erfahrene Zuschauer, daß es kein gutes Ende nehmen wird. Und aus diversen Kritiken / Rezension ist ja zu entnehmen, daß es auch blutig am Ende wird.
Ok, soviel sei gesagt, der Film wird keine neuen Gewalthorizonte eröffnen und Streifen à la "Inside" oder "High Tenison" in den Schatten stellen. Aber darum geht es weder dem Regisseur noch dem Romanautor bei diesem Werk.
Hätte man nur einfach eine große Splatterorgie inszenieren wollen, dann hätte man wohl kaum einen Film gedreht, bei dem in den ersten 70 von 99 Minuten kaum Blut zu sehen ist und die Gewalt eher unterschwellig angewendet wird.
Der Film konzentriert sich in dieser Zeit auf seine Charakterzeichnungen, die sehr differenziert und glaubhaft gelingen.
Gewöhnungsbedürftig, aber gelungen ist die extrem intensive Musikuntermalung, die in vielen Szenen die Worte ersetzt und fast aufdringlich laut Gefühle, Situation und manchmal auch Absurdität der familiären Widersprüchlichkeit zum Ausdruck bringt.
Der Film selbst ist nicht widersprüchlich, sondern zieht seine Linie konsequent durch. Man begreift schließlich sogar das künstlerische Element Musik und läßt sich zudem von den Darstellern faszinieren.
Der religiöse-bigotte Familienvater, der besonders die 3 weiblichen Mitglieder seiner Familie und die gefangene Kannibalin terrorisiert, erreicht mit wenigen Mitteln zum Sinnbild abstoßenden Verhaltens für den Zuschauer zu werden.
Generell sind die Frauen in diesem Film etwas sympathischer als die Männer. Auch die lesbische Lehrerin.
Die meistens gefesselte und zeitweise mißhandelte Kannibalin spielt großartig, wie bereits im Vorgängerfilm "Beutegier".
Das Finale ist dann eine Eskalation der Gewalt in härtester Form. Aber nie selbstzweckhaft.
Erstaunlich ist, daß dort etwas Grausiges passiert, was eine wirkliche Überraschung ist. Und damit meine ich nicht in erster Linie das, was "The Woman" tut, sondern etwas ganz anderes, ebenfalls äußerst Brutales, was sogar mich völlig überrascht und sogar schockiert hat. Es hat mit einem Gast und einem Familienmitglied zu tun.
Mehr soll nicht verraten werden.
Für mich einer der ganz großen Horrofilme. Nicht gemessen an Blutmenge, sondern an dem, was das Wort Horror eigentlich bedeutet: Schrecken / Grauen.