Simon Blackburn, Cambridger Philosophieprofessor, ist ein empirischer Philosoph, das heißt er muss den Menschen nicht beweisen, dass sie existieren und so steigt er gleich ins Thema ein, liefert einen philosophiegeschichtlichen Parcours durch die Angst vor Wollust und erotischem Begehren in den letzten zweitausend Jahren. Ohne falsche Scham, jedoch nie anstößig möchte er beweisen, dass die Wollust nicht eine der sieben Todsünden ist. Er geht ungehemmt mit seinen Informationsquellen um, zeigt beispielsweise, dass man als Philosoph über jemand wie Augustinus, der überzeugt war, dass die Erbsünde, die fleischliche Begierde, physisch übertragen wird und das nur die diejenigen die Gottes Gnade verdient oder unverdient erhielten, dieser Erblast entfliehen können, auch lustig, fröhlich und heiter schreiben kann. Sein Bekehrungserlebnis erhielt Augustinus, dessen Erkenntnisse zu den einflussreichsten autobiografischen Texten der Weltliteratur zählen, durch die Paulusbriefe in denen er las:"Nicht Fressen und Saufen, nicht Wollust und Unzucht, nicht Hader und Neid, sondern ziehet den Herrn Jesus Christus an und Pflegt das Fleisch nicht zur Erregung eurer Lüste (Römer 13,13-14)." Wenn auch im Klappentext zu lesen ist,"Reine Liebe gilt als himmelsträchtig - Pure Wollust als niederträchtig", so kommt der Autor in seinem Essay bei der Verteidigung der Wollust, gegen ihre Widersacher in Geschichte und Gegenwart, doch zu der Erkenntnis, dass eigentlich in der Liebe das größere Problem verborgen ist. Blackburn präsentiert sich vielleicht auch deshalb als Fürsprecher der Fleischeslust, weil er schließlich von soviel recherchierter Lustfeindlichkeit ermüdet ist.
Ein wunderbares Buch, rundum gut, klug, einfühlsam und amüsant erzählt