Eine nackte 1,75 m große gehäkelte Wollpuppe von Francoise Cactus (Stereo Total) ist Objekt einer Ausstellung mit dem Titel "When Love turns to Poison". Sie wird von BILD und ihrem Berliner Ableger B.Z. in einer wochenlangen Kampagne als "Kinderpornokunstausstellung" denunziert. Besonders häufig wird dabei die Wollpuppe Wollita abgebildet. Doch statt beleidigt zu sein, sieht Wollita (18) durch ihre Medienpräsenz eine Chance und beginnt eine Karriere als Sängerin. Sie kauft sich neue, dezente Häkelkleider, schreibt eine Biographie, der eine CD mit ersten Chansons beiliegt. Die Skandalisierungskampagne führt dazu, dass das Objekt der Boulevardmedien zum souveränen Subjekt wird.
Die inszenierte Skandal-Kampagne wird so nicht nur von den Autoren genial entlarvt, sondern auch selbst so gegen die Verursacher eingesetzt, dass der existierende B.Z.-Kulturpreis plötzlich lächerlich wird. Die Verlogenheit und Absurdität der Inszenierung wird offensichtlich. Dabei ist das ganze Ganze nicht in Form einer "Gegendarstellung" oder "linken Anklage" gehalten, sondern stellt eine neue Art des aufklärenden, amüsanten Umgangs mit Medienmanipulation und Skandalisierung dar. Wollita (18) ist Wallraff mit anderen Mitteln.