Zukunftsvorstellungen ließen sich bislang bestens danach einteilen, ob sie positiv (=Utopie) oder negativ (=Dystopie) ausgestaltet wurden. Der sechsbändige Amtrak-Zyklus erweist dem Leser diese Möglichkeit einer allzu simplen Einteilung nicht und das macht den Text erst recht spannend. Drei verschiedene Kulturen bzw. Gesellschaftssysteme prägen das nordamerikanischen Kontinent nachdem ein atomarer Holocaust die gewohnten politischen Strukturen zerstört hat: der hochtechnisierte Überwachungsstaat der unterirdisch lebenden Wagner, die demgegenüber primitiven quasi-indianischen Präriebewohner des Kriegervolks der Mutanten und die pseudoasiatische Nation der sogenannten Eisenmeister. Der Text gewährt jedoch dem Leser keinen Einblick von oben in die mehr oder minder völlig abgeschlossenen Systeme, sondern er führt ihn anhand der Figur des Wagners Steve Brickman nach und nach in alle drei Systeme ein. Scheinbar unvereinbare Gegensätze zwischen den Kulturen fordern die Vernichtung des jeweils Fremden, und Brickman, der positive und auch negative Erfahrungen in allen drei Kulturen sammelt, wird eines Tages gezwungen sein, Partei zu ergreifen und eine Entscheidung zu treffen. Oder gelingt es ihm doch, die drei Systeme miteinander zu versöhnen? Das verschachtelte Konzept der sechs Bände verwirrt den Leser anfangs ein wenig (was allerdings ganz in der Absicht des Textes liegt) und erhellt sich erst nach und nach durch die weitere Erzählung. Mit jeder neuen Erkenntnis des Helden muß natürlich auch der Leser wieder umdenken, gerade das macht allerdings den Spaß beim Lesen aus. Wer nicht allzu zartbesaitet ist (manche Stellen sind etwas blutrünstig) und sich gern mit Zukunftsvorstellungen beschäftigt, dem kann man den Amtrak-Zyklus nur ans Herz legen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)