In dieser Geschichte wird beschrieben, was eigentlich unbeschreiblich ist. Was es nicht geben dürfte und doch so passiert ist.
Das System der russischen Babyhäuser ist grausam. Ohne Beschäftigung, ohne menschliche Wärme ohne jedwelche Anregung vegetieren die Kinder förmlich vor sich hin. So auch Wanja, der zusammen mit den anderen Kindern aus der Gruppe zwei vom Moskauer Babyhaus Nummer zehn sein Leben vorwiegend in einem Gitterbett verbringt. Wanja kann eine freiwillige ausländische Helferin auf sich aufmerksam machen, die sich fortan so gut wie sie eben kann um ihn zu kümmern versucht. Ihn auch erstmals an die frische Luft bringt, ihm erstmals ein kleines Stück der Welt ausserhalb seines Gefängnisses zeigt. Er ist etwa vier Jahre alt und es ist das Jahr 1994.
"Sie pflückte die Blume und gab sie Wanja. Er bestaunte die verschachtelte Anordnung der Blütenblätter. "Das ist Löwenzahn. Er strahlt wie die Sonne, nicht wahr?" "Sonne' wiederholte Wanja, "Was ist die Sonne?'"
Gemeinsam mit dem Journalisten Alan Philps und anderen Menschen, die ihn in den verschiedenen Heimen besuchten und mit Engagement dafür kämpften, dem liebenswerten, gewitzten Jungen eine Zukunft zu ermöglichen , erzählt Wanja seine Geschichte.
Wanja hatte das Glück, diesen Kinder-Gulag zu überleben. Er wurde adoptiert und lebt heute mit seiner Adoptivmutter in den USA und besucht heute ein College. Wäre er nicht aus dem Babyhaus gerettet worden, hätte sich nicht eine ganze Gruppe von Helferinnen und Helfern unermüdlich für ihn eingesetzt, hätte er mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht lange überlebt. Denn bald nach seinem vierten Geburtstag wird er von einer Kommission als nicht bildungsfähig eingestuft und in ein sogenanntes Internat eingewiesen, wo er mit Medikamenten ruhiggestellt, dauerhaft in seinem eigenen Dreck in einem Gitterbett liegend das Laufen und Sprechen verlernt.
Das Buch erinnert stark an 'Michael' von Debra Fowler, in dem das Schicksal eines kleinen Jungen in einem rumänischen Waisenhaus beschrieben wird. Nur, dass dessen Geschichte ausschliesslich aus Aussensicht erzählt wird. Das Aussergewöhnliche an 'Wolkengänger' ist, dass Wanja selbst sich erinnert und mit diesem Buch seine Erinnerungen der ganzen Welt mitteilt.
"'Ich hoffe und bete, dass dieses Buch dem grausamen System ein Ende setzt, in dem Kinder unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt werden. Ich träume davon, dass all diese Einrichtungen eines Tages geschlossen werden. Jedes Kind verdient es, in einer Familie aufzuwachsen. Mein Wunsch ist es, dass sie alle eine Chance bekommen'."
Fazit: Ergreifend, dramatisch, unvorstellbar. Lesen!