"The Wolfman". Ein Titel, bei dem es schon vielen Leuten graust und das nicht wegen haarigen Bestien, sondern den Vorurteilen, die an Filmen aus diesem Genre haften. Wo 1941 noch ein gewisser Lon Chaney junior den Massen mit seiner Darstellung des Wolfsmenschen das Fürchten lehrte, so scheint das Werwolf-Genre bis heute - nach unzähligen Verfilmungen - doch so langsam aber sicher ausgelaugt und ermüdet.
"Oh nein, nicht schon wieder ein Werwolffilm!"
So ähnlich sahen wohl viele Reaktionen auf die Ankündigung eines erneuten Versuches aus, jenes ausgelaugte und ermüdete Horror-Genre erneut zu bereichern.
Doch Moment! Zumindest sollte man "Wolfman" eine Chance geben...
Was also kann ein solcher Film denn bringen?
Nunja, der vielversprechende Cast kann sich sehen lassen. Namen wie Anthony Hopkins, Benicio Del Toro und Hugo Weaving stehen schonmal für Qualität jenseits jeglichem "Teenie Acting", welches man aus diversen - um nicht zu sagen den meisten - Horrorfilmen kennt. Um es vorweg zu erwähnen, das Schauspieleraufgebot absolviert seinen Job - mehr oder weniger - solide. Hervorzuheben ist wohl Anthony Hopkins. Spätestens seit "Das Schweigen der Lämmer" weiss man, dass er eine geradezu diabolische Präsenz ausstrahlt. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er annähernd jede Szene dominiert, in der er zu sehen ist...zum Nachteil für Herrn Del Toro... dieser scheint bemüht, bleibt aber weiterhin blass. Gerade von einer tragischen Figur, die er verkörpert, erwartet man mehr. Daher ist von einer Charakterentwicklung leider nicht viel zu sehen (naja, wenn er sich nicht gerade in einen blutrünstigen Werwolf verwandelt...). Hugo Weaving spielt gut, muss sich aber mit wenig Leinwand-Zeit zufriedenstellen. Der übrige Cast ist nicht weiter von grosser Bedeutung. Von ihnen tut sich keiner besonders hervor, auch nicht Golden Globe Preisträgerin Miss Blunt.
Die wohl grösste Stärke eines "Wolfman" liegt unbestreitbar in seinen Kulissen, welche stark an Tim Burton`s "Sleepy Hollow" oder auch "Sweeney Todd" erinnern. Selten bekommt man eine solch dichte und düstere Atmosphäre zu spüren, welche einem den "19. Jahrhundert-Flair" derart eindringlich vermittelt. Hinzu kommt ein ebenso düsterer Score von keinem geringeren als Danny Elfman persönlich.
Über das Design der Kreatur lässt sich sicher streiten. Sei noch gesagt, dass es immer Nörgler gibt und auch immer geben wird. Meines Erachtens nach wurde die Darstellung aber realistisch getroffen, zumal ein guter Kompromiss zwischen CGI und Maske getroffen wurde - auch wenn sich viele dabei an Chewbacca erinnert fühlen. Was den Blutgehalt angeht, so war ich doch überrascht, dass unsere sensible Prüfstelle der FSK diesen Film "nur" mit einem blauen Siegel versehen hat. Wenn Mr. Del Toro einen seiner "Anfälle" inmitten eines geschlossenen Raumes bekommt und sich zufälligerweise auch noch zahlreiche Personen darin befinden, dann sollte dem geneigten Splatterfan doch schon ein befriedigendes Grinsen gegönnt sein. Wolfman ist ziemlich blutig - wem das zu viel ist, der ist ohnehin im falschen Genre.
Wie auch immer, an herumfliegenden Extremitäten mangelt es Wolfman ganz bestimmt nicht. Wo liegt dann das Problem?
Die Handlung - leider wird diese viel zu schnell und auch streckenweise unglaubwürdig erzählt. Das Drehbuch fällt schlicht zu "dünn" aus. Daher braucht man auch keine besonderen Überraschungen erwarten. Aber wenn man mal ehrlich ist, dann stehen Filme aus diesem Genre auch nicht unbedingt für tiefgründige und komplexe Geschichten oder? So fällt diese Schwäche - je nach Betrachter - mal schwerer, mal leichter ins Gewicht. Hier muss jeder für sich entscheiden.
Kurzum:
NEIN, Wolfman ist nicht tiefgründig und NEIN, Wolfman erreicht nicht die Klasse eines "Bram Stoker`s Dracula" und JA, die Handlung ist so schnell erzählt, wie sie verfasst worden ist. Man mag "The Wolfman" sicher so einiges vorwerfen können, eines sollte man jedoch nicht machen...ihm einen gewissen C h a r m e absprechen. Und genau darin liegt doch sein Reiz. Wolfman ist eine Hommage an das alte "Gruselkino", welches uns einst Fürchten ließ. So kommt "The Wolfman" ohne nennenswerte Story daher, bietet aber kurzweiligen und stimmungsvollen Horror mit einigen guten Schauspielern und einer Menge Blut. Dazu eine schaurig-schöne Atmosphäre mit tollen Kulissen. Wer sich darauf einlässt, ist mit Wolfman gut bedient. Wer sich davon abschrecken lässt, sollte lieber nach einer Alternative schauen, bevor wieder nur bis zur Unendlichkeit genörgelt, gemeckert und gestritten wird...
Der Extended Director`s Cut:
Werwolffreunde aufgepasst, die 17 Minuten längere Extended-Fassung hat dem Film doch sehr gut getan. Zwar sind im Gewaltbereich nur wenig Neuerungen (was bei einem derartigen "Spektakel" nicht weiter stören soll), aber dafür profitiert die Handlung immens von den neuen Szenen. Glücklicherweise handelt es sich nicht um lückenfüllendes Bildmaterial, da den Charakteren deutlich mehr Tiefe verliehen wird. Gerade die Beziehung zwischen den Charakteren wirkt plausibler und nachvollziehbar. Auch wirken verschiedene Handlungsstränge schlüssiger. Mit anderen Worten: Wer die Kinofassung bereits mochte, dem sei die Extended-Fassung wärmstens empfohlen! Erst recht, wenn man in der Handlung einige Kritikpunkte entdeckt hat.
Zur Blu-ray:
Das Bonusmaterial beläuft sich auf ca. eine Stunde und man bekommt verschiedene Einblicke hinter die Kulissen, sowie Features über die Kreatur. Auch mit dabei sind alternative- und erweiterte Szenen und sogar zwei alternative Enden. Alles in allem sehr informative Extras, wenn auch nicht allzu umfangreich, wie es bei dem Film hätte sein können. Die Bild- und Tonqualität ist sehr gut, bei der ich persönlich keine nennenswerten Mängel entdeckt habe.