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Als hätte Charles Dickens ihm die Feder geführt, erweist sich der Historiker Melograni als begnadeter Erzähler. In einer Art Reisejournal verfolgt er den Weg der Mozarts durch Europa. Melograni liefert eine farbige Milieustudie jener Tage, in denen Kutschfahrten ins Ausland ein zwiespältiges Vergnügen waren. Achsenbrüche, Wegelagerer, Typhus und Cholera lauerten an jeder Ecke, wie die Mozartkinder leidvoll erfuhren. Da Tantiemen und Verträge noch unbekannt waren, bestand die Gage der Musikerfamilie oft genug nur aus einem zerbeulten Pokal aus der Rumpelkammer des jeweiligen Fürsten.
Anders am Hofe Ludwigs XV., oder im reichen England, wo die beginnende Industrialisierung König Georgs Staatsschatullen überquellen ließ. Hier trug ihr Spiel reiche Früchte ein. Wichtiger noch, der Londoner Bach-Sohn Johann Christian weihte Wolfgang Amadeus in die Geheimnisse der italienischen Oper ein. In Italien schließlich entstand 1770 dessen erste Opera seria, Mitridate re del Ponto. Mailand bejubelte den 14-jährigen Komponisten. Vielleicht überzeugte dies endlich Österreichs Kaiserin Maria Theresia, die den Mozarts (...diesen unnützen Leuten) bislang die kalte Schulter gezeigt hatte.
Der Rest ist spannende Musikgeschichte. Im Gegensatz zur zweiten Mozart-Biografie dieses Herbstes, Martin Gecks Mozart. Eine Biographie, einem eher streng akademischen Werk, treibt den fabulierenden Italiener nichts als die Lust am Erzählen. So erfüllt er eine Epoche und ihren musikalischen Leitstern mit prallem Leben, das es eine wahre Pracht ist! --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
250 Jahre - und kein bisschen alt!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wolfgang Amadeus Mozart: Eine Biographie (Gebundene Ausgabe)
Auf dem Buchmarkt sind viele andere Mozart Biografien greifbar: Die klassische stammt von Alfred Einstein, einem Neffen Albert Einsteins, die schon 1945 erschienen ist. 1977 veröffentlichte der Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer eine vielbeachtete Biografie, doch manche seiner Werkurteile konnten Mozartliebhaber schwer verdauen: Die Zauberflöte - ein Machwerk! 1995 hat der Amerikaner Mynard Solomon eine "mythenzertrümmernde Biografie" (DIE ZEIT) publiziert, deren Erkenntnisse der der italienische Historiker berücksichtigt. Melograni hat eine hinreißende, lebendige Biografie vorgelegt, sehr flüssig geschrieben und ebenso flüssig übersetzt, die sich wie ein Roman liest. Ob der ausgewiesene Mozart-Spezialist darin viel Neues erfährt, steht dahin. Ich jedenfalls habe das Buch mit einigem Kenntniszuwachs und sehr viel Vergnügen gelesen.Ausführlichen Raum widmet Melongrani dem schwierigen Verhältnis Mozarts zu seinem Vater, schildert eindringlich, wie sehr er ihn fast zeitlebens gängelte oder zu gängeln versuchte. Mozart hat ja seinen Vater nur um wenige Jahre überlebt: 1787 starb der Vater, Mozart 1791. Auch die finanzielle Situation Mozarts wird zurechtgerückt. Mozart war zwar kein Großverdiener wie wenige Jahrzehnte später Giuseppe Verdi nach seinen "Galeerenjahren", aber er war auch nicht so bettelarm, wie es jahrzehntelang kolportiert wurde. Wahr ist vielmehr, dass ihm der Vater, der offensichtlich unter Verarmungswahn litt, bis in die Mitte Mozarts zwanziger Jahre fast alle Einnahmen abnahm, die auch nach den Wunderkind-Jahren erheblich waren. Mozarts Geldnöte in seinen letzten Jahren resultierten vielmehr aus der Tatsache, dass er einen sehr aufwendigen Lebensstil pflegte, nach dem Motto: ich lebe ständig über meine Verhältnisse, aber immer noch nicht standesgemäß, und dass er mit seiner Oper "Figaros Hochzeit" dem Adel, von dem er die Aufträge erhielt und erwartete, vor den Kopf stieß. Viele interessante Exkurse: beispielsweise der über die Urheberrechte im ausgehenden 18. Jahrhundert: Ein Komponist wurde nur einmal bezahlt, nämlich für das Schreiben der Oper und die erste Aufführung. Danach konnte sich jedermann eines Werkes bedienen. Wenn man bedenkt, wie viele Musiker und Opernhäuser, Konzertsäle und Plattenfirmen heute von Mozart immer noch gut leben (einschließlich der Handy-Klingeltöne-Industrie) hätte es ihm besser gehen dürfen und müssen. Erst Mozarts Sohn konnte sich in den (18)40er Jahren von einer Tantieme aus "Figaros Hochzeit" ein Landhaus kaufen. Mozart blieb finanziell zeit seiner Lebens abhängig, zunächst vom Salzburger Erzbischof Colloredo, desses Haushofmeister Arco Mozart den berühmten "Tritt in den Hintern" versetzt haben soll (Melograni zweifelt dieses Vorkommnis an) und eben von seinen adeligen Auftraggebern. Die Suche nach einem ständigen Dienstherrn (d. h. sicheren Einkünften), war auch der Hauptanlass seiner vielen langen Reisen. Immer wieder fügt Melograni in seinen Text Briefe Mozarts und Mozarts Vater ein, die nichts von ihrer Frische verloren haben. Man muss sich in die alte, nicht geglättete Orthografie einlesen, dann sind viele Formulierungen eine Quelle der Heiterkeit. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Gesamtausgabe der Briefe verwiesen, die dtv soeben in einer (relativ) preiswerten Ausgabe vorgelegt hat. Mozarts Geburtstag jährt sich am 27. Januar 2006 zum 250. Mal. Die Liebhaber des Werkes, das Mozart hinterlassen hat, verneigen sich ehrfürchtig und dankbar. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eine ausgezeichnete Biografie,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wolfgang Amadeus Mozart: Eine Biographie (Gebundene Ausgabe)
Ich kann mich der Meinung meines Vor-Rezensenten eigentlich nur anschließen. Ich habe das Buch in wenigen Anläufen durchgelesen, immer bedauernd, dass es jetzt Zeit zum Schlafengehen war, oder weil ein anderer "Sachzwang" auftauchte. Trotz einiger stilistischer Ungehobeltheiten (die wahrscheinlich auf das Konto der Übersetzung gehen) und trotz einiger Druckfehler (z. B. bei Jahreszahlen) liest sich diese Biografie geradezu süffig. Dazu tragen sowohl die Kürze der Kapitel als auch der psychologisch geschickte Aufbau des Buches nicht unwesentlich bei. - Das Genie Mozart wird einem auf ganz unprätentiöse Weise nahegebracht; man beginnt zu ahnen, welch eine außerordentliche Künstlerpersönlichkeit der Welt mit ihm geschenkt war ( um es etwas pathetisch auszudrücken), und man kommt von dem Bild los, das Milos Forman mit seinem Film "Amadeus" gezeichnet hat. Dabei gerät Melograni zu keiner Zeit ins Schwärmen, er hält sich nüchtern an Dokumente, und wenn etwas nicht bewiesen werden kann, sagt er es. Das, was übrig bleibt, ist frisch und lebendig, wir haben ein "Aha!"-Erlebnis nach dem anderen, sowohl was die Menschen als auch was die Zeit angeht (man denke nur daran, wie Neugeborene und Säuglinge betrachtet und behandelt wurden, oder wie die Ärzte auch Schwerkranke mit Aderlässen oder Einläufen peinigten und eventuell ihr Ende beschleunigten), und wenn man am Ende das Buch - mit Bedauern - zumacht, bleibt ein Gefühl großer Dankbarkeit zurück.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Mozart -Melogranis Biographie ist keine Sekunde langweilig,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wolfgang Amadeus Mozart: Eine Biographie (Gebundene Ausgabe)
Es ist als würde man Mitten ins 18. Jahrhundert versetzt. Die Mozart Biographie des italienischen Geschichts-Professors Pierro Melograni ist keinesfalls verstaubt sondern spannend geschrieben. Keine Seite langweilig oder ermüdend und äusserst fundiert wiedergegeben. Es macht richtig Spass sich in das Abenteuer Mozart hineinzuversetzten. Dabei versteht es der Autor vorzüglich immer wieder den Bezug zu den Mozarts Werken herzustellen. Melograni ist ein Autor, der Mozarts Werk wohl auch komplett gehört hat. Ein tolles Buch, das sehr viel verrät über den Komponisten aber auuch über den Menschen Mozart.
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