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Wohin treibt die Schweiz?: Zehn Ideen für eine bessere Zukunft Taschenbuch – 7. März 2011


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Produktbeschreibungen

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Zwei Dinge vorweg. Erstens: Sie müssen sich keine Sorgen machen, die Schweiz wird nicht untergehen. Es ist nicht mehr das Bankgeheimnis, das uns rettet, auch nicht die gegen sich selbst mobil machende Armee, und schon gar nicht, wie Sie vielleicht vermuten, Johanna Spyris Heidi oder Albert Ankers Christoph Blocher. Tatsächlich sind es unsere Berge und die Schwingerkönige, die uns vor dem sicheren Untergang bewahren. Sie können sich also beruhigt zurücklehnen, die Schweiz treibt weiter, auch wenn wir nicht wissen, wohin.
Das führt mich gleich zu meinem zweiten Punkt: Zum Glück hat sich unser Land nicht so entwickelt, wie ich mir das mit zwanzig Jahren als wünschbar vorgestellt habe. Gott sei Dank!
Dazu zwei, drei methodische Gedanken. Es heißt: tempora mutantur et nos mutamur in illis, die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen. Eine Banalität vielleicht, aber für den Zeitdiagnostiker von fundamentaler Bedeutung. Was heute als richtig eingestuft werden darf, kann bereits durch eine morgige Überraschung völlig in Frage gestellt werden. Das galt schon immer, ist aber in Zeiten der galoppierenden Veränderungen besonders relevant. Dazu kommt noch erschwerend Folgendes: Wer eine Diagnose des zeitgenössischen Geschehens versucht, muss sich bewusst sein, dass er immer verstrickt bleiben wird, und zwar genau in das zeitgenössische Geschehen, das er zu analysieren sich anschickt. Er trocknet sich somit gewissermaßen mit nassen Handtüchern ab. Es gibt keinen zeitlichen Abstand zwischen dem Forschungssubjekt und -objekt, nein, der Forscher ist von seinem Gegenstand ganz durchdrungen. Er spricht also immer auch in hohem Maß von sich selbst. So etwas wie Objektivität ist folglich kaum möglich.
Was ist also zu tun? Machen wir doch aus der Not eine Tugend. Das heißt, ich werde mich meinem Untersuchungsgegenstand so subjektiv wie möglich nähern, meine Betrachtungen zur Schweiz werden aus meinem ganz persönlichen Gesichtswinkel, aus meiner ganz persönlichen Interessenlage heraus stattfinden. Wie sollte ich das auch anders können, ich bin als Schriftsteller geradezu prädestiniert, oder anders ausgedrückt: verdammt dazu. Mit meinem zweiten Beruf, als Psychoanalytiker, schaue ich in diesem Fall dem Schriftsteller, was uns sonst strengstens verboten ist, über die Schulter. Mit anderen Worten: Mich interessiert nicht nur die Schweiz, sondern auch deren Betrachter.
Dazu, das muss gar nicht besonders erwähnt werden, Sie sehen es selbst, bin ich seit dem vergangenen Februar auch noch im Rentenalter, was einen entweder zu einer sattsam bekannten Altersradikalität verführen kann - Sie kennen ihn: den Greisenzorn, der mit gepresst-kehliger Stimme vorgetragen wird -, oder zu der sogenannten Altersmilde mit ihrem: Es bleibt, wie es ist, oder es kommt, wie es kommt. Beide Extreme gefallen mir nicht, die Radikalität ist mir zu anstrengend, ab sechzig ist es einfach nicht mehr angesagt, die Tremola auf dem Skateboard hinunterzufahren, und eine demonstrativ dargestellte Schlaffheit ist auch nicht meine Sache.
Vielleicht noch dies: Seien Sie vorsichtig mit uns Intellektuellen (ich nehme hier unbescheiden in Anspruch, einer zu sein). Ich meine natürlich nicht eine Pauschalverurteilung, sondern eine berechtigte Skepsis, wenn Sie daran denken, dass auch die Heroen des Geistes nicht gefeit sind vor den Heroen der Politik, dass sie sogar häufig dem Faszinosum des Totalitären von rechts oder links völlig unkritisch erliegen, es gibt genügend Beispiele, nicht nur aus dem vergangenen Jahrhundert.
Auch Peinliches ist zu berichten. Kennen Sie einen Intellektuellen aus jüngerer Zeit, der sich noch vor kaum zehn Jahren nicht über den Gebrauch des Handys empörte? Der nicht mit dem Finger auf die Tussis zeigte, die im Range Rover telefonierten? Und jetzt? Haben wir Intellektuellen nur noch vor etwas zu warnen, vor einer technischen Entwicklung, die ohnehin kommt und die wir, einmal eingeführt, erinnerungslos selber ohne Scham gebrauchen? Das waren noch Zeiten, als Lenin ausrufen konnte: "Elektrizität ist Sozialismus."
Überhaupt: Ist der Patient Schweiz wirklich so krank, oder spinnt einfach der veraltete Quecksilber-Fiebermesser? Den kann man übrigens auch manipulieren, Sie erinnern sich sicher, an der Bettdecke auf 38,5 hochreiben oder wenigstens in den Mund oder gar in den After einführen, auch das bringt eine leichte Erhöhung, so konnte man eine Prüfung schwänzen. Die Achseln ein wenig öffnen, und schon senkt sich die Temperatur wie von Zauberhand, und man kann trotzdem ins Kino.

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