Das Reden ist seine Kunst, das Schreiben ist es nicht. Harald Schmidts Focus-Kolumnen aus den 1990ern sind nett und waren einen Lacher wert, als man sie damals zum ersten Mal las. Inzwischen hat der größte Teil seine Aktualität verloren, jüngere Leser werden ihre Eltern fragen müssen, wenn Schmidt von der Börsenhysterie des Neuen Marktes schwätzt. Das Buch leidet darunter, daß die Kommentare zum Tagesgeschehen nichts dauerhaftes haben. Auch Schmidts zwanghafte Versuche witzig zu sein, etwas das er ja in der Schmidt-Show schon vor Jahren abgelegt hat, wirken mitunter bemitleidenswert. Ansonsten ist es altbekannte Schmidt-Kost. Seine Beiträge zu den Filmen Der Soldat James Ryan
und Eyes wide shut könnten, wenn sie noch etwas ausführlicher wären, gute Rezensionen sein. Die Kolumnen sind thematisch sortiert. Es geht im wesentlichen um Schmidts Lieblingsthemen: Medien, Kultur, Prominente, Frankreich, Geld, Politik, Fußball und Gesundheit. Von allem weiß er manch interessantes zu berichten. Wie gewohnt wird wieder mächtig viel geblufft mit Fachwissen, das Schmidt gar nicht besitzt, aber geschickt vortäuscht, etwa indem Titel großer Denker genannt werden wie etwa Against interpretation von Susan Sontag.
Schmidt ist ein Blender, ein schwacher Schauspieler, bislang ein mäßiger Autor, ein scharfzüngiger Kabarettist und das Beste was das deutsche Fernsehen an Unterhaltung zu bieten hat. Letzteres ist positiv gemeint.