... die in Deutschland leider gnadenlos missverstanden wurde. "Wog Boy" ist in Australien die rassistische Bezeichnung für Einwanderer aus Südeuropa. Dieses Thema wurde durch Nick Giannopoulos - der hier neben der Hauptrolle des Steve ebenfalls die Rollen seiner beiden (!) Eltern übernommen hat - ab Anfang der 90er bereits über Jahre im australischen TV in Comedy-Serien wie "Wogs out of Work" (frei übersetzt etwa: "Kanaken ohne Arbeit") und "Acropolis Now" thematisiert, bevor im Jahre 2000 dieser Film herauskam. Die Logik der Vermarktung funktionierte also ähnlich wie bei "Bully" Herbigs "Schuh des Manitu" und auch mit ebensolchem Erfolg. Der "Wog Boy" war in Australien ein Riesenhit. In Deutschland floppte der Film und landete schnell in den Videotheken und im damals noch Leo Kirch gehörenden Bezahlsender Premiere, wo ich ihn 2002 entdeckte.
Der Humor ist australisch-derb und nicht mit deutscher oder us-amerikanischer Lachmuskelreizung vergleichbar. Allerdings lebt der Film im Wesentlichen nicht von schnellen platten Gags sondern von den sympathischen und schrulligen Charakteren, die bis in die Nebenrollen sehr stimmig und zum Teil mit in Australien populären Personen (so z.B. der Singer-Songwriterin Abi Tucker als lebenslustiger Schwester Annie der Büromaus Celia (Lucy Bell), in die Steve sich verliebt) besetzt sind. Auch die deutsche Synchronisierung kann sich sehen lassen, wenn z.B. Tony, der ex-jugoslawische Geldeintreiber sagt, er sei halb Serbe, halb Kroate und könne sich daher schon selbst umbringen, dann bringt das die gesamte Tragik ethnischer Konflikte liebenswert humorvoll auf den Punkt.
Insgesamt zeigt der "Wog Boy" natürlich auf, wie korrupt und verlogen das weiße Establishment Australiens aus seiner Sicht ist, wenn der Moderator einer australischen Variante der "Letterman"-Show sich rückgratlos wendehalsig mit jedem Wind dreht und die Arbeitsministerin Raelene Beagle-Thorpe ihre Finger von keinem ihrer Chauffeure lassen kann und zudem mit den Wirtschaftsbossen ein Abkommen trifft, um die Arbeitslosen Australiens restlos auszunehmen.
Interessanterweise gehört dieser Film jedenfalls zu den Produktionen, die ich bereits mehr als zweimal gesehen habe. Für mich am ehesten mit dem Charme der frühen "Seinfeld"-Folgen vergleichbar, verbreitet "Wog Boy" eine geradezu anheimelnde Atmosphäre liebenswerten Losertums, die durchaus das Herz erwärmen kann. Einige der Gags sind durchaus auf den Punkt und auch die beiden weiblichen Hauptpersonen können sich sehen lassen. Eine Veröffentlichung auf DVD wäre meiner Meinung nach wünschenswert, zumal die unsägliche Thematik "Arbeitslose und Ausländer sind Schmarotzer" in dieser und ähnlicher Form auch in Deutschland bzw. der EU immer wieder hochgekocht wird.