Durch seine angeborene Schusseligkeit hat der 13-jährige Pablo den Tod seines Vaters verschuldet: Als er eine Leiter brauchte, nahm er sich einfach die von der Hauswand weg, ohne zu schauen, ob oben jemand draufsitzt und das Dach repariert.
Pablo ist ein scheuer, sensibler Junge, der in seiner Freizeit am liebsten durch die malerisch schöne Gegend seines spanischen Heimatdorfes streift und sich an unbeobachteten Orten einen runterholt. Eines Tages begegnet er Paco, einem netten Mann aus dem Norden, der eine Autopanne hat. Der sagt, er sei hier, um einen alten Freund aus der Soldatenzeit wiederzusehen. Wie sich herausstellt, ist dieser Freund Pablos Vater. Pablo soll Paco zum Vater bringen; also führt er ihn auf den Friedhof. Als der Mann dort in Tränen ausbricht, erwacht in Pablo eine tiefe Zuneigung zu dem Fremden. Pablo wird fortan schon eifersüchtig, wenn Paco mal mit einem anderen Jungen eine Unterhaltung führt. In seiner abendlichen Selbstbefriedigung bezieht Pablo sogar nicht nur die Phantasie seiner Freundin, die ihm heute an die Wäsche wollte, sondern auch die Erinnerung an den Moment mit ein, als Paco seine Hand auf Pablos Knie legte. Doch als Pablo sich beim Schwimmen tags drauf so zeigt wie der Herrgott ihn geschaffen hat (in der Hoffnung, Paco ließe sich vielleicht zu einem ungesetzlichen Liebesspiel hinreißen), wehrt der undurchschaubare Mann ab. Ein Glück, weil Sekunden später der misstrauische, scheinheilige Postbote (der sich übrigens selbst regelmäßig an der minderjährigen Freundin von Pablo vergeht) wie zufällig vorbeikommt und mit Pablo sprechen will. Die Leute im Dorf würden sich bereits das Maul darüber zerreißen, warum ein Fremder mit einem 13-Jährigen rumhängt. Es wäre besser für Paco, nach Hause zu fahren, da der Wagen jetzt repariert ist. Aber Pablo kümmert sich nicht um das was die Leute sagen. Er sehnt sich schon viel zu sehr nach einer neuen Vaterfigur. Als zeitgleich zwei steinewerfende Strolche am Badesee den Tod eines kleinen Jungen herbeiführen und den Fremden aus dem Norden beschuldigen, kommt es zur Tragödie...
Ein hochinteressanter und ergreifender Film! Gefühlvolle Gitarrenmusik, ästhetisch schöne Bebilderung, und vor allem eine nachvollziehbare, einfühlsame Charakterstudie, welche die Seelennöte und Bedürfnisse eines Knaben am Ende seiner Kindheit ernst nimmt. Ich würde nicht scheuen, das Wort Meisterwerk zu benutzen. Der Regisseur verliert sich nicht in unwichtigen Nebenhandlungen, sondern bleibt fast in jeder Szene nahe an seinem Protagonisten, dem man sehr gerne beim Leben zusieht. Wahrscheinlich hat sich das wunderbare Drama allerdings durch die mutige Szene, in der sich Pablo nackt macht, für eine deutsche Sprachfassung disqualifiziert. Ich sehe es bildlich vor mir, wie sich Synchronstudios angesichts dieser starken Sequenz empört gegen eine akustische Bearbeitung entschieden haben.
So bleibt mir (mal wieder) nichts anderes übrig als die spanische Fassung mit Untertiteln zu lesen, aber wenigstens entgeht mir auf diese Weise nichts von der glaubhaften Performance der Schauspieler.
An anderer Stelle hab ich gelesen, dass jemand wegen der Szene, in der ein Hund ertränkt wird, einen Hass auf die Filmemacher hat. Diese Person hätte sich mal besser das Making Of angesehen. Dort wird gezeigt, dass dem Hund nichts zugestoßen ist. Aber die Deutschen lieben es nun mal, sich über alles mögliche aufzuregen.