Amazon.de Hörbuchrezension
Im Jahr 2005 veröffentlichte Daniel Kehlmann einen Band mit gesammelten Texten zur Literatur -- Rezensionen, Reden, Essays aus den fünf vorausgegangenen Jahren. Von den 15 Beiträgen des Buches haben es immerhin sieben bis in das Hörbuch geschafft, verzichtet hat man vor allem auf die Rezensionen, etwa zu Büchern von Updike, Vonnegut, Celine oder Hamsun. Dafür gibt es auch einen Text, den man in der Buchausgabe vergeblich sucht: "Voltaire und Starbucks", eine Würdigung der
Simpsons-Serie als eines der größten Kunstwerke unserer Zeit.
Dass Kehlmann nicht gerade mit einer sehr angenehmen Stimme gesegnet ist und freilich auch nicht liest wie ein Schauspieler, war noch beim Hörbuch zum Roman Ich und Kaminski fatal, bei Wo ist Carlos Montufar? dagegen stört dieser Umstand kaum. Hier folgt man dem Autor gern zu allgemeinen Überlegungen zur Entwicklung des Romans, dem prekären Verhältnis von Autor und Lektor am Beispiel Raymond Carvers, oder Erfahrungen als Autor, mit seinen eigenen Texten nach deren Veröffentlichung wieder konfrontiert zu werden.
Der längste und interessanteste Text beschäftigt sich mit Kehlmanns großem Bestseller Die Vermessung der Welt, eine Art Sekundärliteratur aus der Hand des Autors, was den Reiz dieses Blicks hinter die Kulissen noch erhöht. Nicht zuletzt gibt es hier die Antwort auf die titelgebende Frage Wo ist Carlos Montufar und warum beim Schreiben biografisch inspirierter Romane manche historische Figur, so wie der Humboldt durch Südamerika begleitende Carlos Montufar, leider unter den Tischen fallen muss. --Christian Stahl
Spieldauer: ca. 130 Minuten, 2 CDs, gekürzte Autorenlesung
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
"Daniel Kehlmanns Bücher verströmen den irritierenden Reiz von Meistern wie Nabokov oder Proust." (Stern)
Kurzbeschreibung
«Klärende Stellungnahmen, die ganze Epochen beleuchten. Daniel Kehlmann ist eindeutig ein Leser nach Borges-Art: ein grandioser Überblicker.» Gustav Seibt, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG Wie geht ein Romancier mit Historie und Erfindung um? Hat der Roman als Gattung Zukunft? Welche eigenen Werke würde man auf eine einsame Insel mitnehmen? Und ist «Der Herr der Ringe» große Literatur? Mit eigenen und fremden Büchern beschäftigt sich Daniel Kehlmann in diesen Essays, mit Autoren aus Europa und Amerika, mit dem Handwerk des Schreibens und dem Abenteuer des Lesens.
Über den Autor
Daniel Kehlmann, wurde 1975 als Sohn des Regisseurs Michael Kehlmann und der Schauspielerin Dagmar Mettler in München geboren. 1981 kam er mit seiner Familie nach Wien, wo er das Kollegium Kalksburg, eine Jesuitenschule, besuchte und danach an der Universität Wien Philosophie und Germanistik studierte. 1997 erschien sein erster Roman "Beerholms Vorstellung". Er hatte Poetikdozenturen in Mainz, Wiesbaden und Göttingen inne und wurde mit zahlreichen Preisen, darunter dem Candide-Preis, dem Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Doderer-Preis, dem Kleist-Preis 2006, dem WELT-Literaturpreis 2007 sowie zuletzt mit dem Thomas-Mann-Preis ausgezeichnet. Kehlmanns Rezensionen und Essays erschienen in zahlreichen Magazinen und Zeitungen, darunter "Der Spiegel", "Guardian", "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Süddeutsche Zeitung", "Literaturen" und "Volltext". Sein Roman "Ich und Kaminski" war ein internationaler Erfolg, sein Roman "Die Vermessung der Welt", in bisher vierzig Sprachen übersetzt, wurde zu einem der erfolgreichsten deutschen Romane der Nachkriegszeit. Daniel Kehlmann lebt als freier Schriftsteller in Wien und Berlin.