Das Buch besteht inhaltlich aus 18 Doppelseiten, die unterschiedliche Karten mit unterschiedlichem Sinn der Kartierung vorstellen. Zusätzlich wird auf drei Seiten kleingedruckt die Sachinformation (gewissermaßen der Lehrerband zum Schulbuch) zur Karte gegeben.
Der Text auf den Doppelseiten baut auf »[Diese Karte] sagt uns | stellt uns die Frage«. Dabei wird zwar eine chronologische Entwicklung verfolgt, die sich weniger den Verlauf der Forschung kartiert als ein korea-zentrisches Karten-Weltbild darstellt. Dieser Aspekt macht dieses Buch zu einer hochinteressanten Bereicherung der kritischen Kinderbibliothek und kongruiert mit der dem Leser stetig gestellten Frage, was die Karte uns sagt. Er stellt den Untertitel des Buchs »Karten erklären die Welt« in heftige Kontroverse. Nur so darf der verstanden werden.
Die Frage, die das Buch nur durch Auslassung aufwirft und ambient beantwortet: Der Übergang zur geometrischen Kartierung, der als Nebenaspekt den der Entwicklung der Zeitmessung eröffnen würde. Oder im Kontext, den nach dem Zeitgefühl. Stattdessen wird vom Stadtplan über die Satellitensicht direkt zum GPS-Navigationsgerät gesprungen.
Als sachlich mangelhaft ist eine Übersetzung einzustufen, die nicht auch bei der Illustration übersetzt: Himmelskarten über dem 35. Breitengrad [Südkorea, benannt als »auf dem die Insel Kreta liegt«] hätten in Himmelskarten über dem 50. Breitengrad umgesetzt werden dürfen. Diese Frage wird allerdings auch nur dadurch befördert, dass die unwichtigere Angabe erfolgt, anstatt sich aufs Exemplarische zu beschränken. Dabei bleibt die wichtigere Antwort ausgelassen: Nördliche oder Südliche Hemisphäre. Das Buch wirft hier erneut indirekt die Frage auf, warum es einen Breitengrad gibt, aber im Kontext des Buchs keinen Längengrad. Der wird, wie gesagt, feinsäuberlich übersprungen. Der Nullmeridian verläuft ja auch nicht durch Korea ... Regelrecht erholsam ist, daß die sachliche Mangelhaftigkeit der Übersetzung hier ausnahmsweise kein USA-zentrisches Weltbild befördert und hier zudem gar nicht übersehen werden muß, dass die korrekte Übersetzung entsprechenden Trivia-Wissens schlichte Weglassung wäre.
Fazit: Herausragendes Zweitbuch. Zudem ein exzellentes Beispiel für gelungenes Kommunikationsdesign.