Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein ungewöhnliches Buch, 29. Oktober 2009
Der in Frankreich sehr bekannte Autor Jean-Louis Fournier schreibt in seinem Buch "Wo fahren wir hin, Papa?" aus der Ich-Perspektive eines Vaters von zwei schwerbehinderten Söhnen. Dabei handelt es sich um keine zusammenhängende Geschichte, vielmehr um immer wenige Zeilen umfassende Ausschnitte (daher ist das Buch auch vergleichsweise sehr kurz). Doch gerade diese kurzen, scheinbar nebenbei hingekritzelten Aussagen stecken voller Gefühl und Gedanken: Manchmal lustig, manchmal traurig, oft voller schwarzem Humor, schier brutal, aber immer offen und ehrlich.
Der Autor erzählt uns die schonungslose Wahrheit, wie er sie erlebt hat, ohne Rücksicht auf Verluste und auf die Gefahr hin, grob zu wirken. "Wenn ein Kind sich mit Schokopudding beschmiert, lachen alle; wenn das Kind behindert ist, lacht keiner." Und genau diese Kluft aus Betretenheit versucht Jean-Louis Fournier zu durchbrechen - mit Erfolg, wie ich finde. Sicher sind seine Äußerungen oftmals grob und hinterlassen ein flaues Gefühl im Magen, "wie kann der nur so gemein sein?". Doch wenn man ehrlich ist, gibt es wohl keinen Menschen, der sich nicht manchmal das schlimmste ausmalt und einfach nur genervt - auch von seinen eigenen Kindern - ist. Es ist schwer das zuzugeben, umso bewundernswerter finde ich die Offenheit, mit der der Autor mit dem Thema umgeht.
Viel mehr gibt es über das Buch auch nicht zu sagen - man muss es selbst erleben, selbst die kurzen Gedankenstücke weiterspinnen, selbst zwischen Bewunderung und Verachtung, Humor und Trauer stehen. Auf jeden Fall ein ehrliches, selbstkritisches Buch, nicht für Zartbesaitete, das zum Nachdenken anregt.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Sehr zwiespältig, 25. Oktober 2009
Jean-Louis Fournier ist ein französischer Schriftsteller, der auch als Regisseur für das französische Fernsehen arbeitet. In "Wo fahren wir hin, Papa" beschreibt er sein Leben, als Vater zweier schwerstbehinderter Söhne. In Frankreich,wo das Buch bereits 2008 erschienen ist, wurde es zum Bestseller. Sicher auch, wegen der Popularität des Autors. Gleiches kann ich mir in Deutschland nicht vorstellen. Und zwar nicht wegen fehlender Popularität.
Der Titel des Buches könnte auch lauten: "Wo wollen Sie hin, Monsieur Fournier?". Die Grundintention scheint edel. Ein Buch für die zwei behinderten Söhne, um diese nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Oder wie es der Autor selber formuliert, "damit ihr nicht bloß ein Foto auf einem Schwerbehindertenausweis seid". Was dann folgt sind Episoden aus Leben und Alltag mit den Kindern. Mit großer Ehrlichkeit und manchmal auch schockierender Offenheit schildert und kommentiert er einzelne Erlebnisse und Begebenheiten. Das ist kurzweilig zu lesen. Nicht umsonst ist Founier Humorist. Im Laufe der Geschichte bleibt einem das Lächeln aber immer öfter im Halse stecken. Fournier schreibt selber: "Wie Cyrano de Bergerac, der beschloss, selbst über seine Nase zu spotten, spotte ich über meine Kinder. Das ist mein Privileg als Vater.". Das ist sicher mutig, aber ist es auch notwendig?
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein echter Bericht über das Leben mit behinderten Kindern, 3. November 2009
Bei einer Schwangerschaft denken sicher die wenigsten Eltern daran, dass das eigene Kind auch behindert zur Welt kommen könnte. Soetwas passiert schließlich immer nur den anderen. Doch genau diese "anderen" dachten vermutlich einmal ganz ähnlich.
Das ist es auch, was Jean-Louis Fournier, dem Autor von "Wo fahren wir hin, Papa?", passiert ist. Nur "traf" es ihn und seine Frau gleich zwei mal. Ihre ersten beiden Söhne sowohl geistig als auch körperlich behindert.
In seinem Buch beschreibt er den Schock darüber, dass die eigenen Kinder nicht gesund sind und niemals ein selbstständiges Leben führen werden. Dies tut er mit einem wirklich bösen schwarzen Humor. Er öffnet damit dem Leser die Augen, denn häufig verhält sich jeder von uns - oft auch unbewusst - unangebracht gegenüber behinderten Mitmenschen.
Jean-Louis Fournier nimmt sich und seine ganze Familie auf die Schippe, und gerade seine extreme Ehrlichkeit hat mich so überzeugt. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, spricht aus, was andere kaum zu denken wagen, und doch merkt man, dass er seine Kinder über alles liebt. Vermutlich ist es genau sein Humor, der ihn über die Traurigkeit darüber, dass seine zwei Söhne krank sind und einer sogar ziemlich früh verstirbt, hinwegträgt.
Wie soll man es ertragen, dass die eigenen Söhne niemals werden lesen können, niemals zur Schule gehen werden, niemals selbstständig werden leben können...? Sich jetzt aber im Selbstmitleid zu vergraben und seine kompletten Gedanken auf die Krankheit der Kinder zu konzentrieren, das kann einen Menschen auf Dauer nur kaputt machen.
So ist Fourniers Prinzip, alles mit Humor zu nehmen und sei er auch noch so rabenschwarz, eine gute Möglichkeit - zumindest für ihn.
Mathieu und Thomas, Jean-Louis Fourniers Söhne, können stolz auf ihren starken Vater, aber auch auf sich selbst sein. Trotz ihrer Behinderung geben sie ihren Eltern so viel Liebe, dass sie all die Schwierigkeiten in ihrem Leben mehr als nur aufwiegt. Und obwohl die Wortwahl des Autors zunächst schockiert, merkt man zunehmend, wie viel Liebe aus seinen Worten spricht.
Durch die extrem kurzen Kapitel, wird der ganz besondere Sog der Geschichte noch verstärkt. Außerdem trifft der Wortwitz den Leser wirklich tief - manchmal unerbittlich tief. Oft ist es nämlich so, dass man liest, weiterliest, ein paar Sekunden überlegt und plötzlich erreicht der Witz das Gehirn mit voller Wucht. Er muss sich nur erst entwickeln.
"Wo fahren wir hin, Papa?" ist ein herrlich ironisches Buch voll Wortgewalt.
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