Deutsche Songwriter gehören normalerweise nicht zu meinen bevorzugten Musikern. Aber in diesem vorliegenden Fall muss ich mal eine Ausnahme machen.
Auf Poisel bin ich zufällig gestoßen. Mir gefiel die Stimme, die mich ein wenig an Leisegang von Keimzeit erinnert. Auch der Text und die Musik zu 'Ich und Du' fand ich nicht wenig originell. Aufgrund dessen habe ich mir recht spontan das komplette Album zugelegt. Es läuft in Heavy Rotation, wie es so schön auf Neudeutsch heißt.
Anfangs fand ich das Album gut, wobei es mir in Stücken zu ruhig war. Aber dieses Album hat es in sich. Es frisst sich ganz langsam in die Hörgänge, man beschäftigt sich mit den Worten und irgendwann ist es zu spät. Der Virus breitet sich aus und ein Gegengift ist noch nicht gefunden.
Wann hat sich jemand in der deutschen Sprache seelisch derart entblößt, ohne peinlich und abgedroschen zu klingen? Da singt sich ein junger Musiker die Seele und sein Leben aus dem Leib, so als hätte er alles Leid der Welt schon ertragen müssen. Man möchte ihn am liebsten in den Arm nehmen und ihn trösten. Ein ganz starkes Stück Musik hat den Weg in die Öffentlichkeit gefunden.
Diese Kombination aus Text und Musik. Je öfter man das Album hört, umso mehr wird klar, das dieses Album keineswegs zu ruhig geraten ist. Man muss sich nur damit beschäftigen und kann es nicht nur nebenbei beim Essen machen hören.
Der Favorit? Eindeutig 'Als gäbs kein Morgen mehr'. Wer dieses Lied einmal gehört hat, braucht weiter keine Erklärung. Der Junge hat echt was zu verarbeiten gehabt. Und hat es so eindrucksvoll und geschickt gemacht, alles Achtung. Chapeau!!! Allein dieses Lied ist mehr als die 5 Sterne wert. Mit so wenigen Worten soviel auszudrücken gelingt manchmal nicht einmal den etablierten Autoren.
Die Lobeshymnen haben damit auch ein Ende. Wer dieses Album nicht kauft, verpasst was. Und es bleibt zu hoffen, das Poisel keine Eintagsfliege im allzu schnellen Musikzirkus wird.