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Wo einst das Paradies war
 
 
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Wo einst das Paradies war [Gebundene Ausgabe]

Carlos Franz
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 251 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch (1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462028383
  • ISBN-13: 978-3462028386
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 12,6 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.610.623 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Und ewig gurgeln die Wasser

Carlos Franz' Amazonas-Roman «Wo einst das Paradies

war»

Es dampft. Keine Seite dieses Romans, die nicht die feuchte Wärme des Amazonasbeckens verströmen, nicht die schwüle Luft des Regenwalds atmen würde. Ein gurgelnder Fluss, unaufhörlicher Regen und das schillernde Grün eines ewig wuchernden Sommers stellen die Kulisse dieses kleinen Abenteuers am oberen Amazonaslauf, in der Gegend von Iquitos, wo Ecuador, Kolumbien und Brasilien zusammentreffen. Immer schon bedienten sich lateinamerikanische Dichter dieser grossartigen Bilderwelt. Seit der Romantik entnehmen sie der Flusslandschaft ihre Krokodile, Kautschukbäume und Indios, um sie zu Symbolen der äquatorialen Breitengrade hochzustilisieren. Aber kaum einer packte humidad y calor, Feuchtigkeit und Hitze, in derart sinnliche Sätze wie der junge Schriftsteller Carlos Franz aus dem ganz und gar nicht tropischen Chile.

In der jüngeren Literatur erscheint der Amazonas aber nicht mehr ausschliesslich als grandiose Landschaft. Zeitgenössische Autoren konzentrieren sich vor allem auf Themen wie Umweltzerstörung oder die systematische Vertreibung der indianischen Ureinwohner. Die brasilianischen Autoren Darcy Ribeiro und Antonio Callado haben ihre Helden im Dschungel mal dramatisch, mal ironisch scheitern lassen. Und schon mit dem Romantitel, aus dem Spanischen fast wörtlich ins Deutsche übersetzt, deutet Franz an, dass auch er sich dieser Sicht der Dinge anschliessen will. Der Amazonas ist kein Paradies, und Anna, die Hauptfigur und Erzählerin des Romans, wird dies während ihres Aufenthalts gründlich erfahren. Trotzdem: Zur grünen Hölle sinkt die Flusslandschaft bei Franz nicht herab. Von Mord, Korruption, Krankheit und gleichgültig hingenommener Armut ist zwar auch hier zu lesen, aber das Buch geriert sich nicht als Sozialkritik, nicht als in Kunst verwandelter Empörungsschrei. Vielmehr hat Carlos Franz einen angenehm zu lesenden Abenteuerroman vorgelegt, der gelassen dahingleitet wie die Wasser des riesigen Flusses.

Die 18jährige Anna reist in dieses Dschungelland, um ihren Vater, einen chilenischen Diplomaten, zu besuchen; dieser will sich dort, auf der letzten Station eines ruhelosen, weltumspannenden Berufslebens, selbst zur Ruhe zwingen. Allerdings muss Anna erleben, dass der einst vergötterte Vater so strahlend auch nicht ist. Mit getürkten Papieren sucht er seinen Vorgesetzten von der Unentbehrlichkeit seiner eigentlich völlig überflüssigen Dienststelle zu überzeugen. Doch in seinem intriganten Netz droht er sich vor allem selbst zu verfangen. Schliesslich hat der Konsul noch einmal Glück: er verlässt den Ort, um von neuem durch die Welt zu irren. Das lebenslange Reisen, so die kaum zu überlesende Botschaft, hat dem Mann die Seele geraubt.

Warum Carlos Franz das gottverlassene Iquitos unbedingt mit den grossen Schauplätzen des Weltgeschehens hat verbinden wollen, bleibt sein Geheimnis. Annas Vater erinnert sich an frühere Dienstorte, an Japan, New York, Europa; auch Pinochets Militärputsch vom September 1973 taucht kurz auf – aber zusammenhalten will das Ganze nicht. Auch die Schilderung von Annas Flug nach Amerika, zur letzten Begegnung mit dem Vater, wirkt mit der Fülle der aufgezählten Reisestationen bemüht und ist mit dem Rest der Handlung kaum sinnvoll verwoben. So verhält sich die Geschichte wie die äquatoriale Fauna: Entschlossen treibt sie ihre Keime nach oben, um in den schillerndsten Farben zu blühen. Dann vergeht sie wieder, welkt dahin im Boden des Urwalds. Es scheint, als hätte es sie nie gegeben. Aber geschildert ist sie grandios.

Kersten Knipp

Kurzbeschreibung

Voller Erwartungen kommt Anna nach Iquitos, um ihren Vater zu besuchen. Als sie sich jedoch in Enrico verliebt, gerät sie schnell in einen Strudel widersprüchlicher Gefühle, der eine Kette fataler Ereignisse auslöst. Denn Enrico verbindet mehr mit der Lebensgefährtin von Annas Vater, als er zugeben möchte...

Ein fesselnder Roman über Liebe und Eifersucht mitten im Dschungel des Amazonas - dort, wo nach den Mythen der Indios einst das Paradies war. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Kann denn Liebe Sünde sein? 26. November 2003
Format:Gebundene Ausgabe
Wenn die schon fast mythische Figur Maqroll des Kolumbianers Alvaro Mutis' mit dem heruntergekommenen Konsul auf dem Mescal-Höllentrip in Malcolm Lowrys Unter dem Vulkan verschmelzen würde, und das Ganze in der flirrenden, feuchten Hitze des oberen Amazonaslaufs im Dreiländereck Ecuador, Peru und Brasilien, dann käme wohl eine Figur heraus wie die des ziemlich abgehalfterten Diplomaten im zweiten Roman Carlos Franz': "Es ist dieser ältere einsame Mann, den wir stets rauchend auf den Bahnsteigen finden" - "ein berufsmäßiger Abschiednehmer", so schildert ihn seine 18jährige Tochter Anna, die ihn, wann immer es die Schule erlaubt, besucht auf seinen Außenposten der Zivilisation, die am Ende einer Diplomatenkarriere im Dienst einer namenlosen lateinamerikanischen Diktatur - Chile oder Argentinien zur Zeit der Militärs? - zu stehen scheinen, um dort noch einmal anzuknüpfen an die glücklichen Tage, die sie in vergnügter Komplizenschaft mit ihrem einst stattlichen Vater an den Stätten seines Wirkens verbrachte.

Anna berichtet aus der Retrospektive zehn Jahre später von diesem letzten Treffen mit dem vergötterten Vater in Iquitos, das in seinem von Nebelschwaden umwaberten rostigen Verfall nur noch ein trauriger Abklatsch des einstigen El Dorados - eben wo einst das Pardies war - ist und so meisterhaft das verrottete Innenleben des Konsuls spiegelt. Eine kleine diplomatische Verwicklung um den Hasardeur Enrico, dem der Konsul unter Landsmännern weiterhilft, scheint das Geschehen voranzutreiben, doch in Wahrheit ist es Anna, die früh- und gleichzeitig unreife Frau, die ihrem Vater nach der gescheiterten Ehe mit ihrer Mutter das späte Glück in den Armen der schönen Mestizin Julia nicht gönnen kann. Aus maßloser und gleichzeitig uneingestandener Eifersucht auf Julia, mit dem sie den Vater und später auch den Geliebten Enrico teilen zu müssen glaubt, mit dem sie nur eine romantisch überhöhte, aus Trotz vorangetriebene flüchtige Affäre ohne Tiefgang verbindet, reißt Anna alle ins Verderben.

Bar jeder Hast, fast auf den Nebeln schwebend, entwickelt sich das Geschehen mit fast schicksalhafter Zwangsläufigkeit, wie in einem Totentanz, den außerdem der undurchsichtge Polizeipräfekt Goncalves und der ehemalige Konkurrent des Konsuls, Rubiroza, bevölkern. Der Roman besticht durch seine Schilderungen der Athmosphäre, die förmlich Dekadenz zu atmen scheint und das Ende der Welt am Amazonas plastisch vor dem Leserauge erstehen lassen. Der pathetisch anmutende Konsul in seiner Schwäche und moralischen Fehlbarkeit erweckt eine Spur von Mitleid, und Anna, die als geläuterte Frau schwer an ihrer Schuld trägt, kann zwar nicht auf Verständnis oder gar Vergebung, aber doch auf Mitgefühl hoffen, während die anderen Figuren undeutlich, wie hinter einem beschlagenen Brillenglas bleiben.

Der chilenische Diplomatensohn und anerkannte Literaturkritiker Franz (*1959) wurde in Argentinien mit dem Premio Planeta für diesen Roman ausgezeichnet, der in der handwerklich sauberen, stilsicheren Übersetzung ins Deutsche von Willi Zurbrüggen definitiv ein Lesegenuß ist. Unbedingt lesen!

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