Der Farthing-Wald ist ein Naturschutzgebiet und damit unberührtes Land, was den dort lebenden Ottern zu verdanken ist, die in dieser Gegend eine Seltenheit sind. Die Waldbewohner können in Ruhe vor den Menschen leben. Alles könnte so schön und sorglos sein. Aber dann wird das Futter im Fluss knapp, sodass die Otter damit anfangen, im Wald zu jagen, womit sie den Füchen, Wiesel oder Hermelinen ihre natürliche Beute stehlen. Die Rache der Waldbewohner lässt nicht lange auf sich warten - und fällt dermaßen vernichtend aus, dass der ganze Farthing-Wald in Gefahr gerät...
Wie man an meiner Einleitung und am Namen des Buches erkennen kann, handelt es sich bei diesem Buch nicht um eine weitere Fortsetzung der beliebten Buchreihe, sondern um ein Prequel, das die Vorgeschichte des Farthing-Waldes erzählt. Ich war ehrlich gesagt schon etwas skeptisch im Hinblick auf dieses Buch. Entweder taugt es wirklich etwas oder es ist nur eine Methode, um noch etwas Geld mit bereits bekanntem Stoff zu verdienen.
Ich bin froh, dass die erste Möglichkeit eingetroffen ist. Zwar konnte ich eine kleine Ungereimtheit in Bezug auf die Gesamtgeschichte feststellen, aber über diesen kleinen Umstand kann man hinwegsehen. Allerdings stört mich der Umstand, dass für die Waldbewohner bereits nach wenigen Seiten feststeht, wie sie ihre Probleme lösen wollen, nämlich durch totale Vernichtung. Wenn man einen Blick auf das Ende der gesamten Geschichte richtet, bleibt da ein bitterer Nachgeschmack. Der Zyklus fängt damit nämlich genau so an, wie er endet.
Trotzdem handelt es sich insgesamt um ein würdiges Prequel. Vor allem die vielen Entwicklungen der einzelnen Charaktere haben mir gut gefallen. Aus den arroganten Ottern werden mit der Zeit vorsichtige Tiere, die ums nackte Überleben kämpfen müssen. Aus den hochnäsigen und opportunistischen Füchsen werden mit der Zeit besorgte Tiere, die zusammen mit allen anderen Tieren versuchen, die Otter zurück in den Farthing-Wald zu bringen.
Außerdem hat mir die erzwungene Einführung vieler neuer Charaktere gefallen. Von den Tieren, die in den späteren Büchern auftauchen, kommen hier lediglich der Dachs und der Fuchs vor. Ansonsten greifen ausschließlich unbekannte Tiere in die Handlung ein. Ein Umstand, der sehr gut gelöst wurde, zumal die Charaktere zur Genüge beschrieben werden, sodass eine Verwirrung ausgeschlossen ist.
Überrascht hat mich bei diesem Buch aber vor allem die Stimmung. Ich kann mich an keine einzige lustige Szene erinnern, die Zeichen stehen bereits mit der ersten Seite auf Sturm. Die geschilderten Brutalitäten und vielen Todesfälle unterstützen diesen Eindruck voll und ganz. Und obwohl man weiß, wie die Geschichte zwangsläufig enden muss, reißt sie einen mit und besticht durch einen intelligenten Spannungsbogen.