"Wo ist zuhause, Mama" ist eine Sammlung deutschsprachiger Songs der 90er (auch einige ältere sind vertreten), die vom Schriftsteller Franz Dobler (kennt den jemand?) mit dem Anspruch herausgegeben wurde, dass sie nicht so blöd sein sollten, dass man sich das unverständliche Englisch zurück wünschen würde. (Der Titel der Sammlung geht ausgerechnet auf eine Johnny Cash-Einspielung zurück, der in seiner deutschen Zeit wohl eine deutsche Fassung von "Five feet high and rising" eingesungen hat).
Das Ergebnis dieses Versuchs ist ohne Zweifel gelungen. Die Platte ist sorgfältig ediert und hat auch einen (oder sogar zwei) Nachfolger gefunden (etwa "Nicht zuhause, Mama"), die das Niveau gehalten haben. Das ist schon etwas eher Seltenes auf diesem Markt.
Es finden sich (damals) Altbekannte wie etwa die Frauenkombo "Die Braut haut aufs Auge", Liedermacher ganz alten Stils wie Fanny van Dannen, merkwürdige Namen wie "Trinkende Jugend", hinter der sich der alte Schelm Ernst Kahl mit seinem musikalischen Kompagnon Hardy Kayser versteckt.
Daneben aber auch Gruppen wie Checkpoint Charlie mit dem großartigen Schauspieler und Komödianten Uwe von Trotha oder Das Blech mit Rupert Volz, den man gern als genialisch bezeichnen möchte. Nicht zuletzt sind auch später fast schon zu den Arrivierten zu zählende Künstler wie Element of Crime und Wiglaf Droste mit frühen Aufnahmen zu hören.
Kurz: das Ziel, Text und Musik auf einem Niveau zu halten, so dass man sich der Verständlichkeit nicht schämen müsse - dieses Ziel kann als erreicht gelten. Wer sich für die Geschichte deutschsprachiger Popmusik interessiert, sollte sich für den Abschnitt späte 80er/90er Jahre die beiden "Zuhause" Platten sichern. Man muss schon sehr verstopfte Gehörgänge haben, um dabei nicht die eine oder andere Perle zu entdecken.