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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
98 von 102 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gutes Buch über ein "schlimmes Weib",
Von
Rezension bezieht sich auf: Witwe im Wahn: Das Leben der Alma Mahler-Werfel (Taschenbuch)
Meine musikbegeisterte Großmutter hat Alma Mahler noch gekannt - und konnte sie auf den Tod nicht ausstehen. Großmutter wurde richtig wütend und sprach immer nur von "dem schlimmen Weib". Das machte mich natürlich erst recht neugierig und so las ich die neueste Biographie über diese interessante Dame, die es immerhin bewerkstelligt hat, mit den berühmtesten Persönlichkeiten ihrer Zeit zusammenzutreffen und drei Genies zu heiraten. Was war an ihr, was so viele berühmte Männer in ihren Bann zog?Der Biograph Oliver Hilmes hat es nicht einfach gehabt; denn Alma Mahler hat in ihrem Bemühen, sich stets in ein positives Licht zu rücken, die Wahrheit öfter hübsch zurechtgebogen und verdreht. Doch Hilmes hat in Alma Mahlers Nachlaß sowie 23 weiteren Archiven und Sammlungen gründlich recherchiert, zahlreiche Interviews durchgeführt und eine umfangreiche Literaturliste sowie ein Personenregister ans Ende des Buches gestellt. Man merkt, daß er sich bemüht, so neutral wie möglich über Alma zu berichten. Fakt bleibt, daß Alma schon früh ihren Vater verlor. Ihr Stiefvater war Mitglied der Wiener Secession und verkehrte viel in Künstlerkreisen. Als junges Mädchen wurde sie schon von dem Maler Gustav Klimt angebetet. Sie hatte ein Verhältnis mit ihrem Kompositionslehrer Alexander von Zemlinsky, heiratete aber den älteren und bereits berühmten Dirigenten und Komponisten Gustav Mahler, den sie später mit dem Architekten Walter Gropius betrog. Nachdem Mahler verstarb, heiratete sie Gropius, hinterging ihren zweiten Mann aber mit dem Maler Oskar Kokoschka, dessen Kind sie heimlich abtrieb. Alma Mahler intrigierte auch. Sie verhinderte zum Beispiel, daß der Komponist Arnold Schönberg an das Bauhaus berufen wurde und sorgte später durch Verbreitung von Unwahrheit für die Entlassung des ihr mißliebigen Dirigenten Felix Weingartner an der Wiener Hofoper. Von Gropius ließ sie sich scheiden und heiratete den Dichter Franz Werfel, dem sie wiederum nicht treu war. Ihn betrog sie mit einem katholischen Priester, dem sie später nicht verzeihen wollte, daß er sein Priesteramt niederlegte. Alma Mahler entwickelte zudem einen hartnäckigen Antisemitismus und das obwohl sie mit ihrem dritten Ehemann Franz Werfel vor den Nazis in die USA flüchten mußte, da Werfel Jude war. Sie plagte ihren Mann immer wieder mit antisemitischen Äußerungen, obwohl sie selbst in jüdischen Emigrantenkreisen verkehrte. Als Werfel starb, setzte Alma das Gerücht in die Welt, ihr Mann hätte sich auf dem Sterbebett noch kurz vor seinem Tod nottaufen lassen. Es ist richtig, daß Alma eine großzügige und charmante Gastgeberin war, bei deren Einladungen Delikatessen und Champagner strömten. Auch war sie in ihrer Jugend sehr attraktiv. Sie war zudem gebildet und verfügte zeitlebens über genügend Geld, um einen gehobenen, manchmal sogar luxuriösen Lebensstil auf der großen gesellschaftlichen Bühne zu pflegen. Berühmtheit zieht bekannlich andere berühmte Menschen an. So erklärt es sich, meiner Meinung nach, daß Alma bereits in ihrer ersten Ehe mit dem bekannten Dirigenten und genialen Komponisten viele weitere berühmte Persönlichkeiten kennenlernte. Trinkfestigkeit und Leidenschaft sowie der Wunsch, Geltung zu erlangen, ermöglichten es dieser Frau eine besondere Rolle im kulturellen Leben ihrer Zeit zu spielen. Ich muß gestehen, ich verstand meine Großmutter nach der Lektüre dieses Buches. Aber das liegt nicht an Oliver Hilmes Buch, sondern an Alma Mahlers Verhaltensweisen. Bilden Sie sich aber Ihre eine eigene Meinung und lesen sie das preiswerte Taschenbuch, das eine empfehlenswerte Biographie darstellt und einen Platz in der Hausbibliothek verdient. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eine "unfassbare" Frau,
Von
Rezension bezieht sich auf: Witwe im Wahn: Das Leben der Alma Mahler-Werfel (Gebundene Ausgabe)
Nimmt man Francoise Girouds süßliche Glorifizierungsorgie ("Alma Mahler oder Die Kunst, geliebt zu werden", dtv 2000) als ein Extrem und Paulus Mankers theatergewordene, sehr persönliche Alma-Obsession ("Alma, a Show Biz ans End") als anderes Extrem, dann liegt Oliver Hilmes Aufarbeitung der Lebensgeschichte von Alma Mahler-Werfel auf halbem Weg."Witwe im Wahn" ist hervorragend recherchiert und vor allem exzellent redigiert, was die Empfehlung dieses Buches auch für "Biografie-Verweigerer" nahelegt. Dennoch schlägt auch bei Hilmes ein Reflex zu, der symptomatisch für jede Annäherung an Alma Mahler-Werfel zu sein scheint: Er kann nicht objektiv bleiben, so sehr er sich auch bemüht. Stellvertretend dafür steht der Titel seiner Biografie - "Witwe im Wahn" - die jene Pathologisierung Almas ankündigt, für die sich Hilmes als Leitfaden durch das Leben dieser Frau entschieden hat. Die Diagnose "Hysterie" allein kann ihre Strahlkraft (ob negativ oder positiv, hier sollte nicht gewertet werden) nicht erklären. Sicher lassen sich aus Alma Mahlers Tagebucheintragungen gewisse pathologische Züge ablesen, man darf jedoch nicht außer acht lassen, dass jene Männer, die sich an ihr "entzündet" haben, durchwegs ebenso "hysterisch" (um beim Hilmes'schen Duktus zu bleiben) gefärbt sind. Der Witwe "Wahn" ist also mit Sicherheit keine einseitige Geschichte, sondern das Resultat einer Wechselwirkung mit ähnlich gelagerten, für Almas Wesen aufnahmebereiten Persönlichkeiten. Ebenso würde ich Almas Perfektionismus in der Selbstinszenierung und ihre beachtenswerte Verdrängungskunst nicht unter "Hysterie" subsummieren, sondern vor den Hintergrund ihrer mehr als mißglückten Kindheit, den frühen Verlust des geliebten Vaters, die emotionale Kälte und libidinöse Unmäßigkeit ihrer Mutter und die Stellung der Frau im ausgehenden 19. Jahrhundert stellen. Herausragend ist allerdings Hilmes Beleuchtung von Alma Mahler-Werfels latentem Antisemitismus, der sonst gerne unter den Tisch fallen gelassen wird. Hier schafft es Hilmes nicht zu werten, sondern minutiös zu zeigen, wie Almas aus heutiger Sicht abstruse Interpretation des "Jüdischen Charakters" mit ihren privaten Beziehungen einerseits und mit der österreichischen Politik andererseits zusammenspielt. Alles in allem ist Hilmes Buch jedoch auf jeden Fall zu empfehlen. Selbst wenn auch ihm es nicht ganz gelingt, diese Frau zu "fassen", liefert er doch einen neuen Ansatz vor einem beeindruckend nachvollziehbaren politischen und künstlerischen Bild des Fin du Siècle. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Auf die Knie vor mir, wenn ich bitten darf,
Von
Rezension bezieht sich auf: Witwe im Wahn: Das Leben der Alma Mahler-Werfel (Taschenbuch)
Roberto Bolano hat in seinem großen Werk 2666 empfohlen, "sich fremden Autoren erst einmal durch einen Tritt in die Eier" zu nähern. Was immer man von diesem Rat auch halten mag, er ist ganz und gar untypisch für das Verhältnis von Biographen zu ihrem Gegenstand. Normalerweise entfalten Biographen das Leben ihres Protagonisten mit Anteilnahme und Sympathie und wissen durchaus die eine oder andere Peinlichkeit in angenehmes Zimmerlicht zu tauchen. In der vorliegenden Biographie von Oliver Hilmes Witwe im Wahn" über Alma Mahler-Werfel verhält sich dies allerdings vollkommen anderes. Auf der Grundlage umfassenden Quellenstudiums, das auch zahlreiche bislang unausgewertete Dokumente mit einbezieht, versucht der Autor diese "Muse der modernen Kunst" bzw. dieses "erste Partyluder des 20. Jahrhunderts" so detailgetreu zu portraitieren, dass auch die persönlichen Unzulänglichkeiten und Brüche sichtbar werden. Vor allem holt er Alma Schindler-Mahler-Gropius-Werfel von dem Sockel herab, auf den sie sich selbst durch ihr autobiographisches Machwerk "Mein Leben" gestellt hat und seziert ihre Persönlichkeit wie ein Insektenforscher das Fliegengebein.So ist ein Werk entstanden, das mit großem Gewinn in gleich mehrfacher Richtung gelesen werden kann. Zunächst handelt es sich um eine Art Kulturgeschichte der modernen Kunst, wobei weniger Alma Mahler als die staunenswerte Zahl erstrangiger Musiker, Maler, Architekten und Literaten von Alban Berg bis Zemlinsky interessieren, die ihren Lebensweg kreuzten. Man erfährt, dass Werfel zu seinem großen Armenierroman durch einen Besuch in den Teppichfabriken von Damaskus inspiriert wurde, man liest Internas und Dönekens aus Pacific Palisades, dem Refugium der deutschen Emigranten in Kalifornien, schaut hinter die Kulissen des Literaturbetriebes und in die Untiefen der Politik in der europäischen Zwischenkriegszeit. Zweitens, und damit rückt Alma Mahler wirklich in den Mittelpunkt des Buches, handelt es sich um nicht weniger als um eine exemplarische Modellbiographie für all die Millionen Singles unserer Tage, die auf nichts weiter fixiert sind als auf die Exaltationen ihres Gefühlslebens und die permanente Erwartung der Großen Liebe. Alma Mahler unterlag zwar sicher nicht als erste einer radikalen Unbeständigkeit ihrer Gefühlswelt, die sie irrtümlich auf das mangelnde Format ihrer Partner zurückführte - sie war aber die erste, die die Dürftigkeit ihres Charakters in ihren Tagebüchern der Nachwelt auf das Akribischste überliefert hat. Dazu einige Kostproben: "Auf die Knie vor mir, wenn ich bitten darf", heißt es gleich an mehreren Stellen. Oder: "Eine Frau kann in vielen Kirchen beten", denn es gilt: "Je bedeutender der Mann, desto kränker seine Sexualität". Da machen auch ihre jüdischen Bekannten keine Ausnahme, über die sie samt und sonders urteilt: "Und wenn die Juden sich zehnmal die Haare blond färben, sie bleiben ein dunkles, wildes Ostvolk". Manche mögen einwenden, dass eine Frau, die immerhin Mahler, Werfel, Gropius und Kokoschka und zahlreichen Sekundärgenies die Sinne verwirrte, so ganz unbedeutend nicht gewesen sein kann. In Oliver Hilmes Biographie gewinnt der Leser allerdings den Eindruck, als sei Alma Mahler nicht für die Lichtseiten dieser großen Männer sondern immer nur für den Bodensatz ihrer Seelen zuständig gewesen und als gehöre sie zu jenen Personen, die alles und jedes, das sie berühren, emotional und faktisch zugrunde richten. "Die Frau ist ein wildes, blondes Weib, gewalttätig saufend", notierte Remarque 1944 über die alte Alma. "Gustav Mahler hat sie bereits unter die Erde gebracht, Kokoschka und Gropius sind ihr entkommen, Werfel wird das nicht schaffen." Alles in allem ein ungemein unterhaltsames und lehrreiches Werk, das mit seinem Gegenstand hart ins Gericht geht - versehen mit zahlreichen Abbildungen, einem Register und einem ausführlichen Literaturverzeichnis handelt es sich um eine der herausragenden kulturgeschichtlichen Monographien des deutschen Sprachraumes. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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