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Wittgenstein. 3 CDs.
 
 
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Wittgenstein. 3 CDs. [Audio CD]

Elisabeth Gutjahr , Klaus Löwitsch , Anton Webern


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Hörbuch-Rezensionen

Kurz vor seinem Tod im Dezember 2002 ließ sich Klaus Löwitsch auf eine intensive Auseinandersetzung mit dem schwierigen Philosophen Ludwig Wittgenstein ein. Das Ergebnis: drei CDs, auf denen der Schauspieler, den man gemeinhin weniger mit tiefgehenden existentiellen Fragen in Verbindung brachte, seine Begegnung mit Wittgenstein Zug um Zug vertieft. Er liest Texte von und über Wittgenstein, auch von anderen Autoren, darunter sein eigenes „Christuskommando“. Die Intensität seiner Interpretation liegt vielleicht gerade an der vermeintlichen Gegensätzlichkeit des großen Schauspielers und des Wiener Philosophen. Wie auch immer: Das Spektrum existentieller Themen, das Löwitsch hier „durchlebt“, ist atemberaubend.

Wer nur Spannung und Unerhaltung sucht, wird mit Sicherheit enttäuscht. Wer allerdings, um mit einem Wort aus Elisabeth Gutjahrs Porträt zu sprechen, „mit dem Abstieg ins alte Chaos etwas anfangen kann“, der wird aus dieser Produktion großen Gewinn ziehen. Eine Collage aus Texten von Elisabeth Gutjahrs „Wittgenstein“, von Rabindranath Tagore, Rainer Maria Rilke, Georg Trakl und aus einer Text-Mischung von Klaus Löwitsch, Lord Alfred Douglas, Ernest Dowson und James Saunders, sozusagen als Einstimmung, als Prolog, breitet das weite Feld für die Reflexion aus. Diese Reflexion über Themen des Fremd- und Alleinsein, auch des Anderssein, des Außenseitertums und des Sich-nicht-Vereinnahmen-Lassen transportiert Löwitsch intensiv und mit einer perfekten Sprechtechnik. Trotzdem, das Zerbrechliche, die große Ehrfurcht in seinem inneren Monolog bleibt. Man spürt in seiner Interpretation das Abenteuerliche, die Bereitschaft, sich ganz hinzugeben, auch auf die Gefahr hin, mitgerissen zu werden. Die Auseinandersetzung mit diesem eigenbrötlerischen Philosophen, der sich von allem Materiellen freimachen wollte, der sein Vermögen verschenkte, ausgerechnet der Denker, der sagte, das, was er nicht geschrieben habe, sei das Wichtigere, – dieser Philosoph, der gegen die Grenzen der Sprache und den Käfig unseres Denkens anrannte, rührt ihn zutiefst an. Als Interpret hat Klaus Löwitsch hier ein Meisterstück an Intensität vollbracht. Die musikalische Untermalung mit Stücken von Anton von Webern und Franz Schubert sowie die Schlagzeugpassagen, die stilsicher die Zerrissenheit und das Exzentrische unterstreichen, vollenden diese vibrierende Darbietung.

Wie Klaus Löwitsch sich den Texten von Rilke, Tagore und Trakl nähert, ist grandios. In seiner unverwechselbaren Stimme – dieser Mischung aus sinnlich-arrogantem Timbre, kräftig, trocken und wienerisch angehaucht – leben tastend, aber mit sicherem Gespür die Abgründe und Grenzüberschreitungen. Er fühlt dem schmerzhaften Blick in die Tiefe nach. Zweifelsohne ein großes und großartiges Vermächtnis.

In seinem Leben (1936 bis 2002) brachte es Klaus Löwitsch auf 300 Film- und Fernsehrollen. Einem breiten Publikum wurde er durch den Privatdetektiv „Peter Strohm“, den er in der ARD spielte, bekannt. Aus seiner Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder entstand u.a. der Film „Die Ehe der Maria Braun“. Löwitsch, der über eine klassische Schauspiel-Ausbildung verfügte, trat aber auch auf diversen Bühnen auf: in Konstanz, Köln, Hamburg, Wien und Zürich. An den Münchner Kammerspielen war er in Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ zu sehen.

Lesung mit Musik, Spieldauer: ca. 145 Minuten, 3 CD. Regie: Anette Rupp, Schlagzeug: Uschi Bökesch. Mit Booklet.
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