Nachdem ich vor kurzem The Witcher 1 gespielt hatte, musste Teil 2 auch her. Und obwohl es anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war aufgrund einiger Neuerungen im Vergleich zu Teil 1, wurde ich nicht enttäuscht: Wie schon sein Vorgänger gehört The Witcher 2 zu den besten Spielen des Genres, die ich bisher spielen durfte.
Zur Story haben sich andere bereits genug ausgelassen, man braucht sie hier nicht groß zu erzählen.
Nur soviel: Der Hexer Geralt von Riva wird des Mordes an König Foltest verdächtigt und in den Kerker verfrachtet. Natürlich hält es ihn dort nicht lang, und er macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach dem wahren Königsmörder.
Die Story ist sehr gut ausgearbeitet und dargestellt, und sie setzt die Stimmung und Grundideen aus den Büchern ebenfalls sehr gut um. Die Story strotzt nur so von politischen Intrigen und Wirren, von dem Rassismus von menschen gegenüber anderen Rassen, von Sex und Gewalt, moralischen Entscheidungen, Themen, die eher Erwachsene als Zielgruppe haben, als jüngere Spieler. Man wird dabei in das Spiel hineingezogen, wie in einen Film, was andere RPGs wie Skyrim meiner Meinung nach nicht schaffen. Aber die Story war schon immer eine der Stärken der Witcher Spiele.
Neben der Hauptstory zieht sich auch der Handlungsstrang Geralts Vergangenheit betreffend durch das Spiel - wer sich an Teil 1 erinnern kann: Der Hexer hat sein Gedächtnis verloren, und in Teil 2 erlangt er einige Erinnerungen wieder.
Ereignisse gegen Ende des Spieles deuten darauf hin, daß es einen weiteren Teil geben könnte, in dem man dieser Vergangenheit auf die Spur kommt ... in TW2 stellt Geralts Vergangenheit aber nur eine Hintergrundgeschichte dar, die dennoch immer wieder geschickt mit der Hauptstory verflochten wird.
Die Grafik des Spieles ist super, sogar wenn man das Spiel nicht auf der Festplatte der Xbox installiert, sieht es einfach toll aus. Lichteffekte, wundervoll gestaltete Landschaften und Umgebungen, liebevoll gestaltete Figuren. Einzig die Gesichtsanimationen in Gesprächssequenzen sind oft hölzern und starr, aber das ist sehr verschmerzbar.
Die deutsche Synchronisation kann sich gut hören lassen, nur die Synchronsprecherin von Triss Merigold versteht ihr Fach nicht. Emotionslos und gekünstelt liest sie ihren Text runter, und das ist mir schleierhaft, weil sonst alle Charaktere wirklich gut vertont wurden.
Zum Spiel selbst:
Gegenüber The Witcher 1 haben sich einige Dinge geändert:
Am auffälligsten ist das neue Kampfsystem. Hatte man in TW1 noch drei verschiedene Kampfstile, die den Hexer auf Mausklick je nach Stufe und Stil verschiedene Schlagabfolgen ausführen ließen, so ähnelt das Kampfsystem hier ein wenig dem aus Dark Souls. Man hat einen schnellen, schwächeren Schlag und einen starken, aber langsameren schlag. Beide führt man direkt über Tastendruck aus, wodurch die Kämpfe "direkter" werden, als im Vorgänger - für mich sehr positiv. Man kann (und sollte auch) blocken, gegnerische Schläge kontern.
Wer blindlings in eine Gegnermeute hineinläuft und draufloswütet, ist wahrscheinlich des Todes.
Man muss vielmehr taktisch vorgehen, seine Angriffe mit Magie (Zeichen genannt), Fallen, Bomben und Wurfmessern kombinieren. Und vor schwierigen Kämpfen empfiehlt es sich, Elixiere einzunehmen, die man nicht mehr wie in TW1 jederzeit, sondern nur während der Meditation einnehmen kann. Der Absud Raffards Des Weissen existiert zwar weiterhin, führt aber nicht mehr wie in teil 1 eine sofortige Heilung herbei.
Gleichgeblieben ist, daß die Tränke giftig sind, und die Einnahme von zu vielen Tränken auf einmal zur Vergiftung und somit zum Tod führt - und man kann weniger Tränke auf einmal einnehmen, als im Vorgänger - jedoch verschwindet mit dem Ende ihrer Wirkung auch ihre Toxizität wieder. Diesen Teil fand ich im Vorgänger etwas besser gelöst.
Daß man jedoch nur noch während der Meditation trinken kann und somit sich auf einen Kampf vorbereiten muss, finde ich gelungen und es vermittelt ein Gefühl von realistischerer Vorgehensweise.
Die Spielwelt ist wie schon im Vorgänger wieder in einzelne Areale unterteilt, die man in den jeweiligen Kapiteln erreicht, und die zwar begrenzt, in sich aber relativ offen sind. Natürlich darf man keine offene Welt, wie in Skyrim erwarten, aber ein bisschen erkunden kann man die Areale schon. Aber das ist auch nicht der Schwerpunkt von TW2, hier geht es vielmehr um das Vorantreiben der Story. Die Spielwelt selbst ist aber sehr lebendig und liebevoll gestaltet, und es macht Spaß, mit den Charakteren zu reden. Und sehr oft scheint ein bisschen Humor durch, so wie auch in den Büchern - wer sie gelesen hat, weiß, was ich meine.
Neben der Hauptquest erledigt man natürlich so einige Nebenquests, wie es für das Genre typisch ist. Und wie es sich für einen Hexer gehört, gehören zu den Nebenquests auch die Aufträge der jeweiligen Ortschaften - immerhin ist er Monsterjäger, den die Leute holen, damit er sie von Monsterplagen befreit.
Und natürlich gibt es auch wieder einige Möglichkeiten, sich neben der Monsterjagd und anderen Aufgaben die Zeit zu vertreiben. Ob man versucht, der neue Meister im Würfelpoker zu werden, oder sich zum stärksten Faustkämpfer aufzuschwingen, oder, neu im Vergleich zum Vorgänger, sich im Armdrücken versucht, es gibt genug spaßige Möglichkeiten, die für Kurzweil und obendrein für ein bisschen Kohle sorgen. Nur das Kampftrinken fehlt, und das fand ich schade, war es doch in Teil 1 sehr spaßig, mit den Schnapsnasen in der Schenke um die Wette zu trinken und dann eine Weile benebelt durch die Spielwelt zu torkeln.
Aber wie in Teil 1 ist auch hier der Hexer wieder sehr beliebt bei der Damenwelt - und kriegt die eine oder andere ins Bett. Und im Gegensatz zum Vorgänger sieht man hier auch mal wirklich erotische Szenen.
Und ein wichtiges Feature enthält das Spiel noch, das ihm einen absoluten Wiederspielwert verleiht:
Immer wieder im Verlauf der Story ist man gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die den Spielverlauf verändern bzw. die bestimmen, in welchen Handlungssträngen das Spiel weiterverläuft. Und somit können auch die Quests, die man danach erhält, ganz andere sein, je nachdem, wie man sich entscheidet.
Fazit:
Wer von einem Rollenspiel riesige, offene Welten und grenzenlose Erkundungsmöglichkeiten erwartet, so wie man es von den Elder Scrolls kennt, und sich überhaupt nicht mit einer gewissen Linearität und begrenzten Arealen anfreunden kann, der braucht sich The Witcher 2 (und auch seinen Vorgänger) nicht zu kaufen. Wer leicht frustriert ist, und nach einem Kampf, den er schon zweimal gekämpft hat, den Controller hinschmeisst, weil er gerade wieder gestorben ist, sollte ebenfalls die Finger von The Witcher 2 lassen. Wer aber zur Abwechslung mal ein Rollenspiel spielen will, das mit einer echt gut gestalteten Story aufwartet und sich auch vor allem auf diese konzentriert, wird mit einem liebevoll gestalteten Spiel voller erwachsener Themen, aber auch voller Humor belohnt. Wer auch bei den Kämpfen gern wieder gefordert wird und nicht jeden Gegner in Nullkommanix niedermetzeln können möchte, kann ebenfalls zugreifen. Und wer den Vorgänger geliebt hat oder ein Fan der Bücher von Andrzej Sapkowski ist, sollte den Titel sowieso schon im Regal stehen haben.