Entstanden ist diese Band, dem guten Bobby Liebling von Stone Bunny, Virgin Death, ach ja, Pentagram meine ich, ein Denkmal zu setzen, zudem Roky Erikson, der bei der schwedischen 70s Band 13 Floor Elevators gespielt hat. Kenne ich leider noch nicht, aber ich denke, daß der ehemalige Norrsken Klampfer Magnus, der hier die Fäden in den Händen hält, schon einen exquisiten Geschmack hat. Nun, aus der Single wurde ein Album, aus dem Projekt eine echte Band. Los geht es mit "Witchcraft", eingeleitet durch die Stimme des Aufnahmeleiters, "Witchcraft, Take One!"...Kult, als wäre man tatsächlich noch in den 70ern verblieben. Und so klingt auch jener Song, melancholischer, leicht angehärteter Rock, ein wenig verspielt, mit schleppenderem Abschlußteil. Die Stimme des Sängers, ich denke mal Magnus selbst ist es, ist mittelhoch, sehr gefühlvoll, mit Seele und Charakter, technisch nicht perfekt, aber umso magischer und beschwörender. "The Snake" ist ein kriechender Doomrocker, was der Titel ja schon impliziert.
Bislang sehr gut, verdammt gut gemacht. Klanglich gibt es keinen Unterschied zwischen meinen echten 70er Scheiben und dieser nahezu blutjunge Schwedenband. Nächster Song ist eine Coverversion von Stone Bunny, ja, einer Pentagram Inkarnation der allerfrühesten 70er. Kult, würde ich mal sagen. Es ist wieder ein melancholiedurchtränkter Rocksong, leicht angehärtet zuweilen, ein bisserl bluesig, ein bisserl jazzig von der Rhythmik, das hatten in den 70ern noch viele Bands. Textlich wohl sehr tragisch gehalten, Tod einer Geliebten, ein sehr gerne genommenes Thema, siehe Rolling Stones "Paint it black". Ach ja, der Song heißt "Please don't forget me". "Lady Winter" doomt dann wieder, das heißt, er groovt und doomt. Die Gitarren brummen höllentief neben dem Bass einher, das Schlagzeug klopft entspannte Rhythmen dazu und über den Riffs finden sich zuweilen jaulende, kieksende Leads, ebenfalls typisch 70er. Ein bluesiger Song mit gemächlich schlenderndem Beat und wieder dieser eigenwillig bunten Melancholie kommt hiernach, ein wenig verspielt, gerne auch mal wieder mit jazzigen Rhythmen und auch ohne höllenmässig verzerrten Gitarren sehr betörend. "What I am"? Groovender Hardrock wird mit "Schyssta L." geboten, der Erinnerungen an die alten November weckt, ach, kennt ja keiner, also, es ist erdiger, wuchtig brummender Heavyrock, mittelschnell mit packenden Rhythmen und einer hypnotisierenden Solopassage. Immer wieder tauchen hier Breaks und Überleitungen auf, auch typisch für die 70er. "No Angel or Demon" schließt sich an, straighter Rock mit sehr entspanntem Feeling und langsameren Passagen darin. Sehr gefühlvoll inszeniert. Höre ich da eine Slideguitar? Ebenso wie ich eine Geige im langsamen Abspann des Openers gehört habe. Das hier ist also purer 70er Rock, Westcoastrock mit Middle Of the Road - Ausdruck. Nicht obskur, aber dafür umso besser. "I want you to know" groovt dann wiederum mittelschnell durch die Botanik, lädt zum Tanzen ein. Wahwahsoli mit dem heißgeliebten Ambulanzsirenenklang verschönern diesen straighten Rocker. Witchcraft geben ihren Songs ein herrlich freifließendes Gefühl mit auf den Weg, einen jamverliebten Ausdruck. Sie bauen langsamere Passagen ein, die nicht hineinkonstruiert klingen, sondern auf einer ganz natürlichen Beruhigung des Flusses basieren. Toll. Diese Musik ist so betörend, so hypnotisch, sie umgarnt Dich, liebkost Deine Sinne. Auch "It's so easy", straighter Rock im unteren Mid Tempo, hat so einen herrlich bluesigen Ausdruck gepaart mit durchdringender Psychedelik. Man lässt das Hauptriff ausklingen, das Hauptthema, Verzeihung, geht dann in einen schleppenden Part über, der wahrlich doomig klingt und von der dunklen Melodieführung und der singenden Leadgitarre lebt. Wieder zurück geht es über eine verspielte Passage zum Hauptthema hin. Der Titel spricht auch hier Bände. Die brodelnde, zermalmende Doomgitarre wird bei "You bury your head" wieder ausgepackt. Daß der Doom ursprünglich vom Blues kommt, zeigt sich ganz deutlich an diesem schleppendem Heavysong. Die morbiden Melodien der Leadgitarre, diese Notenroller, das ist Gänsehautgarantie. Die Gesangsmelodie ist eher bluesig, aber mit einem dämonischen Ausdruck versehen. Statt eines Refrains spielt eben die Gitarre düstere Melodien. Ein wunderschöner, balladesker Mittelteil mit bezaubernden Soli und durchdringendem Gesang rundet diesen Powersong ab. Und auch wenn die Band hier so retro sein mag, wie kaum eine zweite (Ogre mal ausgenommen, hehehe), sie hat auch die Charakterstärke der 70er Bands mitbekommen und klingt so eigen, daß man sie aus hunderten von 70s Acts heraushören kann. Geil ist bei diesem Song der intensive Schlußpart mit den jaulenden Gitarren, die beinahe in puren Krach, in Rückkopplungen und wildes Heulen abdriften. "Her sisters they were weak" hat ein mittelalterlich - folkiges Flair in Verbund mit dem progressiven Rockcharakter, eine Querflöte verstärkt den Folkeindruck noch mehr. So ergreifend schön, erfüllt mit tiefsten Gefühlen, pure Magie ausstrahlend. Ein gelungener Schlußpunkt unter ein Ausnahmealbum. Ach ja, am Ende wird dieser Song richtig doomy, heavy und verwirrt vollkommen, ist aber gerade aufgrund der Steigerung der Hauptmelodie in Punkto Intensität und Dramatik nur noch brillanter. Vom Inferno fließt der Song zurück in die Friedfertigkeit. Melancholisch, ja...ist ja kein Wunder, oder? Ein wenig Geflippe zum Ende, welches dann ausgeblendet wird und einer bezaubernden Spieluhrenmelodie Platz macht, die so schön ist, daß man kaum mehr seiner Emotionen Herr ist. Wow! Wer auf außergewöhnliche Rockmusik und Doom steht, der soll nicht lange fackeln...