Hans Posers Wissenschaftstheorie ist weniger ein Buch der eigenen Gedanken des Authors, sondern vielmehr eine kompakte Nachzeichnung der Entwicklung dieses Gebietes im 20. Jahrhundert. Der Ausgangspunkt bildet die analytische Wissenschaftstheorie und hier insbesondere das Hempel-Oppenheim-Schema. Die einzelnen Begriffe werden detailliert eingefuehrt und gleichzeitig die Grenzen dieses Ansatzes aufgezeigt. Der Mittelteil ist der Kuhnschen und post-Kuhnschen Wissenschaftstheorie gewidmet, es wird vor allem herausgearbeitet, wie trotz dem scheitern des streng analytischen Ansatzes doch einige Grundideen davon gerettet werden koennen. Im letzten Teil werden schliesslich hermeneutische, dialektische und evolutionaere Ansaetze diskutiert, wobei hier manches (etwa die kritische Theorie und Juergen Habermas) sehr knapp gehalten bleibt. Aufgrund dieses Inhaltsschwerpunktes duerfte das Buch vor allem fuer naturwissenschaftlich interessierte Leser geeignet sein. Es bietet in diesem Bereich einen sehr guten Ueberblick, wobei weder die Grenzen der Moeglichkeiten negiert werden noch ein destruktiver Relativismus betrieben wird. Schwachpunkte: Vor allem in der Einfuehrung zur analytischen Wissenschaftstheorie fehlt der rote Faden. Manche Gedanken werden hier mehr zufaellig aneinandergereit. Vor allem im zweiten Teil wuenschte ich mir mehr Beachtung der reflexiven Anwendung (Wissenschftstheorie als Wissenschaft).