Rainer Westermanns "Wissenschaftstheorie und Experimentalmethodik" ist meines Erachtens die gegenwärtig beste Einführung in die Wissenschaftstheorie. Das Buch behandelt Erkenntnistheorie, Logik, Sprachphilosophie, Induktivismus, Falsifikationismus, die strukturalistische Wissenschaftstheorie, die Entwicklung wissenschaftlicher Disziplinen, Experimentalmethoden, Störfaktoren, Effektstärken und Signifikanztests. Grade die Kapitel zum Induktivismus, Falsifikationismus, der Struktur wissenschaftlicher Theorien, der Entiwcklung wissenschaftlicher Disziplinen und den Prinzipien von Signifikanztests und Effektstärken sind sehr ausführlich. Die anderen Themen werden knapp dargestellt. Irgendwo musste der Autor sich bei diesem Thema begrenzen.
Das Buch ist enorm gut strukturiert. Alle wichtigen Punkte sind mit Beispielen verdeutlicht; meistens werden Untersuchungen zu Festingers Theorie der kognitiven Dissonanz als Beispiel herangezogen. Die Sprache ist klar und verständlich, zuweilen etwas technisch. Der Fokus des Buches liegt auf der Wissenschaftstheorie und liefert so vor allem eine Rechtfertigung des Experiments in der Psychologie. Dabei macht es nicht den Fehler, den viele psychologische Methoden-Lehrbücher machen: Westermann stellt den Falisfikationismus nicht als der Weisheit letzter Schluss dar, sondern greift vor allem die Kritik der Strukturalisten am Falsifikationismus auf.
Der Überblick über die Störfaktoren hat mir besonders gefallen. Wer aber vor allem wissen möchte, wie man Experimente anlegt und durchführt, sollte (zusätzlich) z.B. Huber - 'Das psychologische Experiment' oder Shadish, Cook & Campbell - 'experimental and quasi-experimental designs for generalized causal inference' lesen. Ich finde, dass das Prinzip der Signifikanztests in keinem Buch so klar und verständlich dargestellt ist wie im Westermann. Es ersetzt aber natürlich kein Statistik-Lehrbuch.