Ich empfinde das Buch allenfalls als durchschnittlich, denn es ist aus meiner Sicht weder Fisch noch Fleisch: Erwartetet der Leser ein Lehrbuch über die Disziplin der Wissenschaftssoziologie (im Folgenden: WSS), so wird er ebenso enttäuscht, wie wenn er einen grundlegenden Einblick in die derzeitigen Stand der wissenschaftlichn Literatur zum Thema erwartet. Dabei habe ich im Wesentlichen drei Kernkritikpunkte:
* Das Buch stellt die WSS nur sehr rudimentär in den Gesamtzusammenhang der wissenschaftlichen Debatte um die Natur der Wissenschaft, die außer in der WSS auch in der Wissenschaftsphilosophie intensiv geführt wird. Dies verhindert beim ungeübten Leser eine Einordnung des Fachgebiets in den Gesamtzusammehang. Außerdem fehlt meines Erachtens ein Überblick über das Gebiet der WSS, der verschiedene Strömungen und ihre Grundideen darstellt. Beides hätte ich von einem Lehrbuch erwartet. Stattdessen fängt Weingart einfach an 'zu erzählen' und verliert den Leser spätestens nach dem 2. oder 3. Kapitel, denn ihm fehlt die Orientierung.
* Weiterhin hätte ich von einem Lehrbuch erwartet, dass es die bisherigen Erkenntnisse in einfacher und verständlicher Art und Weise zusammenfasst und anhand von Beispielen illustriert. Stattdessen sind die Ausführungen zu den einzelnen Zweigen der WSS teilweise so stark verkürzt und abstrakt beschrieben, dass es einem ungeübten Leser nicht möglich ist, diese zu verstehen, ohne andauernd in anderen Quellen die Bedeutung des eben Gelesenen nachzuschlagen. Dies gilt natürlich nicht für alle Teile des Buches, es ist aber auch kein Einzelfall.
* Liest man das Buch, weil man sich intensiv in die Materie der WSS einzuarbeiten, dann fehlen an vielen Stellen detaillierte Literaturverweise, ohne die man die Originalquelle von Weingarts Ausführungen sehr lange suchen muss.
**Fazit**
Als Lehrbuch um sich einen Überblick über das Fachgebiet der WSS zu verschaffen und seine Grundlagen zu verstehen, ist es aus meiner Sicht nur eingeschränkt geeignet (als Musterbeispiel eines solchen Buches sei hier Chalmers' "Wege der Wissenschaft" genannt. Chalmers schafft es sehr gut, dem Leser ein Verständnis der Thematik ebenso wie einen Überblick darüber zu vermitteln). Als Grundlagenbuch der WSS ist es ebenso wenig geeignet. Daher mein Urteil: Das Buch ist weder Fisch noch Fleich und daher nur eingeschränkt lesenswert.