Aufgrund der überwiegend positiven Rezensionen habe ich mich kürzlich dazu hinreißen lassen, dieses Buch zu kaufen - auch um mein Vorgehen im Rahmen meiner Promotion kritisch prüfen zu können.
Zunächst einmal möchte ich festhalten: Auch im Nachhinein bewerte ich den Erwerb des Buches nicht als Fehlkauf. Die Analogie zum Backen eines Gugelhupfs ist gut gewählt; sie trägt auch über weite Teile. Die besondere Stärke des Buches zeigt sich m.E. in der Betonung der Wichtigkeit von präzisem Sprachgebrauch und klarer Strukturierung eines wissenschaftlichen Dokumentes. Seine langjährigen Erfahrungen im Wissenschaftsbetrieb nutzt der Autor für durchgängig plausible Beispiele, welche die theoretischen Erläuterungen sinnvoll mit Praxisbezug unterfüttern. Kurzum: Hätte ich dieses Buch vor meiner Diplomarbeit gelesen, so wäre es ihrer Qualität sicher zuträglich gewesen.
Warum also nur eine mittelmäßige Bewertung? Nun, leider gibt es auch einige Kritikpunkte:
- Der erste, weil offensichtlichste, Punkt ist der Unterton, der einer Reihe von Formulierungen innewohnt. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich beim überwiegenden Teil der Kundschaft um Studenten handeln dürfte, halte ich diesen für problematisch: Es entsteht bisweilen der Eindruck dass der Autor eine Reihe von Problemen beim Anfertigen wissenschaftlicher Arbeiten in erster Linie auf mangelnde Disziplin oder mangelnden Intellekt eben jener Studenten zurückführt. Dieses Problem wird u.a. dadurch problematisch, dass das Buch nicht mit ermunternden Worten zur, hoffentlich unter Einbeziehung der Ratschläge verfassten, anstehenden Arbeit endet, sondern mit der nüchtern vorgetragenen Aufforderungen, sorgsame Zeitplanung vorzunehmen und einer entsprechenden vorgefertigten Tabelle.
- Der zweite Kritikpunkt ergibt sich aus den Ausführungen zur Verwendung der deutschen Sprache: So wie auch Schneider, den der Autor häufig zitiert, erscheint manche Anleitung zur Entschlackung der Sprache doch als etwas über das Ziel hinausgeschossen. Hier spielt sicher meine persönliche Einstellung eine Rolle, aber ein wenig Milde gegen den üblichen Sprachgebrauch (bspw. bei der Verwendung von formal pleonastischen Kombinationen wie GUS-Staaten) hätte sicher nicht geschadet.
- Zum Dritten sind gerade die abschließenden Ausführungen zur Tabellen und Abbildungen eher kurz geraten und werden zudem auch noch von einem eher schlechten Beispiel eines (unnötig in drei Dimensionen dargestellten) Kreisdiagramms begleitet.
- Und viertens atmet das Buch, auch wenn es sicher fachübergreifend nützlich ist, den Geist der Betriebswirtschaft. So rekrutieren sich die Textbeispiele ausschließlich aus diesem Bereich und auch einige Aussage, wie etwa der Hinweis, Formeln nur äußerst spärlich zu verwenden, ist wohl eher im Kontext der jeweiligen Disziplin zu bewerten.
Abschließend sei auch noch angemerkt, dass der Zusatz "und Dissertation" im Untertitel mit Vorsicht zu genießen ist. Wer hier Ansätze zur Lösung der üblicherweise bei einer Dissertation auftretenden Probleme (Konflikte zwischen Projektarbeit und Dissertation; Probleme mit Ansätzen, die in der technischen Umsetzung scheitern; allgemeine Fragen der Zeitplanung) sucht, wird keine Antworten finden. Fairerweise muss man aber auch hinzufügen, dass dies nicht explizit versprochen wird.