Ausgehend von einer Systemtheorie, die die moderne Gesellschaft als funktional differenziert beschreibt, liefert Luhmann in diesem Buch eine Analyse des Teilsystems Wissenschaft. Anders als bei Politik und Wirtschaft, die kausale Sonderstellungen innerhalb der Gesellschaft für sich reklamieren, behauptet die Wissenschaft für sich einen Standpunkt außer- oder überhalb der Gesellschaft insofern, als sie (bezogen auf die Soziologie) die Gesellschaft untersucht, ohne sich selbst zm Objekt ihrer Betrachtungen zu machen. Daß allerdings eine selbstreferentielle Wissenschaft nicht nur möglich ist, sondern auch ein Hochmaß an Komplexitätsreduktion und theoretischer Eleganz aufweißt, zeigt Luhmann in diesem seinem spannendsten Buch. Zu Beginn stellt er die Referenz von Wissen von einer psychischen (Das Subjekt weiß etwas) auf eine soziale (Kommunikation) um, und erreicht so unter anderem eine nichttranszendentale, operative Beschreibung von Wahrheit. Viele Trivia der Luhmannschen Theorie werden in diesem Buch erneut dargestellt, und die Ausführungen z.B. zum Verhältnis von Bewußtsein und Kommunikation sind hier einleuchtender als in seinen anderen Werken. Wer sich schon immer mit Fragen nach der Sicherheit unserer Erkenntnis und der gesellschaftlichen Bedingtheit wissenschaftlicher Entwicklung (die einerseits, z.B. im Marx'schen Denken, als von der Ökonomie determiniert erscheint und andererseits völlig losgelöst und nur sich selbst verpflichtet beschrieben wird) wird in diesem Buch zwar keine Lösung, aber eine lebbare Beschreibung des Problems finden, die sich allerdings weder durch einfache Verständlichkeit noch durch Praxisnähe auszeichnet.