Das Buch "Wissenschaft der Götter - Zur Physik des Übernatürlichen" ist wohl von der Thematik her am besten in der Metaphysik einzuordnen. Es ist schon ein Widerspruch an sich das man das 'Übernatürliche' physikalisch erfassen will. Denn die Physik ist die Wissenschaft, die sich der Beschreibung und Erfassung der Natur widmet und kann somit auf diesen Bereich gar nicht angewendet werden.. Dies ist jedoch allgemein so und ist nicht speziell auf dieses Buch bezogen.
Zum Buch:
Es fängt ja gar nicht mal schlecht an und widmet sich in seinem ersten Kapitel Lord Kelvin. Der britische Physiker (nach dem die heute in der Physik gebräuchliche Temperaturskala benannt ist) hatte in seiner Zeit, in der man von atomaren Strukturen noch nicht viel wusste, ein neues Atommodell entwickelt. Grundlage war ein Experiment mit Rauchwirbelringen, die sich abgestoßen haben. Daraus folgerte Kelvin die Atome seien eine Form von Energiewirbeln. Nun ist die Forschung heutzutage ja schon etwas fortgeschritten und man weiß, dass Atome aus kleineren Bausteinen bestehen (Elektronen, Protonen, Neutronen, Quarks etc...)
Jetzt stellen die Autoren eine Theorie auf, die besagt das diese kleinsten Teilchen, die man bisher hat finden können eben aus diesen von Kelvin beschriebenen Energiewirbeln bestehen würden. Die Autoren fahren dann fort und sagen man könnte nun viele Sachen viel einfacher erklären. Materie kann jetzt als eine dynamische Form der Energie beschrieben werden. Soweit so gut. Jedoch ist es nicht das Ziel der Wissenschaft die Dinge einfacher zu machen, sondern die Natur der Dinge aufzudecken und zu verstehen - egal wie kompliziert. Außerdem hat eine wissenschaftliche Theorie immer den Anspruch falsifizierbare, (experimentell) nachprüfbare Aussagen zu liefern, was hier leider nicht geschieht. Dennoch steht es natürlich jedem frei seine Theorien zu äußern und zu erläutern.
Dann kommt allerdings der Punkt an dem sich bei jedem Physiker die Zehennägel hochrollen. Die Autoren haben nämlich die Intension auch Übernatürliche Phänomene, wie z.B. Geistererscheinungen oder Magiezauber nach Sai Baba Manier zu erklären (oder es zumindestens zu versuchen). Es wird beschrieben, wie sich diese Energiewirbel auf Überlichtgeschindigkeit beschleunigen und so in das 'Super-Universum' eintauchen und dort existieren. Laut Autorentheorie koexistiert unser physikalisches Universum mit diesem 'Super-Universum', die beiden wechselwirken aber nicht. Fazit der Autorenüberlegungen ist, dass wenn Sai Baba z.B. Dinge hervorzaubert, dass er dann die Materie aus dem 'Super-Universum' ins unsrige überführt...
Damit machen es sich die Autoren natürlich ziemlich einfach. Phänomene so zu erklären, dass sie physikalisch gar nicht nachprüfbar sind (weil sie gar nicht in einem physikalsichen Universum stattfinden) ist für einen Naturwissenschaftler völliger Unsinn und alles andere als eine brauchbare Hypothese. Die Theorie ist so konstruiert das man sie eben nicht beweisen/widerlegen kann. Genausogut kann man als Ursache aller unerklärlichen Phänomene das allmächtige, fliegende aber unsichtbare Spaghettimonster anführen - es ist das gleiche Prinzip.
Wer also ein Buch erwartet hat in dem man versucht unerklärliche Phänomene zu enträtseln in dem man wirlich brauchbare, wissenschaftliche Überlegungen anstellt - der wird enttäuscht. Man bekommt stattdessen metaphysikalische Träumereien serviert, die für jeden Physiker absolut unverdaulich sind. Science Fiction und Fantasy Fans werden dieses Buch als gute Unterhaltung sicherlich genießen.