Change X
Eines ist sicher: Je mehr wir über das Wissen in der Wissensgesellschaft nachdenken, desto mehr müssen wir erkennen, dass wir immer weniger wissen. Turmhoch schichten sich zwar Informationen, Meinungen und Erkenntnisse in Medien, Organisationen und Denkfabriken auf, der Mensch indes fühlt sich bisweilen erdrückt oder gar überrollt von der Last der Aufklärung. Er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Schon erlauben sich die ersten Wissensarbeiter wieder, uninformiert zu sein und sich zeitweise auszublenden. Weniger wissen ist mehr. Schon Nietzsche wußte von diesem Glück zu berichten: "Das Halbwissen ist siegreicher als das Ganzwissen; es kennt die Dinge einfacher, als sie sind, und macht daher seine Meinung fasslicher und überzeugender."
Ein souveräner Umgang mit der Datenflut heutzutage ist sowieso kaum möglich, weshalb der Unternehmensberater Kai Romhardt "die Nebelschwaden der aufgeregten Wissensgesellschaft vertreiben will". Sein Rezept: Wer die Natur unseres Wissens durchblickt, bleibt in der täglichen Informationsflut Herr seiner Sinne. Und so hat er ein schmales Arbeitsbüchlein vorgelegt, eine Menge intelligenter Fragen gestellt, die der Leser zur besseren Selbsterkenntnis beantworten darf. Wenn man so will, eine Anleitung zum selbstbestimmten Wissensmanagement und zur besseren Orientierung verfasst.
50 Basics hat er dabei herausdestilliert. Nicht alle will man aufs erste Lesen ernstnehmen, wie etwa die drei Atemzüge, die Schultern, Kopf und Zunge entspannen und zur erneuten Wissensaufnahme vorbereiten. Vieles aber ist klug und zeitgemäß, etwa endlich mehr Selbstvertrauen in die eigene Wissensqualität zu gewinnen. "Innere Sicherheit entsteht, wenn Sie tiefes Verständnis in Ihre eigenen Fähigkeiten haben. Auch ohne offiziell zugeschriebene Kompetenz. Sie können Ihre wagemutige, querdenkende, autodidaktische Seite stärken, indem Sie bei zukünftigen Verzweigungen häufiger ins Unbekannte, ins Unzertifizierte abbiegen." Überhaupt sind viele Einsichten getragen von der Erkenntnis, wie fehlerhaft wir Erdlinge doch sind. Nicht die Perfektion des Universalgebildeten sei anzustreben, sondern das Drama des Begabten zu durchleiden. So ruft der Autor diesbezüglich auf, "sich zu ent-täuschen". Der Weg: "Geben Sie Schritt für Schritt Schwächen zu und achten Sie darauf, wie entlastend und entspannend diese Enttäuschung ist." Ein nützliches Erlebnis ist hierfür das Feedback von Kindern für gemeinsam erlebte Situationen.
Fazit: Das Zeitalter der Enzyklopädien ist tot. Gefragt ist ein selbstbestimmter und privater Umgang mit den schnell wachsenden Wissensspeichern, der die jeweilige persönliche Entwicklungslinie mit der richtigen Portion Informationen bereichert. Hierfür notwendig sind Geduld und Liebe zu sich selbst, mahnt der Autor am Schluß seines Werkes. Mehr gesunder Menschenverstand könnte man auch sagen - funktioniert übrigens noch besser.
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