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... statt Techniken zur Beherrschung der Informationsflut.
Warum?
Das Hauptwerkzeug des Wissensarbeiters unterscheidet sich maßgeblich von wohl allen anderen Werkzeugen: Es ist untrennbar mit der Persönlichkeit des Wissensarbeiters verbunden. Es ist Bestandteil seiner Identität. Daher kann für ihn die viel gepriesene Trennung zwischen Privatem und Beruflichem auch nicht funktionieren: Uns kommen gute Gedanken zum Job, während wir uns auf dem Rennrad oder bei einer Bergtour entspannen; andersrum bringen wir unsere ganze - individuelle - Persönlichkeit ein, wenn wir im Gespräch mit Kollegen neues Wissen schaffen. Wegen dieser Verbundenheit mit unserer Identität sollte es uns nicht egal zu sein, welches Wissen wir erwerben und auf welche Weise wir es tun.
Kai Romhardts Buch "Wissen ist machbar" versucht in erster Linie, uns für diese Perspektive zu sensibilisieren. Wenn es zudem Gebrauchsanweisung zum Wissenserwerb ist, dann von einer höheren Warte aus: es liefert verschiedene Rahmen, die wir individuell ausfüllen können. Was es nicht liefert, sind gebrauchsfertige Techniken, Tools und Methoden. Im Gegenteil versucht der Autor, uns dazu zu bewegen, das Streben nach solchen patentierten Lösungen aufzugeben. Denn solche Patentrezepte sind Stereotypen und daher letztlich Gegenspieler eines selbstbestimmten Wissenserwerbs. Und ein überreichlicher Gebrauch solcher Stereotypen führt letztlich zu Denk- und Wissensbarrieren - die irgendwann auch die persönliche Entwicklung behindern.
Diese Barrieren können nach meiner Erfahrung für den einzelnen so unüberwindbar sein, dass auch Beispiele für die Denkbarrieren selbst nicht mehr unversehrt hinter diese Barrieren gelingen und vollends verstanden werden. Deshalb benutze ich gerne zur Verdeutlichung ein skurriles Beispiel aus der Filmkomödie "Ein Fisch namens Wanda":
Otto, ein tumber, schießwütiger Gewaltmensch, hat die Philosophie für sich entdeckt. Wanda die Heldin des Films, erblickt ihn, wie er mit verschränkten Beinen und geschlossen Augen auf seinem Bett sitzt, und fragt nach dem Grund. Er meditiere, antwortet Otto, eine Technik, die buddhistische Mönche praktizierten, bevor sie in den Kampf zogen. Sie hätten sie entwickelt, um ihre ganze Energie auf die Vernichtung des Gegners zu konzentrieren...
Otto gelingt es nicht (mehr), das für ihn Neue (Buddhismus) mit neuen Augen zu sehen, sondern er klassifiziert und bewertet es mit seiner zementierten immer wieder geübten Weltsicht (Gewalt als Weg).
Der gleiche Mechanismus wirkt, wenn ein jemand nach der Lektüre des Buchs das Fehlen von Methoden bemängelt (was ich selbst erlebt habe), wo doch der Verzicht auf Methoden gerade eines der Anliegen des Autors ist.
Letztes Beispiel verdeutlicht, wie wichtig Kai Romhardts Anliegen ist - und wie schwierig die Umsetzung werden kann, wenn die "Profilabrundungen" eines Lesers bereits so weit fortgeschritten sind, das Wissen nur noch verfeinert, satt erneuert und altes dabei verworfen wird.
Schließlich ist ein selbstbestimmter, nicht stereotyper Umgang mit Wissen auch im Job wichtig: Es geht ja nicht darum, dass wir alle das gleiche wissen; sonst wären viele Wissensarbeiter betriebswirtschaftlich überflüssig. Es geht auch nicht darum, (vermeintlich) objektive, aber umfangreiche Wissensbestände auf verschiedene Köpfe zu verteilen. Vielmehr kommt es darauf an, auf Basis unserer Persönlichkeit mit unserem Vorwissen und unserer Sicht der Dinge (u.a.) im Dialog neues Wissen und neue Sichtweisen zu KREIEREN, die dem Unternehmen nützen.
Kai Romhardts Buch zeigt facettenreich Wege zum selbstbestimmten Umgang mit Wissen auf. Mehr kann es und sollte es auch nicht. Die einzelnen Schritte müssen wir selber unternehmen, denn sie müssen zu uns passen. Daher habe ich bewusst keine schnell (v)erkennbaren Einzelaspekte hervorgehoben, sondern versucht, das große Anliegen des Buches in den Vordergrund zu stellen.