insgesamt 1185 km wandern, 40 mal von morgens bis abends, also im schnitt knapp 30 km täglich, und nur drei mal einen tag lang ausruhen, und das nicht auf dem überlaufenen jakobsweg ("da könnte ich ja gleich mit der u-bahn fahren, wo genauso viele leute unterwegs sind!" sagt dazu schauspieler rober stadlober), sondern in aller einsamkeit, quer durch deutschland, von norden nach süden, von lüneburg nach füssen. na, denke ich, dass muss ja ein verbissener typ sein, der sich das antut. lese dann aber im vorwort, wolfgang lührs will den wanderweg ja gar nicht beschreiben, mehr den weg, den er dabei innerlich zurück gelegt hat, "was er mit mir gemacht hat". und dann kommt eine überraschung nach der anderen, mit jeden neuen tag. bis zum letzten tag keine langeweile, eine reiche flüssige sprache, die mich immer wieder zum wanderbruder macht, als wäre ich selbst dabei. ich freue mich mit dem autor über die poetischen momente, wenn ihm das herz aufgeht, leide mit ihm, als er wegen der blasen fast auf blankem fleisch laufen muss, schimpfe mit ihm, wenn die leute stur und unfreundlich sind, lasse mich mit ihm ein, über gott und die welt zu sinnieren, und bin immer wieder begeistert, wie er jeden tag anders erzählt, neue fragen aufwirft, andere schwerpunkte setzt. und wie er sich gewitzt hin und wieder gedanklich absetzt von seinem ihn begleitenden wanderbruder martin rohlfing. das hilft der selbsteinschätzung. ja, nichts von verbissenheit. ein lockerer, nachdenklicher, humorvoller, gut beobachtender, ideenreicher, sprachgenauer wanderer, dieser lührs. man folgt ihm seite für seite und macht dabei selbst ein paar wanderschritte mit. ja, das sollte man lesen. und genießen.