Im Vorneweg muss man eins sagen: die Gruppe der vier Zeichnerinnen, die sich CLAMP nennen, kreiert mit die schoensten Shoujo Manga, die man in Japan finden kann. Somit ist von Grunde auf jede Veroeffentlichung eine Bereicherung fuer die deutsche Comiclandschaft.
Die Zeichnerin von Wish gibt im ersten Band an, dass dies der erste Manga sei, den sie alleine (also nicht nur als Assistentin) zeichnen wuerde. Leider merkt man das an den immer noch sehr schoenen und gefuehlvollen, aber noch etwas unausgereiften Zeichnungen. Wer CLAMPs Manga "X" oder "Card Captor Sakura" kennt, wird schnell entdecken, dass noch viel mehr visuelle Ausdruckskraft in dem japanischen Graphik- und Autorenteam steckt, als durch "Wish" ersichtlich ist. Trotzdem sind auch die Zeichnungen in "Wish" teilweise sehr putzig, und besonders die "geschrumpften" Versionen von Kohaku und vor allem Koryu sind einfach zu niedlich, um wahr zu sein.
Ein weiteres Manko ist auch die stark zensierte und viel zu holprige Uebersetzung: Antje Bockel, die sich auch fuer die deutsche Version von "Neon Genesis Evangelion" verantwortlich zeigt, uebersetzt oft japanische komplette Saetze mit nur wenigen abgehakten Worten, was an die frueheren 80er Jahre Versuche des Marvel-Verlages erinnert, die grossformatigeren Superhelden-Comics in Taschenbuchformat druckte und wo jede zweite Sprechblase nur "oh", "da" und "sieh" enthielt. So schlimm faellt es nicht aus, zumal der Manga in Originalgroesse gedruckt ist, aber man merkt die Kastration an einigen Stellen nur zu deutlich. Dafuer mag sich vielleicht nicht Frau Bockel, sondern der Layouter verantwortlich zeigen, es stoert jedoch zunehmens. Andere Saetze wie "Nachts schrumpfe ich klein" zeugen von dem manchmal etwas eigenwilligen Deutsch der Uebersetzerin.
Die Zensur faellt da schon schlimmer ins Gewicht: Durchgaengig werden die Engel im Manga als weiblich und die Daemonen als maennlich dargestellt. Dabei ist dem nicht so, was den Lesern eigentlich durch die merkwuerdige Flachbruestigkeit der Engel am ehesten auffallen sollte. Sowohl Daemonen, als auch Engel haben kein definiertes Geschlecht, sondern sind androgyne Wesen.
Die auf vier Ausgaben begrenzte Story haette gut und gerne ein paar mehr Baende vertragen koennen. Die Nebencharaktere treten leider nur recht blass in Erscheinung und man bekommt das Gefuehl, dass ihre Geschichten nicht wirklich zu Ende gebracht wurden.
Man sollte diese Kritik nicht als Verriss verstehen: "Wish" ist ein sehr suesser Manga, der es wert ist, gekauft zu werden. Er macht Lust auf mehr - wer eher auf dichte Stories steht, sollte bis Fruehjahr 2000 warten, wenn bei Carlsen RG Veda erscheint. Damit sollte dann jeder bedient sein. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)