,"Wow, Sie kommen aus Deutschland. Wie wunderbar!" Der grau melierte Verkäufer der Filiale von Rack Room Shoes in Spartanburg, South Carolina, läuft zur Hochform auf. Er stellt sich als John vor, misst die Füße seiner Kunden, zaubert aus meterhohen Stapeln mit Schuhkartons die richtigen Größen hervor, tastet nach Zehen unterm Leder - und schwärmt immer wieder von Deutschland. Dort wohnt schließlich sein Chef. Und ohne den wäre ich hier längst ausgemustert", sagt John. Wer wolle denn heute noch jemanden beschäftigen, der schon über 60 Jahre alt sei? Johns deutscher Chef heißt Heinrich Deichmann. Er ist bekennender Christ und mit seinem Familienunternehmen der größte Schuhhändler Europas...'
Ein kurzer Auszug aus Wirtschaftwunder 2010" zeigt, das Buch ist nicht nur außerordentlich informativ, es ist auch unterhaltsam und gut geschrieben. In sieben Porträts vorbildlicher Mittelständler analysiert die Autorin deutsche Familienunternehmen. Gängige Vorurteile räumt sie aus dem Weg, etwa dass Kapitalgesellschaften Familien ausbremsen oder Standorte rund um den Globus austauschbar sind.
Michlers Analyse kristallisiert hingegen die Stärken deutscher Familienunternehmen heraus, wie Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit und Vertrauen - sowohl im Verhältnis zu Kunden und Zulieferern als auch zu den Mitarbeitern. Dazu kommen professionelles Management, solide Finanzierung und Innovationskraft. Diese Eigenschaften machen Familienunternehmen zu Vorbildern - für die deutsche Wirtschaft, für Nachbarländer, für die USA und auch für Schwellenländer. Die deutschen Familienunternehmen können, so Michler, die Grundlage für ein neues Wirtschaftwunder oder zumindest für einen wirtschaftlichen Aufschwung bilden - schon im Jahr 2010. Das mag zwar etwas optimistisch sein, aber nach all den Krisenberichten in Zeitungen und Fernsehen tut es gut, wieder einen optimistischen Blick auf die deutsche Wirtschaft zu sehen.
Wirtschaftswunder 2010" ist lehrreich und informativ und macht außerdem auch noch Spaß zu lesen. Unbedingt empfehlenswert!