Das Vorwort läuft unter der Überschrift "Was Sie von diesem Buch erwarten können und was nicht". So gut das klingt, so wenig kann ich mir den Leser vorstellen, der nach den gut zwei Seiten wirklich weiß, worauf er sich einlässt. Zu schreiben, der Titel klinge nach Erfolgsratgeber, aber dieses Buch hebe sich von allen anderen Erfolgsratgebern ab, ist zudem ein alt bekannter Marketingtrick. Und als ich auf Seite 14 noch las, dass sich das Buch für alle eignet, die Entscheidungen treffen, beraten, trainieren, coachen, ziemlich unter Strom stehen und Interesse an Weiterbildung haben, wurde meine Skepsis nicht kleiner. Nach 250 Seiten fragte ich mich denn auch, ob ich bei der Bewertung den Inhalt oder dessen Darbietung stärker gewichten soll. Ich hatte bei der Lektüre zudem das Gefühl, die unzähligen Versprechungen würden den Autoren ebenfalls leichtes Unbehagen verursachen. So könnte ich mir erklären, warum der Einstieg so kompliziert ist und mich an Schulstunden erinnert, in denen Lehrer lächelnd ihr kaum zu bewältigendes Jahresprogramm vorstellten. Aber vielleicht habe ich einfach das Prinzip des 7-Felder-Programms und das farbenfrohe Rad zum Drehen nicht verstanden.
Leser, die den Tipp beherzigen, das im Buch liegende Rad ebenso eifrig zu benutzen wie Stift, Papier und Computer werden wahrscheinlich den größten Gewinn von der Lektüre haben. Da ich zugegebenermaßen anders vorging und einfach herauspickte, was mir gefiel oder interessant schien, ist meine Meinung sicher nicht repräsentativ. Im Folgenden gebe ich mir Mühe, den Inhalt einigermaßen nachvollziehbar zu machen. Im ersten Entwicklungsfeld "Idee" wird auch der Aufbau der anderen klar. Jedes Feld beginnt mit sieben Thesen für Eilige, einer Einführung und einem Test. Dann folgen die Abteilungen "Impulse" sowie "Geschichten und Hintergründe2. Und bevor es zum nächsten Feld geht, gibt es noch ein Interview mit einer Fachperson sowie einige Zitate und Assoziationen. Leser, die noch nie ein Buch zum Thema Kreativität gelesen haben, werden die Komprimierung der gängigsten Thesen, Techniken und Tipps bestimmt schätzen. Und wer sich auf diesem Felde bereits zu Hause fühlt, wird wenigstens an Unterlassungssünden erinnert und vielleicht wieder etwas systematischer vorgehen. Sätze wie "Kreativitätsmethoden werden meist überschätzt und sind doch wichtig" deuten allerdings auch in diesem Kapitel darauf hin, dass es zum Stilmittel der beiden Autoren gehört, Aussagen immer wieder zu relativieren. So sehr ich diesen Ansatz nachvollziehen kann, so mühsam finde ich ihn auf Dauer.
Auf dem Entwicklungsfeld Struktur erfährt der Leser, wie er Klarheit und Transparenz schaffen kann, warum Struktur systemisches Verständnis und Realitätssinn braucht, nicht Selbstzweck sein darf, Abläufe optimiert, nach Verantwortlichkeiten fragt, direkte Kommunikation bevorzugt und die Balance zwischen Ruhe und Dynamik fördert. Wenig überraschend schnitt ich beim Test eher durchschnittlich ab, um dann bei den Impulsen festzustellen, dass dies unter anderem an meinen Arbeitsmethoden, Störungen von außen, meine chaotischen Planung und mangelhaftem Prozessmanagement liegt. Da all meine Fehler den Erfolg nicht verhindern konnten, ist die Wahrscheinlichkeit allerdings klein, dass ich die gut gemeinten Ratschläge der beiden Autoren befolgen werde. Zumal ich von Chaosforschung, Synergetik, Kybernetik und allgemeiner Systemtheorie nicht allzu viel halte, wenn deren Ergebnisse mit meinem Alltag nur bedingt zu tun haben.
Das dritte Feld behandelt den Umgang mit Ressourcen. Laut Testergebnissen ist mein Nachholbedarf auf diesem Gebiet etwas kleiner. Dachte ich zumindest, bevor ich las, wie weit die Autoren den Begriff fassen. Ohne mich dazu gezwungen zu fühlen, überall punkten zu müssen, stieß ich in diesem Kapitel auf Anregungen, die ich äußerst wertvoll fand und meine Vermutung bestätigten, dass dies ein Buch für Rosinenpicker wie mich ist. Im vierten Feld gibt es eine Fülle von Antworten auf die Frage, ob sich gezielte Entwicklungsarbeit lohnt. Weitere Stichworte sind: Persönlichkeit, Teams und Organisation - Harmonie und Gegensätze - Lernen und Lehren - Vom Anfänge zum Könner - Aufwand und Wirkung. Für Verzögerer und Verhinderer besonders lesenswert ist das fünfte Entwicklungsfeld Handeln. Auch hier kann das Beantworten der Testfragen erste Hinweise geben, wie intensiv man sich mit diesem Thema beschäftigen soll. Das riesige Feld der Kommunikation wird im sechsten Kapitel beackert. Und zu guter Letzt kreisen die Autoren das Entwicklungsfeld Führung ein, bei dem sie nicht unerwartet so viele Möglichkeiten aufzeigen, dass persönliches Zurechtfinden alles andere als einfach ist.
Mein Fazit: Die beiden Autoren sind angetreten, einen Erfolgsratgeber zu schreibe, der keiner sein soll. So löblich dieser Ansatz ist, geht er leider auch auf Kosten von Klarheit. Leser, die das Buch als Arbeitsinstrument und Ideengeber sehen, werden von der Lektüre am meisten profitieren. So leicht in die Praxis umsetzen, wie dies von den Autoren behauptet wird, lässt sich das Gelesene wohl kaum.