Professor Klaus Moser hatte keine leichte Aufgabe zu bewältigen. Er muss so vielen Herren dienen und alte Zeiten ebenso berücksichtigen wie die künftige Verabschiedung des Homo oeconomicus. Bei meiner Bewertung habe ich diese Sachzwänge und den starren Rahmen eines Lehrbuches stark berücksichtigt. Denn aufgrund meiner Glaubensmodelle bin ich in vielen Punkten anderer Meinung als die Autoren. Und trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass man den Studierenden einige Verunsicherungen zugemutet hätte. Schliesslich macht sich auch der bisher einzige deutsche Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, Reinhard Selten, für ein Umdenken stark, wenn er sich mit dem Satz "Entscheidungen werden nicht getroffen, sondern quellen auf" zitieren lässt.
Der Herausgeber Klaus Moser und die von ihm angefragte Autoren breiten auf über 400 Seiten ein Wissen aus, das mich beeindruckt, Studierende wohl eher erdrückt. Eingeteilt ist die geballte Informationsmenge in drei grosse Kapitel. In "Kaufen und Konsumieren: Erlangen von Ressourcen" werden u.a. Werbewirksamkeitsmodelle, Kaufentscheidungen, Markenmanagement, Kundenzufriedenheit und 'bindung, Marketinginstrumente sowie Marktforschungsmethoden behandelt. In "Haushalten und Verbrauchen: Erhalten von Ressourcen" erfahren wir Grundlegendes über Finanzpsychologie, Gesundheit, Work-Life-Balance, Berufswahl und Arbeitslosigkeit. In "Bürger sein: Bewerten und Gestalten von Ressourcen" wird über Leitbilder, Einstellungen, Bürgersinn, Schädigung öffentlicher Güter sowie Selbständigkeit gesprochen. Erst im "Epilog", der leider lediglich 17 Seiten umfasst, wird auf Wirtschaftspsychologie und die Natur des Menschen eingegangen. Diese Kürze eines doch sehr wichtigen Aspekts veranlasste mich zum Abzug eines Sterns. Sehr gut und hilfreich ist der Anhang mit einem ausführlichen Glossar und dem Sachverzeichnis.
Der didaktische Aufbau, der sich durch jedes Kapitel hindurchzieht, gefällt mir. Nach einer prägnanten Einführung ins Thema wird das an Hochschulen gefragte Wissen ausgebreitet. Und zwar in einer Sprache, die trotz Verwendung der akademischen Fachbegriffe verständlich ist. Viele Beispiele aus der Praxis hauchen der Theorie Leben ein. Und wo das Textverständnis durch allzu detaillierte Hinweise unnötig erschwert würde, übernehmen Info-Boxen, Tabellen und Abbildung die Informationsvermittlung. Nach dem Fazit in wenigen Sätzen findet der Leser schliesslich noch so viele Literaturangaben, dass er ein Leben lang studieren und lesen könnte.
Mein Fazit: Sonst eher kein Freund von Lehrbüchern hat mich dieses Exemplar angenehm überrascht. Dem Herausgeber ist es gelungen, universitäres Pflichtwissen so zu vermitteln, dass es verdaubar ist und wichtige Zusammenhänge erkennen lässt. Sprachlich gut formuliertes Grundwissen wird auch grafisch so präsentiert, dass Ästheten beim Lernen nicht vom Grauen gepackt werden. Schade nur, dass der Abschied vom Homo oeconomicus eher auf einem Nebenschauplatz stattfindet.