Drei Professoren haben sich zum Ziel gesetzt, so ziemlich die ganze Wirtschaftwelt durch ihre Psychologen-Brillen zu betrachten. Oder sie beauftragten damit Berufskollegen. Das ist ein gewagtes Unternehmen und erinnert fast an die Versuche der Aufklärer, das Weltwissen zwischen Buchdeckel zu klemmen. Wer neugierig auf das Resultat der drei forschenden Musketiere ist, muss zuerst mal einen 50 Euroschein in die Hand nehmen. Das scheint viel, ist es aber nicht, wenn man den Aufwand und die sorgfältige Gestaltung der gut 450 Seiten in Betracht zieht. Fragt sich allerdings, für wen dieses Handbuch gedacht ist. Denn kaum jemand wird sich für jedes der zahlreichen Themen interessieren und den dicken Wälzer von vorne bis hinten durchlesen. Zumal wir im Wikipedia-Zeitalter leben. Doch da der Versuch nun mal vorliegt, erhält er auch meine persönliche Bewertung.
Die Herausgeber entschieden sich für das Ordnungsprinzip A-Z. Für Systematiker gibt es zudem ein themenbezogenes Inhaltsverzeichnis sowie ausführliche Personen- und Sachverzeichnissen. Am Schluss jedes Artikels finden sich jeweils weiterführende und zitierte Literatur. Allerdings habe ich bei den von mir genauer unter die Lupe genommenen Themen meine Zweifel, ob all die zitierte Literatur auch wirklich verarbeitet wurde. Bei den Gebieten, die sich mit Emotionen, Marketing und Werbung befassen, wurde ich nicht glücklich. Aber das geht wohl jedem Leser so, der die Stichworte aufmerksam liest, in denen er sich als Experte fühlt. Trotzdem meine ich, dass sich die Herausgeber davor scheuten, neueren Erkenntnissen viel Raum zu geben, Fragen offen zu lassen und Autoren das Wort zu erteilen, die sich 'nur' im praktischen Berufsleben auszeichneten, aber keinen Sitzplatz im Senatszimmer einer Universität haben. So wirkt eben doch einiges sehr akademisch, elfenbeinern und textlastig.
Mein Fazit: Ich habe solche Bücher trotz aller Kritik gern, weil sie Assoziationsketten freilegen, Zusammenhänge aufzeigen, Neugier wecken und interessante Büchertipps enthalten. Wer sich jedoch nur für ganz spezifische Einzelthemen interessiert und zu den routinierten Internetsuchern gehört, kann sich wirtschaftspsychologisches Wissen auch im Netz holen.