Dieses Buch bietet eine Einführung in die so genannte "Österreichische Schule" der Volkswirtschaftslehre (ÖS).
Die ÖS heißt so, weil ihre wichtigsten Vertreter ursprünglich aus Österreich stammten, u. a. ihr Gründer Carl Menger. Im 19. Jahrhundert wunderte man sich, woher die auf dem Markt gehandelten Waren ihren Wert erhalten: Aus den Produktionskosten? Durch die darin enthaltene Arbeit? Und warum ist lebensnotwendiges Wasser so viel billiger als im Grunde nutzlose Diamanten?
Menger erkannte, dass alle Bewertungen subjektiv sind (Meier mag vielleicht Äpfel, aber Müller lieber Birnen). Außerdem kommt es auf den Grenznutzen (z. B. eines zusätzlichen Apfels) an. Dann sieht man, dass ein zusätzlicher Diamant wertvoll ist, aber ein weiterer Schluck Wasser nicht (denn es gibt in der Regel sehr viel Wasser).
Da Nutzen subjektiv sind, kann man sie weder messen noch vergleichen. Das bedeutet aber auch, dass man Nutzen nicht gegeneinander aufrechnen oder geplant verbessern kann. Allein schon aus diesem Grund muss eine sozialistische Planwirtschaft scheitern. Darüber hinaus muss der Sozialismus aus Sicht der ÖS ineffizient sein, weil dort keine wirtschaftliche Kalkulation möglich ist. Diese setzt nämlich Märkte, Unternehmer und damit Privateigentum voraus.
Diese grundsätzlichen Erkenntnisse werden danach auf alle wichtigen Themen der Volkswirtschaftslehre bezogen:
- Preiskontrollen widersprechen den subjektiven Wünschen der Verbraucher, sodass sie erfolglos bzw. kontraproduktiv sind: Mindestlöhne erzeugen Arbeitslosigkeit; Kündigungsschutz erzeugt Arbeitslosigkeit; Mietobergrenzen verringern das Angebot an Wohnraum; Drogenverbote erzeugen Kriminalität.
- Staatliche Geldpolitik erzeugt erst die Konjunkturzyklen, die sie angeblich bekämpfen soll: Sie manipuliert die Zinsen und führt damit zu einer nicht nachhaltigen Produktionsstruktur.
- Konjunkturprogramme sind kontraproduktiv, weil sie die notwendige Anpassung der Produktionsstruktur verhindern.
- Wettbewerb bedeutet, dass es Rivalität gibt. Monopole können deshalb nur mit staatlicher Unterstützung überleben; der Markt würde sie sonst zerstören.
- Entwicklung benötigt keine Entwicklungshilfe, sondern Marktwirtschaft mit einem gesicherten Recht auf Privateigentum. Andernfalls ist Wirtschaftswachstum unmöglich, weil Investitionen zu unsicher sind.
Die ÖS denkt immer an mündige Verbraucher, verantwortungsvolle Unternehmer und macht-besessene Politiker. Das bedeutet, dass sie die Welt realistischer sieht als andere Richtungen der Volkswirtschaftslehre. Deshalb gibt sie auch keine präzisen Vorhersagen ab, sondern weist auf Trends hin. So gibt es in der Politik den Trend, gescheiterte Interventionen mit weiteren Interventionen zu reparieren. Das muss zwangsläufig in Richtung Sozialismus führen.
Wirtschaften braucht eine ethische Grundlage. Die ÖS tritt deshalb für mehr Eigenverantwortung ein und kämpft u. a. gegen Programme, die Schuldnern eine schnelle Privatinsolvenz zu Lasten der Gläubiger erlauben. Die Menschen sollten beachten, dass Geld nur Mittel zum Zweck ist. Dann ist auch Spekulation nützlich, weil sie Ungleichgewichte auf dem Markt schnell beseitigt. Leider gibt es in Demokratien einen eingebauten Trend zur Kurzfristigkeit, der sich dann auch auf die Wirtschaft überträgt. Wie Prof. Hülsmann gezeigt hat, kommt es zu schwer wiegenden Folgen, wenn die Menschen Mittel und Zwecke verwechseln.
Wie man sieht, ist die ÖS sehr staatskritisch. Sie weiß aber auch, dass die Gesellschaft so ist, wie die sie konstituierenden Menschen handeln. Es hilft deshalb nicht, den Staat zu verteufeln; man muss statt dessen eine "Ent-Täuschung" durchführen und den Menschen zeigen, wie die Realität funktioniert. Dann werden diese vielleicht Aktionen starten, anders einkaufen oder ihr Wahlverhalten ändern.
Der Staat kann die Gesellschaft nicht planen bzw. steuern. Alle diesbezüglichen Experimente schlugen fehl. Die Versuchungen der Macht kann man am besten dadurch begrenzen, dass man die Größe des Staates (geografisch und fiskalisch) verringert. Deshalb tendieren kleinere Länder (Liechtenstein, Schweiz) dazu, freier zu sein als große. Manche Vertreter der ÖS fordern eine Rückkehr zum Minimalstaat des 19. Jahrhunderts bzw. streben Anarchokapitalismus an. Es ist deshalb kein Wunder, dass es eine enge Beziehung zwischen Libertären und der ÖS gibt.
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Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es folgt der Tradition der ÖS, möglichst auf Zeichnungen und Formeln zu verzichten. Mathematische Formeln müssen eindeutig sein und können deshalb die Subjektivität der Menschen nicht darstellen. Die Darstellung im Buch beruht vor allem auf der wichtigen Erkenntnis der ÖS, dass es den so genannten perfekten Wettbewerb (alle bieten das Gleiche zu einem einheitlichen Preis an) nicht gibt. Der Markt ist statt dessen ein Entdeckungsverfahren: Unternehmer entdecken Ungleichgewichte und handeln, wobei sie entweder erfolgreich sind (Gewinn) oder nicht (Verlust). Durch ihr Handeln entstehen neue Fakten, sodass der Prozess in eine neue Phase eintritt. Es gib somit eine Tendenz zum Gleichgewicht, aber es kann nie erreicht werden.
Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich für Volkswirtschaftslehre interessiert. Studenten können damit erkennen, warum die Modelle aus dem Studium die Finanzkrise nicht prognostizierten und warum die keynesianische Wirtschaftspolitik ökonomisches Voodoo ist.