Um Max Weber kommt auch bald 100 Jahre nach Erscheinen seines Hauptwerks keiner herum, der sich mit verschiedensten Aspekten der Gesellschaft aus analytischer Perspektive beschäftigen will. Seine präzisen und prägnanten Definitionen und Typologien von sozialen Beziehungen, Macht oder Herrschaft lernt zu Recht jeder Soziologie- oder Politologiestudent in den ersten Semestern.
Ob Staatsphilosophie, Wirtschaftssoziologie oder Religionssoziologie, aber auch für viele nicht-sozialwissenschaftlichen Disziplinen sowie auch für den nicht-akademischen Leserkreis bietet dieses vergleichsweise verständlich geschriebene Werk ein schier unerschöpfliches Reservoir an hellsichtigen Ideen zum überzeitlichen Verständnis von Gesellschaften. Was ist Legitimität, was die Identität einer politischen Gemeinschaft, was sind die wirtschaftlichen Grundlagen des Imperialismus? Das sind nur einige der klassischen Topoi der politischen Ideengeschichte, die Weber eindrucksvoll behandelt.
Die Ausgabe vom Verlag Zweitausendeins vereint das ganze Werk in einem Band zum unschlagbaren Preis. Dafür sind die über 1000 Seiten so dünn, dass sie, zumindest bei meinem Exemplar, teilweise arg zusammenkleben, was auch von einem mangelhaften Schnitt herrühren könnte. Es kann natürlich sein, dass dies nur in meinem Falle so ist. Wer gerne repräsentative Bände in seinem Regal stehen hat, dem wird die Gestaltung wohl nicht zusagen, zumal auf den Buchrücken (!) ein, wie mir scheint eher willkürlich gewähltes (da beileibe nicht das bekannteste), längeres Zitat aus dem Buch gedruckt ist, wo Autor und Titel genügt hätten.
Fazit: Wer es noch nicht hat und wer sich das Geld für schönere, u.U. mehrbändige Ausgaben sparen will, sollte hier zugreifen. Für diesen Preis bekommt man Webers Standardwerk nicht einmal, wenn man es sich aus dem Internet, wo das Werk aufgrund der seit dem Tode des Autors verstrichenen mehr als 75 Jahre mittlerweile zu finden ist, ausdrucken würde.