Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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52 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine universale Soziologie der modernen Welt, 12. Dezember 2008
Nur drei Menschen haben Wirtschaft und Gesellschaft" von Max Weber gelesen. Der erste ist danach wahnsinnig geworden, der zweite hat alles wieder vergessen und der dritte bin ich, und mir geht es auch schon ganz schlecht. Das ist natürlich nur ein Scherz, er zeigt aber, von welchem Kaliber das vorliegende Hauptwerk des großen Soziologen Max Weber (1860-1919) ist. Es ist ein unredundantes Universalkompendium der Soziologie, in dem der Weber in extrem verdichteter Begriffsbildungsprosa alles sagt, was es über Staat und Gesellschaft, Wirtschaft, Recht und Herrschaft an Grundsätzlichem zu sagen gibt. So wie es heißt, dass alle Philosophie nur Fußnoten zu Plato seien, so könnte man genau so behaupten, das alle Soziologen der letzten einhundert Jahre Epigonen waren, die die grundlegenden Denkansätze Webers weiter ausbauten.
"Wirtschaft und Gesellschaft" umfasst fast 1000 dicht bedruckte Seiten und zahlreiche Kapitel, von denen jedes einzelne mehr Substanz enthält als ein normales Buch. Im 1. Kapitel, der "Soziologischen Kategorienlehre" geht es um die elementaren Beziehungen, um soziales Handeln, Brauch und Sitte, um Kampf und Macht, um Betrieb, Staat und Kirche. Kapitel II beschäftigt sich mit den "Soziologischen Grundkategorien des Wirtschaftens", um Tausch und Markt, Arbeit und Geld. Die bekanntesten Passagen von "Wirtschaft und Gesellschaft" thematisieren das Phänomen der Herrschaft ( Kapitel III und IV ), bei deren Analyse Weber die "traditionelle", "legale" und "charismatische" Herrschaft untersucht, aber auch Gewaltenteilung, Parteien, Verbände, Stände und Klassen Es folgt eine umfangreiche, historisch angereicherte Wirtschaftssoziologie unter besonderer Berücksichtigung der Familien- und Rechtsverbände sowie eine Religionssoziologie, in der Weber nicht nur die Entstehung der Religionen sondern auch die Typen des Religiösen wie "Zauberer", "Priester", "Prophet" und "Heiliger" fixiert, um am Ende die Rolle der Religion "in der Welt" zu fixieren. Das wäre an sich schon mehr als genug für ein ganzes Lebenswerk, aber nun beginnt mal gerade erst der zweite Halbband des Buches. Er bietet gleich drei große Entwürfe in einem, eine Rechtssoziologie, eine Staatssoziologie und eine Herrschaftssoziologie, die in Erörterungen zur Führerauslese innerhalb der parlamentarischen Demokratie mündet.
So weit so imposant. Nun aber die Warnung. Diese Soziologie der modernen Welt, die Weber in Wirtschaft und Gesellschaft bietet, kommt nicht heiter und gefällig daher. Sie ist in einer erschreckenden begrifflichen Dichte und einer Präzision des sachlichen Zugriffs verfasst, die dem Leser das letzte abverlangt. Webers Darlegungen besitzen den Charme eines Telefonbuches, sind aber an Präzision nicht zu übertreffen. So ist dieses Buch ein echter Erzieher, es zwingt den Leser unter das Joch des klaren Denkens, es bläst ihm die Flausen aus dem Kopf und füllt denselben mit glasklar definierten Begriffen. So wie man gesagt hat, niemand, der einmal wirklich geliebt wurde, könne je wieder ganz unglücklich sein, könnte man auch behaupten, jeder der einmal Max Weber gelesen hat, kann nie mehr ganz blöde sein. Also ran, und nicht verzweifeln, wenn die Lektüre ein paar Jahre dauert.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mehr Weihrauch bitte!, 8. Dezember 2007
Ich bin einer jener ehemaligen Studenten welche unter anderem auch die Arbeiten Max Webers studieren "musste" (bzw. durfte). Und ich gestehe ich habe Max Weber zu Beginn meines Studiums schlicht weg "gehasst". Es begann damit dass wir uns jene "Soziologische Grundbegriffe" (ein Taschenbuch UTB Verlag) im Grundstudium zu Gemüte führen mussten und ich (aber nicht nur ich) damit schlichtweg überfordert waren. Die geballte semantische Präzision seiner Definitionen waren des Guten zuviel für einen jungen Studenten. Dabei sind jene "Soziologische Grundbegriffe" nur jene knapp 40 Seiten auf die dann noch die weiteren ca. 850 Seiten seines Hauptwerkes folgen! Einige Jahre des Studiums später jedoch, (solange hatte ich einen großen Bogen um Weber gemacht), musste ich mich nun seiner Arbeit stellen, denn sie war im Studium prüfungsrelevant.
Waren es nun die Früchte meines Studiums, oder die vorangeschrittene Menschwerdung, auf alle Fälle empfand ich nun Max Webers Werk als eingängig und Genial.
Wie bereits gesagt: Die soziologischen Grundbegriffe, eine Sammlung quasi soziologischer Legaldefinitionen des Juristen Weber sind Inbegriff einer begrifflichen Präzision die ihres gleichen sucht. So zum Beispiel Max Webers berühmte Definition des Begriffes "Macht": "§16. Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht." (Vgl. Max Weber, 5. Auflage 1990 (zuerst 1921): 28).
Webers Hauptwerk gliedert sich zunächst aus den eher unbeutenden allgemeinen Ausführungen über die Methodologischen Grundbegriffe, danach den besagten "Soziologische Grundbegriffe" und weiterführende Kategorien des Wirtschaftens. Danach folgen Typologiestudien über Herrschaftsformen (sehr interessant, unbedingt lesen!).
Der Zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit dem sozialen Beziehungsgeflecht wirtschaftlichen Handelns aus dem Blickwinkel der Gesellschaft, ethnischer als auch religiöser Beziehungen. Im letzteren fließt die Essenz seines berühmten Werkes "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" ein (meiner Ansicht nach seinem genialsten Werk neben diesem hier!).
Das zweite Halbband widmet sich ausgiebig der Herrschaftssoziologie.
Beurteilung:
Max Weber gilt im Allgemeinen als Begründer der "Soziologie" in Deutschland. Im Besonderen ist er auf alle Fälle der Begründer der "Religions-" als auch der "Herrschaftssoziologie". Sein entwickeltes Begriffsfundament dient bis Heute als Maßstab auch für andere Wissenschaftsdisziplinen (zum Beispiel der Politik-, oder der Wirtschaftswissenschaft).
Max Webers Verdienst darin besteht, durch stringente Begriffsentwicklung Soziales Handeln ursächlich in Ablauf und hinsichtlich seiner intendierten als auch nicht intendierten Wirkung Werturteilsfrei zu erklären; - was aus heutiger Sicht als innovative Leistung gar nicht hoch genug bewertet werden kann. Andererseits muss aus heutiger Sicht der mangelnde Beitrag von Max Weber zur Methodologischen Forschung angesehen werden. Dabei ist diese Kritik lediglich als verschenktes Potential Weberscher Arbeit zu sehen.
Max Weber wendet bei seiner Forschungsarbeit die Methode der "vergleichenden qualitativen Analyse" an. Und zwar in einer Art und Weise wie sie danach niemals wieder von einem Menschen im Wissenschaftsbetrieb angewendet wurde. Die Methode durch ausgiebiges vergleichendes Quellenstudium, sowie der als Analysewerkzeug dienenden Operationalisierungen der zuvor entwickelten Definitionen zu Parametern um damit zu Aussagen zu gelangen, ist eine hohe Kunst welche die wenigsten Wissenschafter beherrschen. Weniger talentierte Wissenschafter gleiten hierbei meist in die narrative Anreihung von Geschichten ab, meist noch Verbunden mit einer subjektiven Wertung.
Fazit:
Das hier vorliegende Werk sollte jeder studieren der sich ernsthaft mit Soziologie und daraus resultierenden Folgestudien beschäftigt (und zwar um diese zur Gänze zu verstehen). Max Weber hat grundlegende Prinzipien der Wirtschaft in seiner Wechselwirkung zu Staat (Herrschaft), Parteien, Religion, Ethik bis hin zur Sexualsoziologie als Gesetzmäßigkeit erklärend dargelegt.
Dieses Buch ist allen anderen, insbesondere jenen reduktionistischen Wissenschaftsansätzen überlegen, die heute leider in Mode gekommen sind. Insbesondere jener vollkommen fehlgeleiteten Theorie des "Rational Choice" mit ihrem unsäglichen Reduktionismus zu einfachen wie schwachsinnigen Modellannahmen die hieraus weiterentwickelt wurden (zum Beispiel jene "Spieltheorie" mit solchen unnützen Modellen wie: "Chicken game").
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6 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Klassiker - der auch das Heute erklärt, 12. Juli 2001
Ein Klassiker, und wenn man andere Klassiker wie z.b. das Kapital von Marx kennt ein durchaus sehr gut lesbarer Klassiker. Weber hat es in seinen zwar sehr umfangreichen Buch immer wieder hervorragend verstanden, seinen Erläuterungen zur Bürokratie, Herrschafts- und Wirtschaftsformen klar verständlich zusammenzufassen. Allerdings gibt es in diesen Buch auch einen Kritikpunkt, der allerdings nicht auf Weber zurückgeht. Oftmals sind nach meiner Ansicht der Neubesorgung Brüche entstanden, welche auf Ansichten des Herausgebers zurückgehen. Dies wird auch im Vorwort zugegeben, dies ist jedoch nur ein kleines Manko an diesen sehr großartigen Klassiker, und dieser Manko ist nicht Weber anzurechnen.
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